Freitag, 3. April 2020

Haditsch und Streeck

 Der Schweizer

Deutschland: Das deutsche Robert-Koche-Institut rät nun sogar von Autopsien testpositiver Verstorbener ab, da das Risiko einer Tröpfcheninfektion durch Aerosole angeblich zu hoch sei. Dadurch kann jedoch die wirkliche Todesursache in vielen Fällen nicht mehr bestimmt werden.
Ein Facharzt für Pathologie kommentiert dies wie folgt: „Ein Schelm, wer böses dabei denkt! Bisher war es für Pathologen selbstverständlich, mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen auch bei infektiösen Erkrankungen wie HIV/AIDS, Hepatitis, Tuberkulose, PRION-Erkrankungen usw. zu obduzieren. Es ist schon bemerkenswert, dass bei einer Seuche, die über den ganzen Globus hinweg Tausende von Patienten dahin rafft und die Wirtschaft ganzer Länder nahezu zum Stillstand bringt, nur äußerst spärliche Obduktionsbefunde (sechs Patienten aus China) vorliegen. Sowohl aus seuchenpolizeilicher als auch aus wissenschaftlicher Sicht sollte hier doch ein besonders großes öffentliches Interesse an Obduktionsbefunden bestehen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Hat man Angst, davor, die wahren Todesursachen der positiv getesteten Verstorbenen zu erfahren? Könnte es sein, dass die Zahlen der Corona-Toten dann dahin schmelzen würden wie Schnee in der Frühlingssonne.“

Hier aus den USA: der Zusammenhang von Anstieg der Infizierten und dem Anstieg der Tests:


Prof DDr Martin Haditsch, Facharzt Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie COVID-19

Ein sehr klarer, ruhiger Vortrag von Professor Martin Haditsch aus Österreich, vom 30.3. 18 Minuten

  • SarsCov2 ist ein neues Virus mit einem breiten Krankheitsspektrum von asymptomatischer Besiedelung bis zu tödlichen Verläufen
  • Grundkrankheiten und Alter sind assoziiert mit einem häufig schwereren Verlauf
  • ein positiver Effekt der Händehygiene gilt als nachgewiesen
  • der Nachweis von Erbsubstanz des Virus (PCR-positiv) gilt als Infektionsindikator
  • das Ausmaß besonders der schweren Fälle ist von der Infrastruktur abhängig
  • die Auswirkung auf die Weltwirtschaft wird dramatisch sein
  • derzeit noch nicht belegt sind alle Angaben zu Infektiösität und Tödlichkeit, niemand verfügt über die dafür erforderlichen Bezugszahlen
  • der positive Effekt von Maßnahmen wie sozialer Distanz und Schulschließungen etc. ist nicht erwiesen, Singapur und Schweden haben das nicht und die Pandemie ist unter Kontrolle
  • Grenzschließungen haben nach Ausbruch innerhalb des Landes keinen erwiesenen Effekt

ZDF heute Markus Lanz, 1.4.

20 Minuten


Der Virologe Streeck sagt, das Hauptproblem in der aktuellen Diskussion seien fehlende Daten und Fakten, um Entscheidungen zu treffen. Die Wirkung der Maßnahmen vor der Kontaktsperre sei nicht ausreichend überprüft worden, außerdem fehlten Richtlinien für eine Exit-Strategie, so Streeck. Er betont jedoch, es sei zum jetzigen Zeitpunkt auch falsch, alle Maßnahmen wieder zurückzudrehen.

Im stark von Corona-Fällen betroffenen Kreis Heinsberg haben Prof. Streeck und sein Team diverse Oberflächen getestet und kein aktives Virus nachweisen können: Weder auf Handys, Türklinken, Waschbecken noch Katzen, selbst bei hoch infektiösen Familien. Er betont daher, es gebe stand jetzt keine Gefahr, beim Einkaufen, jemand anderen zu infizieren. Die bisherige Forschung zeige: Vor allem große Menschenmengen mit viel Kontakt seien eine Gefahr, also beispielsweise Partys und Fußballspiele.

Prof. Hendrik Streeck ist Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn. Er wird mit seinem Team im Kreis Heinsberg jetzt noch genauer untersuchen, wie sich das Virus ausgebreitet hat. Er will auch der Frage nachgehen, wie hoch die Dunkelziffer von nicht erkannten Krankheitsfällen ist. Davon, dass das RKI keine solche Studie geplant hatte, zeigte er sich überrascht.

In der Debatte über Mundschutz positioniert sich Streeck klar und sagt, entlang der Empfehlungen der WHO, dass ein flächendeckender Mundschutz nicht angemessen sei. Vor allem deshalb, weil die Schutzausrüstung etwa bei Menschen im medizinischen Bereich dringender benötigt würde.
  • haben rausgefunden, das Geruchs- und Geschmackssinn teilweise aussetzt, zum Teil auch Gehör (kurze Zeit)
  • haben an Türklinken etc. nur tote Viren gefunden, keine lebenden - Abstand halten und Hände waschen reicht
  • Modellrechnungen - es fehlen Fakten, wenn nur ein Faktor falsch ist, fällt alles zusammen
  • sie wundern sich, warum das Robert-Koch-Institut keine Studie macht oder in Auftrag gibt
  • Shut-Down - in sehr kurzer Zeit eine Maßnahme nach der anderen: es wäre besser gewesen, erstmal abzuwarten
  • ein wirklich guter Weg war der von Süd-Korea: ganz früh getestet und dann die Kontakte nachvollzogen und eingedämmt, das wäre in Deutschland auch möglich gewesen
  • die Gefahr ist, wenn das Virus ins Krankenhaus und Altenheim kommt - ein Teil der Bevölkerung ist das Virus richtig gefährlich
  • das Pflegepersonal alle paar Tage testen - dann kann man Pflegeeinrichtungen schützen
  • alle Virologen arbeiten anders: Drosten arbeitet Virus-zentriert, beobachtet das Virus, Streeck schaut mehr: was macht das Virus mit dem Menschen? Sind verschiedene Spezialgebiete. Es gibt keinen runden Tisch, keinen Austausch, die Regierung hat sich nur von einer Sicht beraten lassen
  • sie hatten schon mit vielen Viren zu tun, sie sehen, was die Ausgangsbeschränkung mit den Menschen machen, im Verhältnis zu anderen Viren und Epidemien ist das schon ganz schön krass
  • hätte sich gewünscht, dass man nicht heftig sofort reagiert sondern gemeinsam überlegt hat: wo will man denn eigentlich hin?
  • unsere Grenze ist nicht die Zahl der Infektionen sondern die Kapazität der Krankenhäuser: wir haben aber nie gehört, was unsere Richtschnur ist, unser Ziel: sind das 1.000 Infektionen pro Tag zuviel? Sind hundert zuviel? Ist eine zuviel?
  • ganz eindämmen können wir es nicht und anstelle davon, ständig die Neu-Infektionen zu zählen müssen wir auf die Intensivmediziner hören die sagen: da ist unsere Grenze, die können es am besten einschätzen, welche Maßnahmen die richtigen sind und welche nicht
  • es ist extrem wichtig, über eine Exit-Strategie nachzudenken
  • sie wollen mit ihrer Studie feststellen: 
    • so viele Menschen sind real infiziert und das ist die reale Sterblichkeitsrate
    • was sind die Infektionswege, wo es wirklich was bringt, die zu durchbrechen und in welchen Bereichen macht es eigentlich keinen Sinn? (sie haben noch nie von Infektionen in Friseursalons gehört)
  • wir wissen einfach nicht, dass über eine Unterhaltung zweier Menschen je Infektionen stattgefunden haben: am Ende muss man sich darauf besinnen: was wissen wir und was wissen wir nicht?
  • wir wissen relativ gut, dass es keine Schmierinfektion ist, also Dinge anfassen ist nicht der Infektionsweg und viele Infektionen gab es beim engen miteinander tanzen und feiern
  • jetzt geht es darum, die Nuancen dazwischen zu finden: wann findet eine Infektion statt, wann nicht?
  • das muss am Ende die Richtschnur sein, wie man bestimmte Maßnahmen zurückfahren kann
  • Schweden geht einen anderen Weg, appelliert an Eigenverantwortung, das ist nicht verkehrt
  • wir wissen, wie das Virus übertragen wird: das ist Nähe und Zeit mit einer infizierten Person, wenn man nah beieinander ist und sich anspricht, wobei Tropfen übertragen werden können
  • Schweden appelliert: Abstand halten, keine großen Gruppen bilden, aber der normale Alltag geht weiter, wenn jemand sich krank fühlt, dann bleibt er zu Hause
  • es ist nicht abwegig, dass die Schweden diesen Weg gegangen sind