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Dienstag, 21. April 2020

Swiss Propaganda Research

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Medizinische Updates

  • Stanford-Medizinprofessor John Ioannidis erklärt in einem neuen einstündigen Interview mehrere neue Studien zu Covid19. Die Letalität von Covid19 liegt laut Professor Ioannidis „im Bereich der saisonalen Grippe“. Für Personen unter 65 Jahren sei das Sterberisiko selbst in den weltweiten „Hotspots“ vergleichbar mit der täglichen Autofahrt zur Arbeit, für gesunde Personen unter 65 Jahren sei das Sterberisiko „völlig vernachläßigbar“. Lediglich in New York liege das Sterberisiko für Personen unter 65 Jahren im Bereich eines professionellen LKW-Fahrers.
  • Professor Carl Heneghan, Direktor des Zentrums für evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford, warnt in einem neuen Beitrag, dass der Schaden durch den Lockdown größer sein könnte als jener durch das Virus. Der Peak der Epidemie sei in den meisten Ländern bereits vor dem Lockdown erreicht gewesen.
  • Eine neue serologische Studie im Bezirk von Los Angeles kommt zum Ergebnis, dass bereits 28 bis 55 mal mehr Personen Covid19 hatten als bisher angenommen (ohne starke Symptome zu zeigen), wodurch sich die Gefährlichkeit der Erkrankung entsprechend reduziert.
  • In der Stadt Chelsea bei Boston hatte rund ein Drittel von 200 Blutspendern Antikörper gegen den Covid19-Erreger. Die Hälfte davon berichtete, im letzten Monat ein Erkältungs­symptom erlebt zu haben. In einem Obdach­losen­heim bei Boston wurde etwas mehr als ein Drittel der Menschen positiv getestet, wobei niemand Symptome zeigte.
  • Schottland meldet, dass die Hälfte der (aufgestockten) Intensivbetten weiterhin leer stehen. Die Aufnahme neuer Patienten würde inzwischen stagnieren.
  • Die Notaufnahme im städtischen Krankenhaus von Bergamo war zu Beginn dieser Woche erstmals seit 45 Tagen wieder vollständig leer. Inzwischen würden wieder mehr Menschen mit anderen Krankheiten als „Covid19-Patienten“ behandelt.
  • Ein Bericht im Fachmagazin Lancet kam bereits Anfang April zum Ergebnis, dass Schulschließungen zur Eindämmung von Coronaviren keinen oder einen minimalen Effekt haben.
  • Ein neunjähriges französisches Kind mit Corona-Infektion hatte Kontakt zu 172 Personen, von denen es jedoch niemanden angesteckt hat. Dies bestätigt frühere Ergebnisse, wonach die Corona-Infektion (im Unterschied zur Influenza) nicht oder kaum von Kindern übertragen wird.
  • Der deutsche emeritierte Mikrobiologie-Professor Sucharit Bhakdi gab ein neues einstündiges Interview zu Covid-19. Professor Bhakdi ist unter anderem der Ansicht, dass die meisten Medien „völlig verantwortungslos“ gehandelt haben.
  • Die deutsche Initiative für Pflegeethik kritisiert pauschale Besuchsverbote und leidvolle Intensivbehandlungen von Pflegepatienten: „Schon vor Corona starben jeden Tag in deutschen Heimen rund 900 alte, pflegebedürftige Menschen, ohne nochmals kurz vorher ins Krankenhaus verbracht zu werden. Tatsächlich wäre bei diesen, falls überhaupt, eher palliative Behandlung angezeigt. () Nach allem was wir bisher zu Corona wissen, gibt es nicht einen einzigen plausiblen Grund, den Infektionsschutz weiterhin höher zu bewerten, als die Grundrechte der Bürger. Heben Sie die Besuchsverbote auf! Diese sind unmenschlich und unnötig!“
  • Die älteste Frau des Schweizer Kantons St. Gallen ist vergangene Woche mit 109 Jahren verstorben. Sie überlebte die „Spanische Grippe“ von 1918, war nicht Corona-infiziert und sei „für ihr Alter sehr gut unterwegs gewesen“. Die „coronabedingte Isolation“ habe ihr jedoch „sehr zugesetzt“: „Sie verkümmerte ohne die täglichen Besuche ihrer Familienangehörigen.“
  • Der Schweizer Kardiologe Dr. Nils Kucher berichtet, dass in der Schweiz derzeit rund 75% aller zusätzlichen Todesfälle nicht im Krankenhaus, sondern zuhause erfolgen. Dies erklärt sicherlich die weitgehend leeren Schweizer Krankenhäuser und Intensivstationen. Außerdem ist bereits bekannt, dass rund 50% aller zusätzlichen Todesfälle in Alters- und Pflegeheimen erfolgen. Dr. Kucher vermutet, dass ein Teil dieser Personen an einer plötzlichen Lungenembolie versterben. Das ist denkbar. Dennoch stellt sich die Frage, welche Rolle der „Lockdown“ bei diesen zusätzlichen Todesfällen spielt.
  • Die italienische Gesundheitsbehörde ISS warnt, dass Covid19-Patienten aus dem Mittelmeerraum, die häufig eine genetische Stoffwechselbesonderheit namens Favismus aufweisen, nicht mit Malariamitteln wie Chloroquine behandelt werden sollten, da diese bei Favismus zum Tod führen können. Es ist dies ein weiterer Hinweis darauf, dass eine falsche oder zu aggressive Medikation die Krankheit zusätzlich verschlimmern kann.
  • Rubikon: 120 Expertenstimmen zu Corona. Weltweit kritisieren hochrangige Wissenschaftler, Ärzte, Juristen und andere Experten den Umgang mit dem Coronavirus.

Einstufung der Pandemie

Die US-Gesundheitsbehörden haben 2007 eine fünfstufige Einteilung für Grippe-Pandemien und entsprechende Maßnahmen definiert. Die fünf Kategorien richten sich nach der beobachteten Letalität (CFR) der Pandemie, von Kategorie 1 (<0.1%) bis Kategorie 5 (>2%). Die aktuelle Corona-Pandemie wäre nach diesem Schlüssel derzeit vermutlich in Kategorie 2 (0.1% bis 0.5%) einzuordnen. Für diese Kategorie war damals lediglich die „freiwillige Isolierung kranker Personen“ als Hauptmaßnahme vorgesehen.
Die WHO strich 2009 allerdings die Letalität aus ihrer Pandemie-Definition, sodass seither im Prinzip jede weltweite Grippewelle zu einer Pandemie erklärt werden kann, wie dies mit der sehr milden „Schweingegrippe“ von 2009/2010 erstmals geschah, für die Impfstoffe im Wert von rund 18 Milliarden Dollar an Regierungen verkauft wurden.
Die Dokumentation TrustWHO („Vertraue wem?“), die die zweifelhafte Rolle der WHO im Rahmen der „Schweinegrippe“ thematisierte, wurde zuletzt von VIMEO gelöscht.

Chefarzt Pietro Vernazza: Einfache Maßnahmen genügen

Der Schweizer Chefarzt für Infektiologie, Pietro Vernazza, zeigt in seinem neusten Beitrag anhand der Resultate des deutschen Robert-Koch-Instituts und der ETH Zürich, dass die Covid19-Epidemie bereits vor Einführung der „Lockdowns“ unter Kontrolle war:
„Diese Resultate enthalten Zündstoff: Offenbar zeigen nun diese beiden Arbeiten mehr oder weniger identisch: Die einfachen Massnahmen, Verzicht auf Grossveranstaltungen und die Einführung von Hygienemassnahmen sind hoch wirksam. Die Bevölkerung ist in der Lage, diese Empfehlungen gut umzusetzen und die Massnahmen können die Epidemie fast zum Stoppen bringen. Auf jeden Fall sind die Massnahmen ausreichend, unser Gesundheitssystem so zu schonen, dass die Spitäler nicht überlastet werden.“

Schweiz: Kumulierte Gesamtsterblichkeit im Normalbereich

In der Schweiz lag die kumulierte Gesamtsterblichkeit im ersten Quartal (bis 5. April) beim mittleren Erwartungswert und über 1500 Personen unter dem oberen Erwartungswert. Die Gesamtsterblichkeit lag bis Anfang April zudem über 2000 Personen unter dem Vergleichswert aus der schweren Grippesaison von 2015 (siehe Abbildungen)


Schweden: Epidemie ohne Lockdown zu Ende

Die neuesten Zahlen zu Patienten und Todesfällen zeigen, dass die Epidemie in Schweden dem Ende entgegen geht. Auch in Schweden entstand die Übersterblichkeit hauptsächlich in Pflegeheimen, die man nicht gut genug geschützt habe, wie der Chefepidemiologe erklärte.
Die schwedische Bevölkerung profitiert nun im Vergleich zu anderen Ländern zudem von einer sehr hohen natürlichen Immunität gegen den Covid19-Virus, die sie vor einer möglichen „zweiten Welle“ im nächsen Winter besser schützen könnte.
Es ist davon auszugehen, dass Covid19 in der schwedischen Gesamtsterblichkeit 2020 nicht sichtbar sein wird. Das schwedische Beispiel zeigt, dass „Lockdowns“ medizinisch unnötig oder sogar kontraproduktiv sowie gesellschaftlich und ökonomisch verheerend waren.

Anekdoten vs. Evidenz

Angesichts fehlender wissenschaftlicher Evidenz setzen manche Medien vermehrt auf schauerliche Anekdoten, um die Angst in der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Ein typisches Beispiel sind angeblich an Covid19 verstorbene „gesunde Kinder“, bei denen sich später meist herausstellt, dass sie doch nicht an Covid19 starben oder aber schwer vorerkrankt waren.
Österreichische Medien berichteten zuletzt von einigen Tauchern, die sechs Wochen nach einer Covid19-Erkrankung mit Lungenbeteiligung noch verminderte Leistungswerte und eine auffällige Bildgebung aufwiesen. In einem Abschnitt wird von „irreversiblen Schäden“ gesprochen, im nächsten erklärt, dies sei „unklar und spekulativ“. Unerwähnt bleibt, dass Taucher nach einer Lungenentzündung generell 6 bis 12 Monate pausieren sollten.
Häufig werden auch neurologische Effekte wie der temporäre Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinnes angeführt. Auch hier bleibt zumeist unerwähnt, dass dies ein durchaus typischer Effekt von Erkältungs- und Grippeviren ist, und Covid19 hierbei eher mild auffällt.
In anderen Berichten werden mögliche Auswirkungen auf verschiedene Organe wie Nieren, Leber oder Gehirn hervorgehoben, ohne zu erwähnen, dass viele der betroffenen Patienten bereits sehr alt waren und schwere chronische Vorerkrankungen hatten.

Politische Updates

  • WOZ: Wenn die Angst regiert. „Mit Drohnen, Apps und Demoverboten: Im Zuge der Coronakrise werden grundlegende Freiheiten ausgehebelt. Passen wir nicht auf, bleiben sie es auch nach dem Lockdown – doch die Extremsituation bietet auch Grund zur Hoffnung.“
  • Multipolar: Welche Agenda wird hier verfolgt? „Die Regierung lobt sich selbst, verbreitet Durchhalteparolen und bremst zugleich beim Erheben grundlegender Daten, mit denen sich die Verbreitung und Gefährlichkeit des Virus verlässlich messen ließe. Schnell und entschlossen handeln die Behörden dagegen beim Ausbau von fragwürdigen Instrumenten, wie neuen „Corona-Apps“ zur kollektiven Pulsmessung und Kontaktverfolgung.“
  • Professor Christian Piska, Experte für öffentliches Recht und Legal Tech in Wien: „Österreich ist anders geworden. Sehr anders, auch wenn die meisten es einfach so hinzunehmen scheinen. Schrittweises Hochfahren der Wirtschaft hin oder her – wir leben urplötzlich mit polizeistaatlichen Verhältnissen und gravierenden Einschränkungen unserer Grund- und Menschenrechte, die diktatorischen Regimes bestens anstünden. ()  Das ist die Büchse der Pandora, die – einmal geöffnet – eventuell nie mehr geschlossen werden kann.“
  • Mehr als 300 Wissenschaftler aus 26 Ländern warnen vor einer „beispiellosen Überwachung der Gesellschaft“ durch nichtdatenschutzkonforme Corona-Apps. Mehrere Wissenschaftler und Universitäten, darunter die ETH Zürich und EPFL-Professor Marcel Salathé, sind inzwischen aus dem europäischen Kontaktverfolgungs-Projekt PEPP-PT wegen mangelnder Transparenz ausgestiegen. Zuletzt wurde bekannt, dass die Schweizer Firma AGT in das Projekt involviert ist, die zuvor Massen­über­wachungs­systeme für arabische Staaten aufgebaut hatte.
  • In Israel demonstrierten rund 5000 Menschen (mit jeweils 2m Abstand) gegen die Maßnahmen der Regierung Netanjahu: „Sie sprechen von einer exponentiellen Zunahme der Coronafälle, aber das einzige was exponentiell zunimmt, das sind die Menschen die aufstehen um unser Land und unsere Demokratie zu schützen.“
  • Der in Madrid lebende irische Journalist Jason O’Toole beschreibt die Situation in Spanien: „Mit dem Militär auf den Straßen ist es schwer, nicht von Kriegsrecht zu sprechen. George Orwells Big Brother ist hier lebendig und wohlauf, und die spanische Polizei überwacht jeden mit Hilfe von Überwachungskameras oder durch Drohnen. () Allein in den ersten vier Wochen wurden 650.000 Menschen zu einer Geldstrafe verurteilt und 5.568 verhaftet. Ich war schockiert, als ich einen Videoclip sah, in dem ein Polizist einen psychisch kranken jungen Mann mit schwerer Gewalt festnahm, der offenbar gerade mit Brot nach Hause ging.“
  • OffGuardian: Die beunruhigenden Entwicklungen bei der britischen Polizei.
  • US-Investigativjournalistin Whitney Webb schreibt in einem neuen Artikel mit dem Titel „Techno-Tyrannei: Wie der Sicherheitsapparat der USA das Coronavirus nutzt, um eine orwellsche Vision zu verwirklichen“: „Im vergangenen Jahr forderte eine US-Regierungs­kommission, ein mit künstlicher Intelligenz gesteuertes Massen­überwachungs­system einzuführen, das weit über das in jedem anderen Land verwendete hinausgeht, um die amerikanische Hegemonie im Bereich der künstlichen Intelligenz zu sichern. Nun werden unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Coronavirus-Krise viele der „Hindernisse“, die sie als Hinderungsgründe für die Einführung dieses Systems angeführt hatten, rasch beseitigt.“
  • In einem Beitrag von Anfang April befasste sich Whitney Webb bereits mit der zentralen Rolle des „Zentrums für Gesundsheits-Sicherheit“ der Johns Hopkins Universität in der aktuellen Pandemie sowie dessen Involvierung in frühere Pandemie- und Biowaffen-Simulationen und dessen enge Verbindungen zum US-Sicherheits- und Militärapparat.
  • „Die Wahrheit über Fauci“: In einem neuen Interview spricht US-Virologin Dr. Judy Mikovits über ihre sehr negativen professionellen Erfahrungen mit Dr. Anthony Fauci, der derzeit die Covid19-Maßnahmen der US-Regierung wesentlich mitgestaltet.
  • Hilfsorganisationen warnen, dass „ungleich mehr Menschen“ an den wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen sterben werden als an Covid-19 selbst. Prognosen gehen inzwischen von 35 bis 65 Millionen Menschen aus, die durch die globale Rezession in absolute Armut abrutschen werden. Und vielen von ihnen drohe der Hungertod.
  • In Deutschland wird für 2020 mit 2.35 Millionen Beschäftigten in Kurzarbeit gerechnet, das sind mehr als doppelt so viele wie nach der Finanzkrise von 2008/2009.

Professor Homburg II

12 Minuten >>

Teil 2: War der Lockdown unwirksam? – Prof. Homburg stellt sich der Kritik

Unser erstes Gespräch mit Professor Homburg hat für jede Menge Reaktionen gesorgt. Professor Homburg hatte anhand der Reproduktionszahlen des Robert-Koch-Instituts erklärt, die Zahl R1 sei bereits vor dem Lockdown am 23.3. erreicht worden. Und daran hätte sich auch während des Lockdown wenig geändert. Also sei der Lockdown wirkungslos gewesen. Anders, als es Kanzlerin Merkel erklärt hatte. Dazu sind in unseren Kommentaren viele Fragen aufgeploppt. Die wichtigsten haben wir Professor Homburg in diesem zweiten Gespräch gestellt.

Durchschnittlich sterben ca. 2.500 Menschen in Deutschland, Corona-Sterbefälle: nur MIT dem Virus gestorben, nicht DURCH ihn:



Montag, 20. April 2020

Professor Martin Haditsch


Tolles Video! 30 Minuten >>
Der Österreicher Prof. DDr. Martin Haditsch, Facharzt Mikrobiologie, Virologie und Infektionskrankheiten im TravelMedCenter Leonding (Österreich) und auch für die Labor Hannover MVZ GmbH tätig, steht dem totalen Shutdown kritisch gegenüber.

Ergänzung zum Video COVID-19 vom 30.3.2020 mit Antworten zu häufig gestellten Fragen





Gefährlich ist’s den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn;
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.

Friedrich von Schiller


Hier noch ein wunderbares Interview - Wodarg mit dem Rapper Leon Lovelock, mehr als zwei Stunden, aber es lohnt sich!



Noch ein sehr gutes Interview: 40 Minuten

„Auf zur friedlichen Rebellion!“

Lothar Hirneise erklärt im Videointerview mit Jens Lehrich, warum es gerade jetzt wichtig ist, selbst zu denken und der Politik Paroli zu bieten.
Lothar Hirneise ist ein freundlicher, gelassener und vor allem friedlicher Mensch. Im Oktober 2019 habe ich ihn persönlich kennengelernt, als er in Hamburg einen Vortrag über sein Kernthema „Die 10 größten Mythen der Onkologie“ gehalten hat. Seit über 20 Jahren forscht der ehemalige Krankenpfleger auf eigene Faust zum Thema Krebs und führt ein privates alternatives Krebszentrum in Baden-Württemberg. Starken Gegenwind ist er also gewohnt, immer wieder hat der Mainstream versucht, Hirneise in der Öffentlichkeit als Scharlatan darzustellen, immer wieder ist er daran gescheitert, weil die Erfolge von Lothar Hirneise für sich sprechen.

Doch im Zuge der Corona-Krise wurde es auch dem sympathischen Schwaben „zu viel“, die Diffamierung anderer Meinungen in Bezug auf das Virus haben ihn handeln lassen. Lothar Hirneise gründete quasi über Nacht die Initiative „Ich bin anderer Meinung!“.

Innerhalb weniger Stunden wurde der neue YouTube Kanal fast dreitausend Mal abonniert, Zehntausende schauten das Video, das Mailpostfach von Hirneise läuft seit Tagen über, immer mehr Menschen wollen sich dieser Bewegung anschließen, weil sie spüren, dass in unserem Staat etwas Grundlegendes nicht mehr stimmt.

„Bei mir melden sich gerade auch viele Ärzte und Wissenschaftler, die dankbar sind, dass endlich eine Initiative zur freien Meinungsäußerung auf den Weg gebracht wurde“, sagt Hirneise im Vorgespräch. Um all die E-Mails und die Sorgen der Menschen beantworten zu können, sitze er oft bist 3 Uhr in der Nacht an seinem Computer.

Hirneise, der auf Mallorca lebt, ist wütend über die aus seiner Sicht völlig unnötigen Maßnahmen zur Virusbekämpfung. „Hier fühlt es sich an wie im Krieg, über mir schweben ständig Hubschrauber, mehr als tausend Menschen auf der Insel sind schon verhaftet worden,“ sagt Lothar Hirneise aufgewühlt. Dennoch wolle er mit seiner neuen Initiative optimistisch in die Zukunft schauen. „Wenn wir jetzt gemeinsam gegen die Machenschaften der Mächtigen aufstehen, dann haben wir noch die Chance auf eine bessere Zukunft, besonders für unsere Kinder.“


 Berliner Zeitung, 19.4.2020 - 00:11 , Robert John

Keine erhöhte Sterberate durch Corona in der ersten März-Hälfte

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht eine Sonderauswertung der Sterbefallzahlen. In der ersten Märzhälfte gibt es im Jahresvergleich keine Erhöhung durch Corona. 
In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut bisher 4110 Menschen aufgrund von COVID-19 gestorben (Stand 18.4.2020). Die ersten beiden erfassten Todesfälle gab es am 9. März in Nordrhein-Westfalen. Wie stark sich die Corona-Pandemie auf die durchschnittliche Sterberate in Deutschland auswirkt, zeigt das Statistische Bundesamt in einer Sonderauswertung. Bisher gibt es zunächst die aktuellen Sterbefallzahlen bis zum 15. März.

Da in Deutschland täglich mehrere Tausend Menschen sterben, sind Anfang März noch keine Sondereffekte durch die Coronakrise abzulesen. Das Bundesamt schreibt: "Die ersten vorläufigen Daten für das Jahr 2020 geben aktuell noch keine Hinweise auf eine Übersterblichkeit durch COVID-19 mit auffälligen Abweichungen nach oben. Im Januar 2020 starben nach dieser Auszählung etwa 85.000 Menschen. Im Februar 2020 waren es mindestens 79.000 Personen. Auch in der ersten Märzhälfte ist bislang kein auffälliger Anstieg der Sterbefallzahlen erkennbar. Da die Grippewelle 2020 seit Mitte März als beendet gilt, könnte ein möglicher Anstieg von Sterbefallzahlen im weiteren Verlauf des Jahres 2020 in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen."

Ob die Sterbefallzahlen ab der zweiten Märzhälfte insgesamt erhöht sind, sollen künftig regelmäßig veröffentlichte Sonderauswertungen zeigen, teilte das Statische Bundesamt am Freitag mit. Erste Zahlen für den gesamten März 2020 sollen am 30. April 2020 zur Verfügung stehen.

Bei den aktuell vorliegenden Daten aus den vergangenen Jahren seien die typischen Schwankungen während der Grippezeit von ungefähr Mitte Dezember bis Mitte April zu erkennen. Im März 2019 starben beispielsweise etwa 86.000 Menschen, im März 2018, also in einem Jahr, als die Grippewelle besonders ausgeprägt war, waren es 107.000. Von diesen Schwankungen, auch das zeigen die Zahlen, ist vorwiegend die Altersgruppe ab 65 Jahren betroffen.


 Autor: Dr. Peter F. Mayer aus Niederösterreich

Shutdown überzogen und Kollateralschäden wachsen


Zusammenfassung:
  • Österreich: ein allgemeines Shutdown mit harten Maßnahmen durchgezogen, aber auf gezielten Schutz für besonders gefährdete Personen verzichtet
  • Fokus war einseitig auf Erhaltung der Kapazität an Intensivbetten gerichtet -> aber immer mehr Kollateralschäden zu verzeichnen
  • die Bedeutung von Zahlen: sinnlos ist, das Verhältnis von gemeldeten Fällen zu Todesfällen zu berechnen, gemeldete Fälle hängen von der Zahl der Tests ab - mehr Tests mehr gemeldete Fälle
  • die Zahl der Infizierten ist nirgends, in keinem Land und zu keiner Zeit bekannt -> zu viele Infektionen verlaufen ohne Symptome, fallen daher nicht auf und landen in keiner Statistik
  • die Immunität unter der Bevölkerung  wird unterschätzt-> in der Lombardei liege Immunisierungrate bei 22%
  • Drosten: eine Immunität für das jetzige Coronavirus auf Grund von Infektionen mit anderen Coronaviren sei wahrscheinlich -> es gebe eine Art Grundimmunität, vor allem auch bei Kindern
  • Atemwegserkrankungen durch Coronaviren machen jährlich etwa 20% der Infektionen aus
  •  Kollateralschäden -> Kontroll- und Operationstermine werden  verschoben, in Wien kommen z.B. weniger Patienten mit Herzinfarktsymptomen in die Spitäler
  • der Bedarf an Intensivbetten wurde erheblich überschätzt -> in Deutschland und der Schweiz gibt es deshalb in vielen Spitälern Kurzarbeit
  • da die Umsätze für normale Behandlungen entfallen, wird medizinisches Personal zur Kurzarbeit angemeldet -> eine absurde Situation angesichts des Rückstaus an notwendigen Behandlungen
  • aus Frankreich werden vermehrt Suizide gemeldet: aus Angst vor dem Coronavirus oder aus Angst, jemanden angesteckt zu haben
  • die Schulschließungen schaden vor allem Kindern aus bildungsfernen Schichten und haben auch negative gesundheitliche Konsequenzen
  • Schulschließungen haben nicht zur Verbesserung der Kontrolle über die Krankheitsausbreitung während der SARS-Pandemie 2003 beigetragen. 
  • der Shutdown wurde ohne die wissenschaftlichen Grundlagen offenzulegen verfügt
  • die getroffenen Maßnahmen haben die gefährdete Gruppe in den Altersheimen nicht geschützt -> eine Analyse von Daten aus fünf europäischen Ländern zeigt, dass Bewohner von Plegeheimen bisher zwischen 42% und 57% aller „Covid19-Todesfälle“ ausmachten
  • jährlich sterben 2,6 Millionen Menschen an Atemwegsinfektionen -> SARS-CoV-2 kann aus statistischer Sicht nicht als gefährlicher bzw. tödlicher als andere, bereits bekannte Corona-Viren angesehen werden

Österreich und viele andere Länder haben nach dem Vorbild von China ein allgemeines Shutdown mit recht harten Maßnahmen durchgezogen, aber auf gezielten Schutz für besonders gefährdete Personen verzichtet. Fokus und Begründung der Maßnahmen war dabei recht einseitig auf Erhaltung der Kapazität an Intensivbetten gerichtet. Es zeigt sich aber, dass in anderen Bereichen immer mehr Kollateralschäden zu verzeichnen sind, vor allem auch im medizinischen und Gesundheitsbereich.

Nicht nützlich ist, dass die Bedeutung von Zahlen häufig völlig missverstanden wird. Sinnlos ist etwa das Verhältnis von gemeldeten Fällen zu Todesfällen zu berechnen. Gemeldete Fälle hängen von der Zahl der Tests ab - mehr Tests mehr gemeldete Fälle. Die Zahl der Infizierten ist dagegen nirgends, in keinem Land und zu keiner Zeit bekannt. Zu viele Infektionen verlaufen ohne Symptome, fallen daher nicht auf und landen in keiner Statistik.

Warten auf Antikörpertests

Einen wirklichen Einblick in die Zahl der tatsächlich infiziert gewesenen werden wir erst erhalten, wenn billige und einfach zu handhabende Antikörpertests zur Verfügung stehen um eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung untersuchen zu können.

Es deuten immer mehr Erkenntnisse darauf hin, dass die Immunität unter der Bevölkerung unterschätzt wird. Neue Antikörper-Daten aus der italienischen Gemeinde Robbia in der Lombardei zeigen, dass rund zehnmal mehr Personen den Coronavirus hatten als ursprünglich angenommen, da sie keine oder nur leichte Symptome entwickelten. Die Immunisierungrate liege bei 22%.

Der deutsche Virologe Christian Drosten sagt in seinem gestrigen ARD-Podcast, dass es eine Immunität für das jetzige Coronavirus auf Grund von Infektionen mit anderen Coronaviren wahrscheinlich sei. Es gebe eine Art Grundimmunität, vor allem auch bei Kindern. Atemwegserkrankungen durch Coronaviren machen jährlich etwa 20% der Infektionen aus.

Kollateralschäden

Österreichische Internisten warnen vor „Kollateralschäden“: Abseits des Coronavirus werden Kontroll- und Operationstermine verschoben, „Kollateralschäden“ würden damit drohen. In Wien kommen z.B. weniger Patienten mit Herzinfarktsymptomen in die Spitäler. 

Der Bedarf an Intensivbetten wurde erheblich überschätzt. In Deutschland und der Schweiz gibt es deshalb in vielen Spitälern Kurzarbeit, da die Umsätze für normale Behandlungen entfallen, wird medizinisches Personal zur Kurzarbeit angemeldet. Eine absurde Situation angesichts des Rückstaus an notwendigen Behandlungen.

Aus Frankreich werden vermehrt Suizide gemeldet, die aus Angst vor dem Coronavirus erfolgen oder aus Angst, jemanden mit dem Coronavirus angesteckt zu haben.

Ein eigenes großes Kapitel sind die Schäden auf dem Gebiet der Beschäftigung und Arbeitslosigkeit, sowie deren Folgen. Wie man damit im Sinne der Menschen umgehen kann, zeigt Spanien vor.

Kein Nutzen von Schulschließungen

Die Schulschließungen schaden vor allem Kindern aus bildungsfernen Schichten und haben auch negative gesundheitliche Konsequenzen.

Rasche Schulöffnung vermeidet weitere Schäden für Kinder

Eine systematische Untersuchung zu der Frage, ob Schulschließungen wirksam sind ergibt kein gutes Zeugnis für Schulschließungen. Ein Übersichtsartikel im angesehenen Medizinjournal The Lancet evaluiert 16 Artikel, die die Wirksamkeit von Schulschließungen oder anderen in Schulen implementierten sozialen Distanzierungsmaßnahmen zur Eindämmung der SARS-Pandemie 2003 untersuchten. Die Daten deuten darauf hin, dass Schulschließungen nicht zur Verbesserung der Kontrolle über die Krankheitsausbreitung während der SARS-Pandemie 2003 beitrugen. Die Autoren sprechen sich dafür aus, weniger drastische soziale Maßnahmen in Schulen zu setzen.

Shutdown mit falschen Prioritäten

Der Shutdown wurde ohne die wissenschaftlichen Grundlagen offenzulegen verfügt. Auch zu den derzeitigen Maßnahmen und insbesondere für die fortgesetzte Schulschließung gibt die Regierung keine Gründe bekannt. In anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Schweden, Dänemark etc werden Begründungen dagegen offengelegt und diskutiert.

Die Daten zeigen, dass die getroffenen Maßnahmen insbesondere die gefährdete Gruppe in den Altersheimen nicht geschützt haben. Eine Analyse von Daten aus fünf europäischen Ländern zeigt, dass Bewohner von Plegeheimen bisher zwischen 42% und 57% aller „Covid19-Todesfälle“ ausmachten. Zugleich zeigen drei US-Studien, dass bis zu 50% aller testpositiven Bewohner von Pflegeheimen zum Testzeitpunkt (noch) keine Symptome zeigten. Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen: Einerseits scheint sich die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus – wie bereits vermutet – auf eine kleine, sehr verwundbare Bevölkerungs­gruppe zu konzentrieren, die es noch besser zu schützen gilt.

Ein deutscher Palliativmediziner argumentiert in einem Interview, dass man bei der Behandlung von Covid19-Patienten „sehr falsche Prioritäten gesetzt und alle ethischen Prinzipien verletzt“ habe. Es gebe eine „sehr einseitige Ausrichtung auf die Intensivbehandlung“, obschon „das Verhältnis zwischen Nutzen und Schaden“ oftmals nicht stimme. Man würde aus oftmals schwerstpflegebedürftigen Patienten, die in der Vergangenheit zumeist palliativ behandelt worden seien, durch eine neue Diagnose Intensivpatienten machen und sie einer leidvollen, aber oftmals aussichtslosen Behandlung (mit künstlicher Beatmung) unterziehen. Im Vordergrund müsse der Wille des jeweiligen Patienten stehen.

Kritik am Lockdown in Dänemark

In Dänemark wird der Lockdown inzwischen bereut: „Wir hätten nie den Stoppknopf drücken sollen. Das dänische Gesundheitssystem hatte die Situation unter Kontrolle. Der totale Lockdown war ein Schritt zu weit.“, argumentiert Professor Jens Otto Lunde Jørgensen vom Aarhus Universitätskrankenhaus. Dänemark fährt derzeit den Schulbetrieb wieder hoch.

In Dänemark hat die Öffnung der Schulen nach Ostern wieder begonnen. Die dänische Regierung setzt damit andere und sinnvollere Schwerpunkte als bei uns.

SARS-CoV-2: Mögliche Überschätzung der Gefahr

Eine Studie zum Auftreten und zur Sterblichkeit von SARS-CoV-2 im Vergleich mit gängigen Corona-Viren vergleicht das Auftreten (Inzidenz) und die Sterblichkeit (Mortalitätsraten) von vier bekannten, gängigen Corona-Viren, die jährlich für Millionen von Erkrankungen verantwortlich sind mit der Inzidenz und Mortalitätsrate von SARS-CoV-2. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Problem von SARS-CoV-2wahrscheinlich überschätzt wird, da jährlich 2,6 Millionen Menschen an Atemwegsinfektionen sterben, verglichen mit weniger als 4.000 mit SARS-CoV-2 assoziierten Todesfällen (zum Zeitpunkt des Verfassens des Artikels). SARS-CoV-2 kann aus statistischer Sicht nicht als gefährlicher bzw. tödlicher als andere, bereits bekannte Corona-Viren angesehen werden.

Gründe für die hohe Mortalität in Italien: Luftverschmutzung als Einflussfaktor

Als Totschlag Argument wird von Regierung und Befürwortern harter Maßnahmen immer wieder Italien angeführt und auf die Bilder in dortigen Kliniken hingewiesen, ohne auf Fakten bezüglich der gravierenden Unterschiede zu uns einzugehen. Die hohe Zahl an Todesfällen in ungeschützten Seniorenheimen ist oben aus der Tabelle mit 45% ersichtlich. Auf den Unterschied durch Luftverschmutzung haben ich bereits hier hingewiesen.

Ein detaillierter Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen der hohen SARS-CoV-2-Mortalität und der Luftverschmutzung in Norditalien, und hierbei speziell in den Regionen der Lombardei und Emilia Romagna, die zu den Regionen mit der höchsten Luftverschmutzung in Europa zählen. Die Autoren zeigen auf, dass Personen, die in einer Region mit hohen Schadstoffwerten leben, ein höheres Risiko aufweisen, eine chronische Atemwegserkrankung aufzuweisen. Dies gilt auch für junge und gesunde Personen. Die Autoren rufen folglich dazu auf, die hohe Luftverschmutzung Norditaliens als zusätzlichen Einflussfaktor der hohen Sterblichkeit zu berücksichtigen.


Sonntag, 19. April 2020

Aktuell in Schweden

https://www.n-tv.de/

Von Kai StoppelStoppel,Mittwoch, 15. April 2020

Kein Lockdown gegen Corona Hat Schweden am Ende recht gehabt?

In Stockholm steht das öffentliche Leben nicht still - trotz 12.000 Corona-Fällen.

Seit Wochen lehnt Schweden den Lockdown als Mittel gegen das Coronavirus ab. Viele Schulen, Kitas, Restaurants und Cafés sind weiterhin geöffnet. Eine Gesundheits-Katastrophe bleibt dem Land aber erspart. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt zuletzt sogar. Wie kann das sein?

Während in Deutschland derzeit um den richtigen Zeitpunkt für die Wiedereröffnung von Schulen, Kitas, Restaurants, Bars und Cafés gerungen wird, hat Schweden diese Sorge nicht. Denn außer bei Gymnasien, Universitäten und Berufsschulen gab es dort keine Schließungen. Lediglich für Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern gilt seit Ende März ein Verbot sowie seit Anfang April für den Besuch von Pflege- und Altersheimen.

Vom Sonderweg Schwedens in der Corona-Krise ist seitdem die Rede. In Stockholm herrscht weiterhin reges Treiben an den Tischen der Restaurants und Cafés. Sogar seine unmittelbaren Nachbarländer Dänemark, Finnland und Norwegen halten es anders. Und viele Menschen fragen sich: Haben die Schweden recht? Sich am Ende verkalkuliert? Oder einfach nur Glück gehabt?

Das sagen die Zahlen: Bisher sind rund 12.000 Menschen in Schweden mit dem Coronavirus infiziert. Auch Schweden sah ab Anfang März eine stete Zunahme bei der täglichen Zahl der Neuinfektionen. Am 8. und 9. April erreichte dieser Trend dann mit mehr als 700 neu gemeldeten Fällen pro Tag seinen Höhepunkt. Seitdem geht es wieder runter: In den vergangenen Tagen lagen die gemeldeten Fälle meist bei weniger als 500 pro Tag. Der stellvertretende Chef-Epidemiologe Anders Wallensten bestätigte laut dem "Guardian" die Einschätzung, dass die Zahl neuer Covid-19-Fälle zurückgehe. Er sei "vorsichtig zuversichtlich", dass Schweden sich dem Höhepunkt nähere.

Allerdings zeigt die Zahl der Todesfälle zuletzt eine andere Entwicklung: Mit 170 neu gemeldeten Toten verzeichnete Schweden am 15. April einen traurigen Rekord. Damit starben bisher insgesamt rund 1200 Menschen an Covid-19. Bei einer Bevölkerung von 10,3 Millionen Menschen ist das eine fast dreimal höhere Sterblichkeit pro 100.000 Einwohnern als in Deutschland; sie liegt eher in einer Kategorie mit den USA oder der Schweiz. Allerdings ist diese Kennzahl wiederum deutlich niedriger als in Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Spanien oder Italien.

Und der weitere Anstieg der täglichen Todesfälle steht auch nicht zwangsläufig im Widerspruch zur sinkenden Zahl der gemeldeten Neuinfektionen. Denn die Entwicklung beider Kennziffern läuft zwar parallel, allerdings um einige Tage versetzt - laut einer Berechnung des "Spiegel" rund zehn Tage. Das liegt daran, dass an Covid-19 Gestorbene im Schnitt nur zehn Tage vor ihrem Tod erstmals in die Infektions-Statistik aufgenommen wurden. Das bedeutet umgekehrt, dass der Höhepunkt der täglichen Corona-Todesfälle in Schweden erst am 18. oder 19. April erreicht wird - also zehn Tage nach dem Höhepunkt der Neuinfektionen. Danach sollte die Zahl der Todesfälle ebenfalls sinken.

Sollte dies zutreffen, könnten Schwedens Regierungschef Stefan Löfven und der stets zuversichtliche Chef-Epidemiologe der Gesundheitsbehörde, Anders Tegnell, sich in ihrem Kurs bestätigt fühlen. Denn sie stehen für Schwedens vermeintlich lockere Handhabung der Corona-Krise, die sie - auch gegen massive Kritik von Experten innerhalb des Landes - konsequent durchgezogen haben. Statt auf Verbote wie in Deutschland zu setzen, wurde an die Vernunft und Eigenverantwortung der Bürger appelliert.

Dabei haben die Schweden genau genommen nicht viel anders gemacht als andere Länder Europas. Die Empfehlungen der Nationalen Schwedischen Gesundheitsbehörde lauteten unter anderem: Wer sich krank fühlt, älter als 70 Jahre alt ist oder Vorerkrankungen hat, soll zu Hause bleiben. Zudem wurden die Schweden von ihrer Gesundheitsbehörde zum Arbeiten im Homeoffice und zum Abstandhalten aufgefordert, vor allem beim Einkaufen. Alles beruhte jedoch auf Freiwilligkeit.

Dahinter steckt Kalkül: Epidemiologe Tegnell etwa geht davon aus, dass das Coronavirus ohnehin nicht aufzuhalten ist. Und er ist auch der Überzeugung, dass die Kurve flach gehalten werden müsse, um Krankenhäuser nicht zu überlasten. Doch Tegnell hatte von Anfang an auch die sozialen Folgen im Blick: Die Einschränkungen sollten nicht zu streng sein, damit Menschen auch bereit sind, diese über Monate zu akzeptieren. Zudem hofft er darauf, dass auf diese Weise genug widerstandsfähige Menschen an Covid-19 erkranken, um eine Immunität gegen den Erreger zu entwickeln.
(...)


Nachdenkseiten

https://www.nachdenkseiten.de/

Risiken und Nebenwirkungen

15. April 2020 um 7:52 Ein Artikel von Arno Luik | Verantwortlicher: Redaktion

Das Virus Corona hält die Welt im Griff? Nein. Die Antwort auf das Virus hält die Welt im Griff. Muss das so sein? Schon diese Frage macht einen verdächtig. Was politisch entschieden wird, muss so sein. Eine Widerrede.


ZUSAMMENFASSUNG:
  • der Staat hat Grundrechte abgeräumt, so radikal, so fundamental wie es wohl niemand vor fünf, sechs Wochen für möglich gehalten hätte
    • Unverletzlichkeit der Wohnung – die Polizei darf kontrollieren, mit wie vielen Freunden oder Verwandten (sind es Verwandte ersten Grades?) Sie gerade Ihren Geburtstag in Ihrer Wohnung feiern
    • Versammlungsfreiheit,Demonstrationsrecht 
    • Reisefreiheit
  • es geht um Leben und Tod -> das Ergebnis dieser Großoffensive: Angst. Verunsicherung. Bürger und Bürgerinnen, die fast alles mit sich machen lassen
  • der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl fordert auf, dieMitbürger und Mitbürgerinnen genauer zu kontrollieren, ob sie sich auch tatsächlich an die aufgestellten Regeln halten -> staatlich gefördertes Denunziantentum
  • das tägliche Ritual: Mit Grabesstimme verliest der Chef des Robert Koch-Instituts die Zahlen, die einen den nahen Tod befürchten lassen. Grauen und Grausen wird in Ruhe produziert
  • wenn es tatsächlich um Leben und Tod ginge, darauf hat der Jurist Oliver Lepsius, Professor für Verfassungstheorie, hingewiesen, „müssten zunächst alle Kraftfahrzeuge verboten werden“ und die Regierungen würden z.B. etwas gegen den schleichend-tötenden Feinstaub unternehmen: wegen der Luftverschmutzung sterben in Europa jährlich 400 000 Menschen, in China über eine Million.
  • es geht ganz konkret darum, dass das kaputtgesparte Gesundheitssystem jetzt nicht überfordert wird
  • die Welt-Gesundheitsbehörde hat vor ein paar Tagen noch gewarnt, dass Mundschutzmasken (nicht nur die selbst produzierten) wenig bis gar nichts bringen, dass sie falsche Sicherheit vorgaukeln, dass sie eventuell sogar gefährlich seien
  • ein rationaler Diskurs über das, was uns gefangen hält, findet nicht statt. 
  • Während ich das hinschreibe, schickt mir eine Ärztin eine Mail, dass in einem Altenheim eine 90-jährige Frau Essen und Trinken verweigert, weil ihr Sohn, der sie täglich besuchte und mit ihr sprach, sie berührte, nicht mehr ins Altenheim darf. Sie denkt nun, er lebt nicht mehr, sie ist verwirrt, glaubt, seine Telefonanrufe bei ihr seien gefälscht. Sie versteht auch nicht, weshalb die Pfleger nun maskiert sind, so bedrohlich aussehen. Mit ihrer lebensnehmenden Angst ist sie allein, ganz allein.
  • es geschieht im Augenblick eine unverzeihliche Entmündigung von Erwachsenen -> warum dürfen Oma oder Opa nicht selbst darüber entscheiden, ob sie in ihrem Haus oder ihrer Wohnung ihre Enkelkinder sehen wollen? Vielleicht ein letztes Mal? Was empfinden Erwachsene, die ein langes Leben hinter sich haben, wenn mit ihnen so umgesprungen wird? Letztlich ihrer Würde beraubt werden?
  • sie verordnen eine Medizin, aber über die Risiken und Nebenwirkungen haben sie sich offenbar keine großen Gedanken gemacht
  • die regierenden Politiker berufen sich dabei auf „Experten“. Allerdings werden jene Experten, die abweichende Meinungen haben, einfach ignoriert, oft verspottet, häufig auch medial
  • es sickert autoritär-totalitäres Denken in das Staats- und Rechtssystem ein. Ein Virus, auf die Dauer gefährlicher als das Corona-Virus
  • die Opferzahlen rechtfertigen nicht, was derzeit geschieht. Während ich das schreibe, sind weltweit seit dem Ausbruch der Pandemie, im Dezember 2019, 119.686 Menschen an Corona gestorben (ob sie wegen oder mit Corona gestorben sind, das geht aus diesen Zahlen nicht hervor)-> täglich sterben über 150 000 Menschen
  • manche glauben ja, dass aus dem Schock etwas Gutes entstehen wird. Vielleicht, was so dringend nötig wäre: Staaten, die sich wirklich um ihre Bürger und Bürgerinnen kümmern, Staaten mit mehr Demokratie, mehr Gerechtigkeit, weniger Umweltzerstörung, viel weniger Profitdenken im Gesundheitswesen -> ein wichtiges Stichwort für sie: Tracking-Apps. Ein Milliardenmarkt nicht nur für Geschäfte aller Art. Das perfekte Überwachungsinstrument für Regierungen, Arbeitgeber: wir sollen durchsichtig werden. Wir sollen zwangsdiszipliniert werden.

Eine kleine, persönliche Geschichte: Meine Schwester ist schwer krank. Sie muss nun umziehen in betreutes Wohnen. Ihre Kinder helfen ihr beim Umzug. Ein paar Enkelkinder sind dabei (wo sollen sie auch hin?), tollen herum, helfen ein bisschen beim Packen, da kommen Nachbarn (die meine Schwester seit Jahrzehnten kennen) und sagen: „Das geht nicht, dass diese Kinder hier rumspringen. Das verstößt gegen die Auflagen. Sorgen Sie dafür, dass die sofort weggehen. Oder wir holen die Polizei.“

Seit gut drei Wochen ist das Land im Ausnahmezustand, nein, so heißt das nicht, es ist im Corona-Krisenmodus. Und da der Staat seine Bürger und Bürgerinnen schützen will und auch schützen muss, hat er, sagen wir es freundlich: Maßnahmen ergriffen. Sagen wir es unfreundlicher, aber zutreffender: Er hat Grundrechte abgeräumt, so radikal, so fundamental wie es wohl niemand vor fünf, sechs Wochen für möglich gehalten hätte. Vor einem Jahr wurde das 70. Jubiläum des Grundgesetzes gefeiert. Hätte damals jemand jene Missachtung dieses Grundgesetzes, wie sie nun im Eiltempo exekutiert wurde, vorausgesagt, man hätte ihn als Idioten verhöhnt.

Nun ist die GG-Beschädigung da.

Unverletzlichkeit der Wohnung? Vergessen Sie es – die Polizei darf kontrollieren, mit wie vielen Freunden oder Verwandten (sind es Verwandte ersten Grades?) Sie gerade Ihren Geburtstag in Ihrer Wohnung feiern. Versammlungsfreiheit? Demonstrationsrecht? Vergessen Sie es. Reisefreiheit? Vorbei.

Das muss alles so sein, heißt es, genauso muss es sein. Denn: Es geht um Leben und Tod, nicht weniger. So hört und sieht man es auf allen Kanälen und Sendern, so liest man es allenthalben in allen Zeitungen, rund um die Uhr geht das so, so wird es den Bürgern und Bürgerinnen eingebläut, täglich, stündlich. Das Ergebnis dieser Großoffensive: Angst. Verunsicherung. Bürger und Bürgerinnen, die fast alles mit sich machen lassen. Die nicht aufschreien, wenn der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl sie auffordert, ihre Mitbürger und Mitbürgerinnen genauer zu kontrollieren, ob sie sich auch tatsächlich an die aufgestellten Regeln halten. Schwäbische Kehrwoche, deutscher Blockwart, ostdeutscher Abschnittsbevollmächtigter und Corona – Unheilvolles spült da nach oben. Staatlich gefördertes Denunziantentum.

Und über allem das tägliche Ritual: Mit Grabesstimme verliest der Chef des Robert Koch-Instituts die Zahlen, die einen den nahen Tod befürchten lassen. Grauen und Grausen wird in Ruhe produziert.

Aber geht es tatsächlich um Leben und Tod? Wenn es darum ginge, darauf hat der Jurist Oliver Lepsius, Professor für Verfassungstheorie, hingewiesen, „müssten zunächst alle Kraftfahrzeuge verboten werden“. Das werden sie aber nicht. Natürlich nicht, ganz im Gegenteil, der Staat fördert, subventioniert und unterstützt mit allen Mitteln diese Industrie jenes massenmordenden Vehikels, verhindert in so brutaler wie irrationaler Konsequenz rationale Maßnahmen, die täglich Leben retten könnten. Und wenn es ein Tempolimit wäre.

Wenn es um Leben oder Tod ginge, wenn die Maßnahmen, die nun zum Guten der Bürger oktroyiert worden sind, auf Krankenhäuser angewandt werden würden, müssten diese sofort schließen: Jahr für Jahr sterben dort 30 000 Menschen an Viren, Keimen, Dreck.

Wenn es um Leben oder Tod ginge, würden die Regierungen sofort etwas gegen den schleichend-tötenden Feinstaub unternehmen. Wegen der Luftverschmutzung sterben in Europa jährlich 400 000 Menschen, in China über eine Million. Das wird nicht nur hingenommen, sondern die Feinstaubproduktion wird angeheizt: durch Beton, Autos, die Gier nach noch mehr Produktion.

Nicht um Leben und Tod geht es bei der Corona-Krise. Es geht ganz konkret darum, dass das kaputtgesparte Gesundheitssystem jetzt nicht überfordert wird. Es rächt sich nun bitterlich, dass im neoliberalen Privatisierungswahn (der wie ein unbezähmbares Virus weltweit wütete und noch immer wütet) kommunale oder staatliche Fürsorgeeinrichtungen an Privatkonzerne verscherbelt worden sind, Reserven, die man nun so dringend bräuchte, entsorgt wurden, so dass die Kliniken zu Profitzentren wurden, oft zum Nutzen von global agierenden Heuschrecken – zu Lasten von fast allen Bürgern.

Vorhin brüllte mich die irr-triumphale Schlagzeile an: „Jetzt kommen die Atemmasken!“ Hat nicht die Welt-Gesundheitsbehörde vor ein paar Tagen noch gewarnt, dass diese Mundschutzmasken (nicht nur die selbst produzierten) wenig bis gar nichts bringen, dass sie falsche Sicherheit vorgaukeln, dass sie eventuell sogar gefährlich seien? Egal.

Vernunft, Nachdenken? Dafür ist im Angesicht der lebensbedrohlichen Gefahr (Guck nach Italien! Guck nach New York!! Willst Du, dass es so bei uns auch zugeht?) keine Zeit.

Ich mache gerade eine interessante Erfahrung: Schicke ich Mails herum, die das Gefährliche betonen, hysterisch sind, bekomme ich sofort Antworten mit dem Tenor: Ja, so ist es, es ist gut, was die Regierung macht. Vielleicht ist es sogar gut, was gerade mit uns passiert: Wir müssen wieder Demut lernen! Die Krise, so klingt da durch, eine irgendwie gerechte Strafe Gottes für die hoffärtigen Menschen.

Schicke ich Mails herum, die nicht hysterisch, eher nachdenklicher Natur sind, die also „die Maßnahmen“ der Regierungen in Frage stellen, nach Alternativen suchen – bekomme ich keine Antworten. Oder falls doch, sind es häufig Beleidigungen: Ein rationaler Diskurs über das, was uns fast den Atem raubend gefangen hält, findet nicht statt. Ist nicht erwünscht. Kommt man auf Schweden zu sprechen, das einen anderen, einen viel demokratischeren Weg der Krisenbewältigung gewählt hat, wird man angeblafft. Guck nach Italien, du Idiot! Dass Schweden nun womöglich auch etwas rigider agieren wird, indem es die Möglichkeit zu Verschärfungen – in einem demokratischen Prozess – diskutiert, das erfreut viele. Gar nicht gern hören aber will man, dass Corona gerade dort sehr viele Opfer fordert, wo die Luftverschmutzung, die Belastung mit Feinstaub extrem hoch ist: etwa in Wuhan. In der Lombardei. In New York. Eine aktuelle Studie aus den USA unterstreicht diese tödlich-enge Korrelation von Feinstaubbelastung und an Corona Verstorbenen.

Es ist grotesk: Es sind gerade wunderbare Sonnentage. Aber über allem liegt Düsternis.

Während ich das hinschreibe, schickt mir eine Ärztin eine Mail, dass in einem Altenheim eine 90-jährige Frau Essen und Trinken verweigert, weil ihr Sohn, der sie täglich besuchte und mit ihr sprach, sie berührte, nicht mehr ins Altenheim darf. Sie denkt nun, er lebt nicht mehr, sie ist verwirrt, glaubt, seine Telefonanrufe bei ihr seien gefälscht. Sie versteht auch nicht, weshalb die Pfleger nun maskiert sind, so bedrohlich aussehen. Mit ihrer lebensnehmenden Angst ist sie allein, ganz allein.

Was sind denn das bloß für Maßnahmen, die die Schwächsten in die totale Isolation zwingen?

Es geschieht im Augenblick eine unverzeihliche Entmündigung von Erwachsenen. Man wird behandelt wie ein Kleinkind. Warum dürfen Oma oder Opa nicht selbst darüber entscheiden, ob sie in ihrem Haus oder ihrer Wohnung ihre Enkelkinder sehen wollen? Vielleicht ein letztes Mal? Was empfinden Erwachsene, die ein langes Leben hinter sich haben, wenn mit ihnen so umgesprungen wird? Letztlich ihrer Würde beraubt werden?

Gerade erreicht mich die Mail eines Bekannten: „Mein Sohn wurde am Montag 4 Jahre, und sein Cousin und sein Onkel haben ihn besucht. Es kam mir vor wie ein konspiratives Treffen von Terroristen, nur weil sechs Personen in einem Raum waren, die normalerweise auf drei Haushalte verteilt wohnen. Ich hatte das Gefühl, dass eventuell Nachbarn uns verpfeifen könnten.“

Keine Frage: Dieses Virus ist gefährlich. Ich will überhaupt nichts beschönigen. Ich kenne diese Bilder aus Spanien, Italien, New York. Sie tun weh, viel mehr als das. Aber, nur mal so nebenbei gefragt, haben die Bilder der ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmeer, die Bilder der in den Flüchtlingslagern Darbenden die Regierenden und Regierten ähnlich aufgewühlt?

Dieses Virus, nochmals, ist gefährlich. Aber ist es so gefährlich, dass die Grundwerte der Gesellschaft in die Tonne getreten werden müssen? Dass weltweit in nahezu allen Staaten nach der Devise gehandelt wird, die ein US-Offizier im Vietnamkrieg so ausdrückte: „Wir mussten das Dorf zerstören, um es zu retten“.

Sie verordnen eine Medizin, aber über die Risiken und Nebenwirkungen haben sie sich offenbar keine großen Gedanken gemacht.

Sie sagen nur, das muss so sein – zu „unserem Schutz“.

Und die regierenden Politiker berufen sich dabei auf „Experten“. Allerdings werden jene Experten, die abweichende Meinungen haben, einfach ignoriert, oft verspottet, häufig auch medial.

Vor ein paar Wochen hieß es, so wie China agiert, das gehe in demokratischen Staaten nicht, gehe gar nicht. Aber nur ein paar Tage später ist das autoritäre Modell des faschistoiden China Vorbild für nahezu alle demokratischen Staaten.

Und der schlaue Schäuble, der so harmlos wirkt, aber unmenschlich agieren kann (Stichwort: Zertrümmerung des Asylrechts. Stichwort: Griechenland!), entwirft als Bundestagspräsident, also als oberster Schützer des Grundgesetzes und des Parlaments, sehr unangenehme, den Bundestag und damit die Demokratie letztlich zerstörende Szenarien: Seine Gedankenspiele in Sachen Notparlament sind gar nicht so weit weg von Victor Orbans diktatorischem Agieren in Ungarn. Auf jeden Fall sickert so autoritär-totalitäres Denken in das Staats- und Rechtssystem ein. Ein Virus, auf die Dauer gefährlicher als das Corona-Virus.

Es ist alles nicht lustig.

Die Opferzahlen rechtfertigen nicht, was derzeit geschieht. Während ich das schreibe, sind weltweit seit dem Ausbruch der Pandemie, im Dezember 2019, 119.686 Menschen an Corona gestorben. Ob sie wegen oder mit Corona gestorben sind, das geht aus diesen Zahlen nicht hervor. Aber genau darüber muss man reden, um Angst und Hysterie zu begegnen. Nach Angaben des italienischen Nationalen Gesundheitsinstituts ISS lag Anfang April das Durchschnittsalter der positiv-getesteten Verstorbenen bei circa 81 Jahren. Zehn Prozent der Verstorbenen waren über 90 Jahre alt. Die meisten der Verstorbenen, 80 Prozent, hatten mehrere chronische Vorerkrankungen. Bei weniger als einem Prozent handelte es sich um vorher gesunde Personen, nur 30 Prozent der Verstorbenen sind Frauen.

Aber, so wird mir jetzt entgegengehalten: 119.686 Tote – das ist doch schrecklich! Ja, das ist schrecklich.

Aber, Moment mal, täglich sterben über 150 000 Menschen. Alle fünf Sekunden – und das ist im Grunde Mord – stirbt ein Kind an Hunger. Ändern wegen dieser vermeidbaren Tragödie die Regierenden und die Konzerne ihr Handeln, ihre Wirtschaftspolitik? Gibt es wegen dieser vermeidbaren Tragödie jeden Abend einen ARD-Brennpunkt, Sondersendungen im ZDF?

Seit ein paar Monaten steht Deutschland, ja, fast die ganze Welt still.

Es macht mich fassungslos. Was passiert hier? Was momentan global abläuft, sprengt die Vorstellungskraft –­ auch deswegen, weil das Heiligste des Kapitalismus so gefährdet scheint: Profit.

Etwas naiv formuliert, könnte man sagen: Wir sind gerade historische Zeitzeugen eines weltweit einmaligen Experiments. Wer sind die Gewinner? Die Verlierer? Cui Bono?

Manche glauben ja, dass aus dem Schock etwas Gutes entstehen wird. Vielleicht, was so dringend nötig wäre: Staaten, die sich wirklich um ihre Bürger und Bürgerinnen kümmern, Staaten mit mehr Demokratie, mehr Gerechtigkeit, weniger Umweltzerstörung, viel weniger Profitdenken im Gesundheitswesen.

Ein naiver Glaube.

Ein überaus einflussreicher Bürger, ein in vielen Staaten als Kriegsverbrecher gesuchter Mann, der fast sein Leben lang mit brutaler Waffengewalt diktatorische Regimes unterstützte, der Geo-Stratege und ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, schreibt in der so wichtigen und auflagenstärksten Zeitung der USA, dem „Wall Street Journal“, dass „die Coronavirus-Pandemie die Weltordnung für immer ändern wird“. Die USA, so Kissinger, müssten ihre Bürger „beschützen“ und gleichzeitig „eine neue Epoche planen“. Das lässt nichts Gutes ahnen.

Die neue Epoche. Ein wichtiges Stichwort für sie: Tracking-Apps. Ein Milliardenmarkt nicht nur für Geschäfte aller Art. Das perfekte Überwachungsinstrument für Regierungen, Arbeitgeber. Es gibt nun in diesen Krisentagen, da bin ich mir sicher, sicherlich einige Akteure, die sich in ihren Konzernzentralen oder Geheimdienstbunkern gerade schlapplachen: Weil nun so viele Menschen so voller Angst sind, dass sie „freiwillig“ nach Tracking-Apps rufen. Auch wenn diese Tracking-Apps womöglich jeden Bürger und jede Bürgerin komplett durchsichtig machen, verfolg- und kontrollierbar bis in die kleinste emotionale Regung, rund um die Uhr, ohne Unterbrechung. Orwell reibt sich die Augen.

In Supermärkten werden wir „zu unserem Schutz“ nun immer häufiger gebeten, bargeldlos zu bezahlen. Das Bargeld muss weg. Es ist dreckig, es überträgt Viren. Es ist altmodisch, passt nicht in diese neue Epoche, denn: Es hinterlässt keine Spuren.

Ich benütze so gut wie nie das Wort „Wir“. Im „Wir“ schwingt immer das Totalitäre mit.

Aber nun benütze ich dieses Wort: Wir sollen durchsichtig werden. Wir sollen zwangsdiszipliniert werden. Orwell staunt.

Nachbemerkung Albrecht Müller:
Der Text des Journalisten und Bestsellerautors Arno Luik war ursprünglich von „Kontext“, dem Online-Magazin aus Stuttgart, bestellt worden. Gegründet wurde Kontext 2011, „als bewusste Antwort auf diese Medienwüste“ und „um eins zu betreiben: kritischen Journalismus“. Nach stundenlangen Diskussionen, nach zweimaligen Abstimmungen votierte die Mehrheit der Kontext-Redaktion gegen Luiks kritischen Journalismus. Schade, so etwas muss man doch aushalten, nicht nur das. Wir haben kritische Texte dringend nötig, die Jüngeren unter uns übrigens ganz besonders.



UND NOCH EINE (https://www.nachdenkseiten.de):

Schluss mit Irreführung: „Wir brauchen harte, gesicherte Fakten statt nur scheinbar objektive“.



ZUSAMMENFASSUNG:
  • erst wenn sich der Anstieg der Infiziertenzahlen deutlich verlangsamt hat, sollen Lockerungen denkbar sein -> die Zielvorgabe ist so schwammig, wie sie mit immer mehr Tests praktisch unerreichbar wird
  • Statistikprofessor Gerd Bosbach appelliert er an die Bundesregierung, endlich belastbare Daten zur Verbreitung des Corona-Virus in der Gesamtbevölkerung zu liefern. Erst dann könne man sich ein Bild zur Gefährlichkeit der Krankheit machen und die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen auf ihre Sinnhaftigkeit prüfen
  • woher nehmen die politischen Entscheider die Sicherheit für die Richtigkeit ihres Vorgehens, ohne die Zahl der Infizierten in der Bevölkerung zu kennen?
  • die Zahl der positiv auf das Corona-Virus Getesteten hängt von der Anzahl der durchgeführten Tests ab
  • Maßnahmen und ihre Notwendigkeit müssen nachvollziehbar sein, auf Grundlage harter, gesicherter Fakten getroffen werden und nicht nur auf scheinbar objektiver Fakten.
  • die Zahl der positiv Getesteten umfasst eine kleine, nicht repräsentativ ausgewählte Gruppe: Menschen, die starke Krankheitssymptome aufweisen, wegen Vorerkrankungen oder ihres hohen Alters ein erhöhtes Risiko tragen, Kontaktpersonen im Umfeld von Infizierten sowie Personen, die nah am Patienten dran sind, wie Ärzte und Pflegepersonal
  • daraus lässt sich aber weder ermessen, wie sehr das Virus in der Gesamtbevölkerung bereits verbreitet ist, noch in welchem Tempo es sich verbreitet
  • in Österreich hat sich die Anzahl der Tests innerhalb eines Zeitabschnitts verdoppelt, während sich der Zuwachs der positiv Getesteten etwas mehr als verdoppelte. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die USA und Deutschland. 
  • mit der Verdreifachung der Tests ergab sich auch etwas mehr als eine Verdreifachung der positiv Getesteten. Diese Verdreifachung wurde den Bürgerinnen und Bürgern als Verdreifachung der Infizierten vorgeführt. Dabei ist nur der etwas überproportionale Anstieg als Tempo der Übertragung interpretierbar. Und der wirkt weit weniger erschreckend
  • die Informationspolitik der Regierung ist  mangelhaft und demokratiegefährdend 
  • es wird immer noch von Erkrankten und nicht korrekterweise von positiv Getesteten gesprochen wird: eine Infektion löst bekanntlich bei einer großen Mehrheit nur geringe oder gar keine Symptome aus, weshalb sie auch nicht getestet werden
  • als Indikator für den Ausstieg aus den weitgehenden Kontakteinschränkungen allein das Abflachen der Zahl der positiv Getesteten zu nehmen und das dann noch mit großer Beliebigkeit in Zeitintervallen von anfangs zehn und jetzt plötzlich 14 Tagen zu beziffern, ist – höflich ausgedrückt – nicht faktenbasiert
  • zu jeder Gelegenheit wird betont, die Menschen mögen nicht in Panik verfallen. Und trotzdem hält man genau die Zahlen zurück, die zu einer Beruhigung beitragen könnten
  • wir wissen aus der Wahlforschung, dass sich schon bei 2.000 Teilnehmern recht zuverlässige, also repräsentative einfache Ergebnisse – wie der Anteil der Infizierten oder der Anteil der wirklich Kranken – erzielen lassen. Mit 12.000 Teilnehmern könnte auch schon differenziert ausgewertet werden, zum Beispiel nach Alter und Geschlecht. Bei regelmäßiger Wiederholung bekämen wir auch die Entwicklung gut mit. Repräsentatives Testen ist keine große Kunst, beim Mikrozensus macht das das Statistische Bundesamt jedes Jahr
  • die Zahl der Infizierten ist deutlich höher ist, als die RKI-Daten es ausweisen,es gibt eine riesige Dunkelziffer, was keiner ernsthaft in Zweifel zieht
  • je höher die Dunkelziffer ist, desto geringer fallen aber auch die Raten der Schwererkrankten und der Toten aus
  • wir müssen die Fakten für derart folgenschwere Entscheidungen kennen, statt die Menschen mit unpassenden Zahlen, wie der Zahl der positiv Getesteten, in Angst und Schrecken zu versetzen.
  • wir müssen auch auf die sozialen Folgen der Maßnahmen zu sprechen kommen. Ein Beispiel: Demenzkranke Menschen in Heimen werden jetzt von maskierten Pflegern möglichst körperlos betreut. Das wirft die Betroffenen völlig aus der Bahn bis hin zur Gefahr, daran zu sterben. Solche Härten gibt es jetzt zuhauf. 
  • Menschen verlieren ihre Arbeit, versauern zu Hause, häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch wachsen. Da sind die Existenzsorgen meines Italieners und meines Stammtheaters vergleichsweise harmlos. Wenn harte Maßnahmen ergriffen werden, dann will ich vorher auch bitte harte Fakten sehen. Nicht dass wir später sagen müssen, die meisten Opfer entstammen der Therapie, nicht der Krankheit
  • statt wichtige Zahlen anhand einer repräsentativen Stichprobe zu erheben, werden Daten aus einer völlig verzerrten Teststatistik übernommen. Der Maßstab der Regierung, ab wann eine Abschwächung der Maßnahmen geboten ist, basiert auf einer Scheinzahl von Infizierten, die aber nichts mit der Realität gemein hat. Und den Zeitraum der Verdopplung der Zahlen von zehn Tagen auf 12, 13 oder 14 zu verändern, wirkt willkürlich


Neue Ansage durch die Bundeskanzlerin: Bis mindestens 19. April bleibt der Shutdown der Gesellschaft bestehen. Erst wenn sich der Anstieg der Infiziertenzahlen deutlich verlangsamt hat, sollen Lockerungen denkbar sein. Die Zielvorgabe ist so schwammig, wie sie mit immer mehr Tests praktisch unerreichbar wird. „Dann kann man noch Monate so weiter machen“, meint Statistikprofessor Gerd Bosbach. Im Interview mit den NachDenkSeiten appelliert er an die Bundesregierung, endlich belastbare Daten zur Verbreitung des Corona-Virus in der Gesamtbevölkerung zu liefern. Erst dann könne man sich ein Bild zur Gefährlichkeit der Krankheit machen und die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen auf ihre Sinnhaftigkeit prüfen.

Das Gespräch führte Ralf Wurzbacher.
Herr Bosbach, in der Vorwoche ist an dieser Stelle ein vielbeachtetes Interview mit Ihnen zu statistischen Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Krise erschienen. Inzwischen ist manches passiert, so auch die Festlegung der Bundesregierung, dass bis mindestens 19. April nichts passiert. Der gesellschaftliche Shutdown samt Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen soll mindestens bis zu diesem Termin durchgehalten werden. Begründet hat dies Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch einmal mehr mit den anhaltend steigenden Infektionszahlen und damit, dass die Datenlage noch keine Entspannung der Situation signalisiere. Warum überzeugt Sie das nicht?
Ich bin nach wie vor überrascht, woher die politischen Entscheider die Sicherheit für die Richtigkeit ihres Vorgehens hernehmen, ohne die Zahl der Infizierten in der Bevölkerung zu kennen. Was sie kennen und worauf sie offenbar ihre Maßnahmen und das Festhalten an denselben stützen, ist die Zahl der positiv auf das Corona-Virus Getesteten. Das aber ist eine Größe, die extrem von der Anzahl der durchgeführten Tests abhängt. So eine Entscheidungsgrundlage schockiert mich. Ich stelle die Maßnahmen und ihre Notwendigkeit nicht per se in Frage. Es muss aber nachvollziehbar sein, dass diese auf Grundlage harter, gesicherter Fakten getroffen werden und nicht nur auf scheinbar objektiver Fakten.
Warum nur scheinbar objektiv?
Die Zahl der positiv Getesteten umfasst eine kleine, nicht repräsentativ ausgewählte Gruppe. Es sind dies Menschen, die starke Krankheitssymptome aufweisen, wegen Vorerkrankungen oder ihres hohen Alters ein erhöhtes Risiko tragen, Kontaktpersonen im Umfeld von Infizierten sowie Personen, die nah am Patienten dran sind, wie Ärzte und Pflegepersonal. Um es salopp zu sagen: Wenn sie in dieser Gruppe morgen doppelt so viele Menschen testen wie heute, werden sie morgen wahrscheinlich auch fast doppelt so viele Infizierte finden wie heute. Daraus lässt sich aber weder ermessen, wie sehr das Virus in der Gesamtbevölkerung bereits verbreitet ist, noch in welchem Tempo es sich verbreitet.
Heißt das, mit eigentlich ziemlich schwammigen, fast schon fiktiven Zahlen werden knallharte, nie dagewesene Entscheidungen getroffen und dann noch so getan, als wäre das der Weisheit letzter Schluss?
Das ist mein Vorwurf. Ich habe Daten gesichtet aus Deutschland, Österreich und den USA, die abbilden, wie sich die Häufigkeit der Tests verändert hat. Im Falle Österreichs hat sich deren Anzahl innerhalb eines Zeitabschnitts verdoppelt, während sich der Zuwachs der positiv Getesteten etwas mehr als verdoppelte. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die USA und Deutschland.
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bis dato erst zwei Mal entsprechende Informationen veröffentlicht, in seinem „täglichen Lagebericht“ vom 26. März und ganz frisch in dem vom 1. April. Demnach wurden in der 13. Kalenderwoche rund 355.000 Tests vorgenommen, während es in der 11. Kalenderwoche nur etwas mehr als ein Drittel davon waren. Der Anteil der jeweils positiv Getesteten erhöhte sich im selben Zeitraum von 5,9 Prozent auf 8,7 Prozent. Wie bewerten Sie das?
Zunächst: Mit der Verdreifachung der Tests ergab sich auch etwas mehr als eine Verdreifachung der positiv Getesteten. Diese Verdreifachung wurde den Bürgerinnen und Bürgern als Verdreifachung der Infizierten vorgeführt. Dabei ist nur der etwas überproportionale Anstieg als Tempo der Übertragung interpretierbar. Und der wirkt weit weniger erschreckend. Wie viele aller Menschen in Deutschland an Covid-19 erkrankt sind oder vom Erreger befallen sind, das ist aus diesen Zahlen leider überhaupt nicht ableitbar.
Die Bundesregierung interpretiert die Zahlen offenbar ganz anders. Zunächst hatte die Ansage gelautet, dass man von einer Entspannung und über eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen reden könne, sobald sich die Zahl der Erkrankten alle zehn Tage verdoppelt. Nun hat Merkel die Latte höher gehängt und gesagt, dass sich die Verdopplung in „zwölf, 13 oder 14 Tagen“ vollziehen muss. Haben Sie eine Erklärung für den Sinneswandel?
Ich halte die Informationspolitik der Regierung und der sie beratenden Experten für mangelhaft und demokratiegefährdend. Das geht damit los, dass der engstirnige Blick auf die angeblichen Infiziertenzahlen und das Hantieren mit den täglichen Steigerungen bei den Todeszahlen Angst verbreitet. Befeuert wird das dadurch, dass immer noch von Erkrankten und nicht korrekterweise von positiv Getesteten gesprochen wird. Eine Infektion löst bekanntlich bei einer großen Mehrheit nur geringe oder gar keine Symptome aus, weshalb sie auch nicht getestet werden. Als Indikator für den Ausstieg aus den weitgehenden Kontakteinschränkungen allein das Abflachen der Zahl der positiv Getesteten zu nehmen und das dann noch mit großer Beliebigkeit in Zeitintervallen von anfangs zehn und jetzt plötzlich 14 Tagen zu beziffern, ist – höflich ausgedrückt – nicht faktenbasiert.
Aber das wird sich Frau Merkel nicht selbst ausgedacht haben, sondern ist augenscheinlich die Marschrichtung ihrer Berater.
Sehen Sie: Wenn die Tests immer mehr werden und die Zahl der positiv Getesteten auf demselben oder auch einem leicht erhöhten Niveau mitsteigt, kann das noch Monate so weitergehen. Wegen neuartiger Testauswertungsmethoden soll man demnächst vielleicht bis zu zehnmal mehr testen können als bisher. Kommt es so, werden die Fallzahlen explodieren, ohne dass dies ein valider Hinweis auf eine exponentielle Verbreitung des Erregers wäre. Und warum ist man überhaupt so plötzlich vom Zehn-Tages-Ziel abgerückt? Ich habe die Zahlen seit Anfang März ausgewertet. Ab dem 29. März morgens bis heute morgen kommen die Steigerungsraten der positiv Getesteten der ersten Merkel‘schen Regel – Verdopplung in zehn Tagen – schon sehr nahe. Bei gleichbleibenden Steigerungsraten hätten wir bis zum 8. April mit 2,16 einen Faktor, der nur ganz knapp über der angestrebten Verdopplung liegt. Ist das der Grund, weshalb plötzlich von der Verdopplung in 14 Tagen die Rede ist? Schlüssig und überzeugend ist das nicht.
Wie gesagt, das RKI hat erst zweimal die Zahl der Testungen publiziert. Woran könnte das in Ihren Augen liegen?
Ich denke schon, dass das vor allem logistische Ursachen hat und die Übermittlung aus den inzwischen weit über hundert Laboren nicht so einfach vonstatten geht. Allerdings werfe ich dem Robert Koch-Institut vor, dass es nicht von sich aus mit diesen Zahlen an die Öffentlichkeit geht. Es reicht nicht, sie in irgendwelche Lageberichte einzubauen, die kaum einer liest. Publik wurden die Zahlen erst dank des Recherche-Eifers von Journalisten. Auch da frage ich mich: Warum geht man so vor? Schließlich wird ja zu jeder Gelegenheit betont, die Menschen mögen nicht in Panik verfallen. Und trotzdem hält man genau die Zahlen zurück, die zu einer Beruhigung beitragen könnten und setzt öffentlich immer noch die Infiziertenzahl mit der wachsenden Zahl der positiv Getesteten gleich.
Um zu einer wirklich realistischen Einschätzung der Lage zu kommen, bräuchte es Erhebungen zum Stand der „Durchseuchung“ der Bevölkerung. Dann erst ließen sich belastbare Aussagen zur Häufigkeit schwerer Erkrankungen und der Letalität treffen. Warum ist in der Richtung bis heute nichts passiert?
Auch das ist mir schleierhaft. Wir wissen aus der Wahlforschung, dass sich schon bei 2.000 Teilnehmern recht zuverlässige, also repräsentative einfache Ergebnisse – wie der Anteil der Infizierten oder der Anteil der wirklich Kranken – erzielen lassen. Mit 12.000 Teilnehmern könnte auch schon differenziert ausgewertet werden, zum Beispiel nach Alter und Geschlecht. Bei regelmäßiger Wiederholung bekämen wir auch die Entwicklung gut mit. Repräsentatives Testen ist keine große Kunst, beim Mikrozensus macht das das Statistische Bundesamt jedes Jahr. Warum hat man das nicht längst gemacht? Begründet wurde das bisher immer damit, dass zu wenige Tests verfügbar wären. Nun erfolgten laut RKI in der 13. Kalenderwoche 350.000 Tests. Wieso sollte es nicht möglich sein, mehrere Tausend davon abzuzweigen, um endlich mit sauberen Daten zielgenau zu entscheiden?
Der Virologe Hendrik Streeck von der Universität Bonn hat gerade eine entsprechende Testreihe für den Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gestartet, wo es bislang die meisten nachgewiesenen Corona-Infektionen gibt. Entspricht das Ihren Vorstellungen?
Es ist gut und wichtig, dass das passiert. Aber warum muss Herr Streeck so etwas in Eigeninitiative machen, während man beim RKI weiterhin die Füße stillhält? Herr Streeck hat am Dienstag im ZDF bei Markus Lanz sehr deutlich gesagt, dass ihn die Untätigkeit der in der Corona-Krise federführenden Behörde verwundert.
Um so wichtiger, dass er selbst in Aktion tritt …
Klar, wobei Heinsberg mit seiner starken Betroffenheit leider kein Standort ist, von dem sich auf ganz Deutschland hochrechnen lässt. Das gilt im übrigen auch für Andorra mit seiner speziellen geographischen Lage und seiner jüngeren und reicheren Bevölkerung. Dort soll jetzt die ganze Bevölkerung getestet werden. Mehr verspreche ich mir von den Initiativen für Luxemburg und Österreich. Diese Daten könnten sehr wohl auf Deutschland übertragbar sein. In diesem Fall müssten wir die Ergebnisse nur mit einer kleineren Stichprobe gegenprüfen, die dann regelmäßig – etwa alle fünf Tage – zu wiederholen wäre. Sobald die Testkapazitäten wachsen, sind auch noch genauere Betrachtungen für Deutschland möglich.
Sie gehen also auch davon aus, dass die Zahl der Infizierten deutlich höher ist, als die RKI-Daten es ausweisen?
Ja klar, es gibt eine riesige Dunkelziffer, was keiner ernsthaft in Zweifel zieht. Eben weil die Krankheit von vielen gar nicht bemerkt wird oder die Symptome nur schwach sind. Je höher die Dunkelziffer ist, desto geringer fallen aber auch die Raten der Schwererkrankten und der Toten aus. In anderen Ländern gibt es entsprechende Hinweise auf das Ausmaß der Verbreitung des Virus, etwa in Südkorea oder Island. Wir haben auch Daten zum Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, die auf einen geringen Prozentsatz an ernsthaften Erkrankungen schließen lassen. Warum kommt bei uns keiner auf die Idee, solche Erhebungen vorzunehmen? Dann wüsste man, ob die ergriffenen drastischen Maßnahmen gerechtfertigt sind. Mein Plädoyer als Statistiker: Wir müssen die Fakten für derart folgenschwere Entscheidungen kennen, statt die Menschen mit unpassenden Zahlen, wie der Zahl der positiv Getesteten, in Angst und Schrecken zu versetzen.
Ist das ein Angebot an die Bundesregierung, sich Ihrer Expertise zu bedienen?
Bei statistischen Fragen berate ich Frau Merkel gerne. Man sagt, ich sei ein guter Didakt und das setze ich gerne im Sinne der Vernunft ein.
War das das Schlusswort?
Nein. Wir müssen auch auf die sozialen Folgen der Maßnahmen zu sprechen kommen. Ein Beispiel: Demenzkranke Menschen in Heimen werden jetzt von maskierten Pflegern möglichst körperlos betreut. Das wirft die Betroffenen völlig aus der Bahn bis hin zur Gefahr, daran zu sterben. Solche Härten gibt es jetzt zuhauf. Menschen verlieren ihre Arbeit, versauern zu Hause, häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch wachsen. Da sind die Existenzsorgen meines Italieners und meines Stammtheaters vergleichsweise harmlos. Wenn harte Maßnahmen ergriffen werden, dann will ich vorher auch bitte harte Fakten sehen. Nicht dass wir später sagen müssen, die meisten Opfer entstammen der Therapie, nicht der Krankheit.
Ist das auch ein Vorwurf an die Damen und Herren Journalisten im Land?
Da wünsche ich mir bedeutend mehr kritische Distanz zu dem, was an falschen und wirren Zahlen kursiert, auch von der Regierung und ihren Beratern. Noch viel zu oft werden alle Verstorbenen mit Corona-Nachweis unabhängig von der Todesursache als Corona-Tote deklariert. Nach Zahlen der italienischen Gesundheitsbehörden vom 17. März litten bis dahin 99 Prozent der dort Verstorbenen an einer, zwei oder drei Vorerkrankungen. Das mittlere Alter der Corona-Toten in Deutschland mit 82 Jahren weist in die gleiche Richtung.
Sorgen bereitet mir auch ein Phänomen, das ich als Altersrassismus bezeichne. Alte Menschen sind nicht häufiger infiziert und somit als Risiko zu meiden, sondern alte Menschen sterben nach einer Infektion häufiger. Alte auszugrenzen, nützt den Jungen gar nichts. Zumindest für die positiv Getesteten belegen auch das die Zahlen des RKI: 50 Prozent sind jünger als 48 Jahre. Und für die große Gruppe der Nichtgetesteten wird das noch deutlicher gelten, da Junge das Virus leichter wegstecken.
Halten Sie es für wissenschaftlich haltbar, dass man die allgemeinen Sterbestatistiken in ein Verhältnis zu den Opfern der Corona-Epidemie setzt?
Ich hänge nicht der zum Beispiel vom Lungenarzt Wolfgang Wodarg vertretenen These an, Covid-19 wäre eine übliche Erscheinung der saisonalen Grippesaison. Dafür fehlt mir auch das medizinfachliche Knowhow. Trotzdem nehme ich als Statistiker Daten zur Kenntnis, die das Geschehen in ein anderes Licht setzen. Die Webseite EuroMomo, die die Sterbezahlen für 24 europäische Staaten im Wochentakt aufschlüsselt, zeigt bis zum 29. März – abgesehen von Italien und Spanien – keine Ausschläge über die Vergleichszahlen der Vorjahre hinaus. Für Deutschland sind sogar eher weniger Tote registriert. Wenn ich das sehe, auch mit der Einschränkung, dass das vorläufige Zahlen sind und der Winter noch nicht vorbei ist, wirkt diese Statistik eher entspannend auf mich. Ich erinnere auch noch einmal an die im Schnitt 2.500 Toten täglich in normalen Jahren, wobei es im Winter immer mehr sind. Da sind insgesamt gut Tausend Corona-Tote in gut drei Wochen sehr bedauerlich, aber kein Grund zur Panik. Das heißt nicht, dass man deshalb in Leichtsinn verfallen darf. Prozesse haben ihre Tücken, auch ein Rückgang kann nur eine Phase sein.
Kommen Sie jetzt zum Schlusswort?
Weitreichende Entscheidungen bedürfen gesicherter Grundlagen. Genau das ist bisher vernachlässigt worden. Die wiederholte Gleichsetzung der Zahl positiv Getesteter mit der Zahl der Infizierten vernebelt den Blick, die Zählweise bei Corona-Toten ebenfalls. Statt wichtige Zahlen anhand einer repräsentativen Stichprobe zu erheben, werden Daten aus einer völlig verzerrten Teststatistik übernommen. Der Maßstab der Regierung, ab wann eine Abschwächung der Maßnahmen geboten ist, basiert auf einer Scheinzahl von Infizierten, die aber nichts mit der Realität gemein hat. Und den Zeitraum der Verdopplung der Zahlen von zehn Tagen auf 12, 13 oder 14 zu verändern, wirkt willkürlich. Das kann der Demokratie Schaden zufügen und ihre Gegner von rechts stärken.

Zur Person: Gerd Bosbach, Jahrgang 1953, ist emeritierter Professor für Statistik, Mathematik und empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz, Standort Remagen. Er ist als diplomierter Mathematiker und promovierter Statistiker zugleich einer der profiliertesten Kritiker der interessengeleiteten Nutzung von Statistik. Einblicke in Methoden und Geheimnisse der amtlichen Statistik sowie den – mitunter missbräuchlichen – Umgang der Politik und anderer interessierter Kreise erhielt er u.a. während seiner Tätigkeit im Statistischen Bundesamt. Von Bosbach und dem Politologen Jens Jürgen Korff erschienen 2011 „Lügen mit Zahlen: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden“ und 2017 „Die Zahlentrickser: Das Märchen von den aussterbenden Deutschen und andere Statistiklügen“. Gemeinsam mit Korff betreibt Bosbach die Webseite „Lügen mit Zahlen“ (luegen-mit-zahlen.de).

Samstag, 18. April 2020

Giorgio Agamben

Neue Zürcher Zeitung

Giorgio Agamben zum Umgang der liberalen Demokratien mit dem Coronavirus: Ich hätte da eine Frage

Ein Land, ja eine Kultur implodiert gerade, und niemanden scheint es zu kümmern. Was spielt sich gerade vor unseren Augen in den Ländern ab, die von sich behaupten, sie seien zivilisiert?

Ich möchte mit denjenigen, die Lust dazu haben, eine Frage teilen, über die ich seit einem Monat unablässig nachdenke. Wie konnte es geschehen, dass ein ganzes Land im Angesicht einer Krankheit ethisch und politisch zusammenbrach, ohne dass man dies bemerkte?

Die Worte, die ich gebrauche, um diese Frage zu formulieren, habe ich sorgsam gewählt. Das Mass für die Absage an die eigenen ethischen und politischen Prinzipien ist in der Tat sehr einfach zu finden. Es geht darum, sich zu fragen: Wo ist die Grenze, jenseits deren man nicht bereit ist, auf diese grundlegenden Prinzipien zu verzichten?

Ich denke, der Leser, der sich anschickt, über die folgenden Punkte nachzudenken, kann nicht anders, als zuzustimmen, dass die Schwelle, welche die Menschlichkeit von der Barbarei trennt, überschritten wurde. Und zwar, ohne dass man dies bemerkt hätte oder indem man so tat, als würde man es nicht bemerken.

Drei Punkte

1.) Der erste und vielleicht schwerwiegendste Punkt betrifft die Körper der toten Personen. Wie konnten wir nur im Namen eines Risikos, das wir nicht näher zu bestimmen vermochten, hinnehmen, dass die uns lieben Menschen und überhaupt alle Menschen in den meisten Fällen nicht nur einsam sterben mussten, sondern dass ihre Leichen verbrannt wurden, ohne bestattet zu werden? Dies ist in der Geschichte von der mythischen griechischen Königstochter Antigone bis heute nie geschehen.

2.) Wir haben bedenkenlos hingenommen, wiederum nur im Namen eines nicht näher zu bestimmenden Risikos, dass unsere Bewegungsfreiheit in einem Ausmass eingeschränkt wurde, wie dies zuvor nie in unserem Land geschah, nicht einmal während der beiden Weltkriege (die Ausgangssperre galt damals für bestimmte Stunden). Wir haben also hingenommen, im Namen eines nicht näher zu bestimmenden Risikos die Pflege unserer Freundschafts- und Liebesbeziehungen einzustellen, weil unser Nächster zu einer möglichen Ansteckungsquelle wurde.

3.) Dies konnte geschehen – und hier berühren wir die Wurzel des Phänomens –, weil wir die Einheit unserer Lebenserfahrung, die immer zugleich körperlich und geistig ist, in eine bloss biologische Einheit einerseits und in ein affektives und kulturelles Leben anderseits aufgespalten haben. Der Philosoph und Theologe Ivan Illich hat gezeigt, welche Verantwortung der modernen Medizin in dieser Spaltung zukommt. Sie scheint sich von selbst zu verstehen, in Wirklichkeit ist sie aber die grösste aller Abstraktionen. Ich weiss, dass diese Abstraktion von der modernen Wissenschaft durch Wiederbelebungs-Apparate erreicht wurde, die einen Körper in einem Zustand des vegetativen Lebens zu erhalten vermögen.

Es gibt kein Zurück

Aber wenn sich dieser Zustand – diese Bedingung – über die ihm eigenen räumlichen und zeitlichen Grenzen hinaus ausdehnt, wie man dies heute zu tun versucht, und wenn er zu einer Art Prinzip des sozialen Verhaltens wird, dann gerät man in Widersprüche, aus denen es keinen Ausweg gibt. Ich weiss, dass nun manche gleich antworten werden, beim derzeit geltenden Regime handle es sich um einen zeitlich begrenzten Zustand, nach dessen Ablaufen alles wieder sein werde wie zuvor. Es ist wirklich einmalig, dass man dies wider besseres Wissen dauernd wiederholt.

Denn dieselben Behörden, die den Notstand ausgerufen haben, erinnern uns ständig daran, dass dieselben Weisungen auch nach dem Ende des Notstands zu befolgen seien und dass das Social Distancing – wie man es in einem vielsagenden Euphemismus nennt – das neue Organisationsprinzip der Gesellschaft darstelle. Und dass das, was man – guten Glaubens oder wider besseres Wissen – zu ertragen akzeptiert hat, nicht rückgängig gemacht werden könne.

Was ist mit der Kirche?

Da ich an die Verantwortung von uns allen erinnert habe, komme ich hier nicht umhin, die noch schlimmere Verantwortung derjenigen zu erwähnen, die die Aufgabe gehabt hätten, über die Würde des Menschen zu wachen. Vor allem die Kirche, die – indem sie sich zur Magd der Wissenschaft gemacht hat, welche mittlerweile zur neuen Religion unserer Zeit geworden ist – ihre wesentlichen Prinzipien radikal verleugnet.

Die Kirche unter einem Papst, der sich Franziskus nennt, hat vergessen, dass Franziskus die Leprakranken umarmte. Sie hat vergessen, dass eines der Werke der Barmherzigkeit darin besteht, die Kranken zu besuchen. Sie hat vergessen, dass die Martyrien die Bereitschaft lehren, eher das Leben als den Glauben zu opfern, und dass auf den eigenen Nächsten zu verzichten bedeutet, auf den Glauben zu verzichten.

Warum schweigen die Juristen?

Eine andere Kategorie von Leuten, die ihren Aufgaben nicht mehr gerecht zu werden vermögen, sind die Juristen. Wir sind seit geraumer Zeit an den leichtfertigen Gebrauch von Notverordnungen gewöhnt, durch die sich die Exekutivgewalt de facto an die Stelle der Legislativgewalt setzt und damit jenes Prinzip der Gewaltenteilung aushebelt, das die Demokratie definiert.

Doch in diesem Fall wurde jede Grenze überschritten, und man hat den Eindruck, dass die Worte des Ministerpräsidenten und des Chefs des Zivilschutzes unmittelbare Gesetzkraft haben, wie man dies einst von den Worten des Führers sagte. Und man sieht nicht, wie entgegen allen Ankündigungen die Einschränkungen der Freiheit – nach Ablauf der zeitlichen Gültigkeit der Notstandsverordnungen – aufrechterhalten werden können. Mit welchen juristischen Mitteln? Mit einem ständigen Ausnahmezustand? Es ist die Aufgabe der Juristen, darüber zu wachen, dass die Regeln der Verfassung eingehalten werden, doch die Juristen schweigen. Quare siletis iuristae in munere vestro? (Warum schweigt ihr, Juristen, wenn es um eure Aufgabe geht?)

Ich weiss, dass es immer Leute geben wird, die sich erheben und antworten werden: Das durchaus schwere Opfer sei im Namen moralischer Prinzipien dargebracht worden. Sie möchte ich daran erinnern, dass Adolf Eichmann – offensichtlich in gutem Glauben («buona fede») – nicht zu wiederholen aufhörte, dass er, was er getan hatte, aufgrund seines Gewissens getan habe, um dem zu genügen, was er für die Gebote der kantischen Moral hielt.

Eine Norm, die besagt, dass man auf das Gute verzichten müsse, um das Gute zu retten, ist ebenso falsch wie die, welche verlangt, dass man auf die Freiheit verzichten müsse, um die Freiheit zu retten.

Giorgio Agamben ist ein italienischer Philosoph und Autor. Er hat viel zum Thema des Ausnahmezustandes publiziert, darunter das gleichnamige Buch «Ausnahmezustand» (Suhrkamp-Verlag, 2004). Zuletzt sind von ihm die Werke «Was ist Philosophie?» (Fischer-Verlag, 2018) und «Die Macht des Denkens: Gesammelte Essays» (Fischer-Verlag, 2013) erschienen. – Aus dem Italienischen übersetzt von René Scheu.