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Ein Artikel von Pierre Blanchaud
Hinter Italien und Spanien gehört Frankreich mit zur Zeit fast 9.000 Todesfällen mit Covid-19-Zusammenhang zu den am stärksten vom neuen Coronavirus getroffenen Ländern Europas.
Frankreich, das früher auf eines der weltweit besten Gesundheitswesen stolz war, ist von der Covid-19-Epidemie in einem unvorstellbaren Zustand der Desorganisierung überrascht worden. Nach vier Jahrzehnten neoliberaler Sparpolitik, die seit Macrons Amtsantritt noch verschärft worden ist, liegt das Gesundheitssystem in Trümmern. Es hat eine massive Schließung öffentlicher Krankenhäuser gegeben.
Stellvertretend für dieses Phänomen, von dem das ganze Land betroffen ist, sind die Geschehnisse in der Hauptstadt. Seit dem Anfang des Jahrhunderts sind in Paris mindestens vier staatliche Krankenhäuser, die flächendeckend die Bevölkerung versorgten, geschlossen worden.
Wenn man jedes dieser Krankenhäuser mit den Zeitpunkten seiner allmählichen Zerschlagung bzw. Schließung versieht, kommt man auf die folgende Liste: Krankenhäuser Laënnec (2000), Broussais (2000-2007), Saint-Vincent-de-Paul (2011) und Val-de-Grâce (2016).
Ein fünftes Krankenhaus, das Hôtel-Dieu in der Nähe von Notre-Dame, wird z. Z. vom Staat an private Investoren im Rahmen eines Projektes verkauft, das aus diesem geschichtsträchtigen Viertel ein Luxus- und Vergnügungszentrum machen wird.
Diese Schließungen haben erwartungsgemäß eine Migration der Patienten in die übrigbleibenden Krankenhäuser verursacht, die dann auch zur normalen Zeit am Rand ihrer Kapazitäten arbeiteten, jetzt aber, bei der Pandemie, total überfordert sind.
Eigentlich sollte dies keine Überraschung sein, denn seit langem hatte das Pflegepersonal Alarm geschlagen, war sogar in den Streik getreten und hatte auf der Straße demonstriert – aber alles vergebens! Es hatte keine Chance, gehört zu werden, da seine Forderung nach einer besseren Ausstattung der Krankenhäuser frontal der von der Finanzelite betriebenen Politik widersprach. Eine Politik, deren Grundprinzip ist, dass alles, was nicht „rentabel“ ist – sprich: profitabel für diese Finanzelite – eingespart werden muss.