Lügen ohne Limit
Das Ende der Evidenz ist kein Kavaliersdelikt.
von Gerd Reuther
Gerd Reuther ist Universitätsdozent und Facharzt für Radiologie. 2005 erhielt für seine Leistungen den Eugenie-und-Felix-Wachsmann-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft. Er veröffentlichte rund 100 Beiträge in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und -büchern sowie zwei eigene Bücher. Außerdem hält er Vorträge zur Rolle der Medizin in der Gesellschaft.
ZUSAMMENFASSUNG
- wir erleben vorläufige Ende davon, dass Handlungen auf Fakten und Belegen beruhen → alle politischen Entscheidungen der letzten Wochen wurden entgegen bisheriger Erkenntnisse getroffen
- wer die benennt, die mit dem Wahngebilde eines „Killer-Virus“ die Lebensleistung der Weltbevölkerung plündern, muss sich von befangenen Zeitgenossen als „Spinner“, „Wirrkopf“ und „Verschwörungstheoretiker“ beschimpfen lassen
- Evidenz, das heißt faktenbasiertes Wissen, ist nicht mehr gefragt → diffamieren statt diskutieren: es sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten und Mainstream-Medien, die Aluhüte tragen
- es ist kein Zufall, dass diese aktuelle Welle der Realitätsverweigerung bei einem medizinischen Sachverhalt kumuliert → Evidenz hat in der Medizin in den letzten 2.500 Jahren kaum eine Rolle gespielt: wissenschaftliche Vergleichsstudien mit unbehandelten Kontrollgruppen und zufällig verteilter Teilnehmerzuordnung hielten erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Einzug in die medizinische Forschung, das deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EBM-Netzwerk) gibt es gerade seit 1998
- Veröffentlichung von Cochrane, 2016 → allenfalls 5 % der etablierten Behandlungen sind in ihrem Nutzen durch wissenschaftliche Belege gesichert
- derzeitige Überschätzung der Medizin bei der Infektionskrankheit „Covid-19“ → Ärzte haben weder eine Prävention, noch eine wirksame Behandlung zu bieten: die „Covid-Toten“ sterben häufiger an experimentellen Medikationen und Überdruckbeatmung mit hohem Sauerstoffanteil als am Virus
- krankhafte Befunde werden „dem Virus“, aber nicht einzelnen Behandlungsmaßnahmen zugeschrieben→ es werden teure, aber gleichermaßen schädliche wie unwirksame Medikamente ohne saubere Studienbedingungen verabreicht
- die Injektion von RNA-Fragmenten als „Impfung“ und Ladenhüter der Pharmaindustrie mit fingierten Wirksamkeitsbelegen zum Behandlungsstandard ausrufen?
- seit einigen Jahren haben sich die Konzerne von den Behörden beschleunigte Zulassungen maßschneidern lassen → auch in Fällen ohne ausreichende wissenschaftliche Studien
- „Wissenschaft“ ist zum Deckmantel für evidenzfreie Entscheidungen verkommen → Mund-Nasen-Maskenpflicht, Schul- und Restaurantschließungen, Stay-at-home: hat nicht sogar die Weltgesundheitsorganisation festgestellt, dass dafür die Evidenz schwach bis nicht vorhanden ist?
- die geringe Zahl relevanter Erkrankungen — 0,024 Prozent in Ungarn —, die keineswegs außergewöhnliche Infektiosität und die wenigen autoptisch bestätigten Todesfälle werden ignoriert und durch platte Unwahrheiten ersetzt
- die heutige Medizin → es wird diagnostiziert und behandelt, um der Erlöse willen, aber nicht mehr zum Nutzen der Kranken
- das Problem unnötiger Dienstleistungen oder Produkte ist in der Medizin um ein Vielfaches bedrohlicher als in anderen Gesellschaftsbereichen → durch die völlig überhöhten Tarife für alles, was mit Medizin zu tun hat, und die möglichen fatalen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, ist keine Branche für eine Gesellschaft gefährlicher
- die Medizin wird das Ende der Vision von der „greatest happiness for the greatest number“ herbeiführen → etwas, das Weltkriege und nukleare Bedrohung nur in Aussicht gestellt hatten.
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Das COVID-19-Dilemma - Wo ist die Evidenz?
Schon sehr, sehr früh hatten namhafte Epidemiologen wie John Ioannidis das Fehlen jeder Evidenz bei COVID-19 als das zentrale Problem (bzw. Versagen) der Gesundheitsbehörden und Politiker weltweit beklagt - daran hat sich bis jetzt, wo die Pandemie sich von alleine wieder verabschieden könnte, nichts geändert: das Missverhältnis zwischen den drakonischen politischen Maßnahmen und der lächerlichen Datengrundlage dafür ist grotesk.Auf diesen Missstand weist aktuell noch einmal Gerd Antes in einem Interview mit der Badischen Zeitung hin (Badische Zeitung 23.05.2020). Antes, ehemaliger Chef von Cochrane Deutschland und langjähriger Vorstand des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin, macht noch einmal deutlich, was dem RKI und den es paraphrasierenden Medien immer noch nicht klar ist: "... die Infiziertenzahl ist tatsächlich ja nur die Zahl der positiven Tests. Wir haben eine extreme Abhängigkeit davon, wie oft wir testen."
Und auf den vorsichtigen Einwand des Interviewers, das RKI versuche doch, "sich an den Ist-Zustand heranzutasten", bemerkt Antes trocken: "'Versucht' ist die richtige Formulierung dafür. Auf der Basis richtig schlechter Daten mit vielleicht systematischen Fehlern kann man allerdings keine gute Schätzung machen […] Die Durchführung und Selektion von Tests ist immer noch hanebüchen."
Antes widerspricht ausdrücklich und namentlich Chefcoronoiker Drosten: er fürchte keine zweite Welle - "Die Welle gehört zu den Bildern, die genutzt werden, um Angst zu schüren."
Er sieht ein umfassendes wissenschaftliches Versagen in Deutschland, wo zahllose Forschungseinrichtungen "mit den Hufen scharrten", das Bundesforschungsministerium in der Koordination dieser Resourcen jedoch komplett versage - "Wir sind methodisch nicht in der ersten Liga weltweit."
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Herdenimmunität
Zum Thema der Herdenimmunität bei COVID-19 geisterte schon früh eine magische Zahl durch Podcasts und andere Medien: 60 - 70% der Bevölkerung müssten demnach mit SARS-CoV-2 infiziert (gewesen) sein, bis die so genannte Herdenimmunitätsschwelle (herd immunity threshold: HIT) erreicht und daher mit einem Rückgang der Pandemie zu rechnen sei (Drosten 02.03.2020). Auch die Studie des Imperial College aus London (Fergusson 2020), die zur Kursänderung der britischen Regierung führte, modellierte die HIT und errechnete daraus die bekannt dramatischen Szenarien.Nur: es kommen zunehmend Zweifel an dieser Zahl auf. Die Annahmen, die dieser Modellierung zu Grunde lagen und liegen seien wesentlich zu stark vereinfachend und berücksichtigten nicht ausreichend, dass sowohl das Risiko, infiziert zu werden, als auch das Risiko, andere zu infizieren, nicht gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt seien - genau hiervon gehen die bisherigen Zahlen aber aus.
Jenseits mathematischer Modellierungen, im wirklichen Leben, zeigen sich aber andere Verhältnisse: dort sind z.B. nur wenige der Erkrankten für einen großen Teil der Neuinfektionen verantwortlich (so genannte superspreader), während das gros der Infizierten nur wenige Andere ansteckt. Studien gehen davon aus, dass nur 9 - 10% der Erkrankten 80% der Neuinfektionen auslösen (Bi 2020, Endo 2020).
Berücksichtigt man diese deutliche Inhomogenität, kommt man zu völlig anderen, interessanterweise wesentlich beruhigenderen Zahlen. So errechnet ausgehend von diesen, realistischen Annahmen eine britische Studie eine notwendige HIT von unter 20%, andere Studien kommen zu Werten von sogar nur etwa 7%, wodurch letztendlich nur etwa 17% der Bevölkerung tatsächlich infiziert würden (Lewis 2020).
Zwei Aspekte scheinen hier bedeutsam:
- zum einen decken sich diese modellierten Zahlen mit den wenigen bis jetzt existierenden Populationsdaten zu COVID-19, nämlich z.B. denen des Kreuzfahrtschiffs Diamond Princess, wo sich 17% der Passagiere und Besatzungsmitglieder infizierten (Mizumoto 2020) oder den Zahlen aus dem Großraum von Stockholm, wo ohne einschneidenden lockdown auch dort nach einer Infektion von etwa 17% der Bevölkerung die Infektionszahlen zu sinken begannen (Lewis 2020).
- zum zweiten konterkarieren diese Daten den aktuellen Narrativ, mit dem Chefcoronoiker und andere masters of disaster versuchen, die jetzt viel zu spät erhobenen Daten zur Präsenz von Antikörpern in der Bevölkerung zu dramatisieren - denn natürlich ist der Weg von z.B. 4% vorhandener "Durchseuchung" zu behauptet notwendigen 70% etwas weiter, als zu realistischen 7 (- max. 20)%... (Drosten 05.05.2020)

