Dr. med. Gunter Frank, geb. 1963 in Buchen im Odenwald, ist niedergelassener Allgemeinarzt in Heidelberg und Dozent an der Business School St. Gallen. Er ist Autor mehrerer erfolgreicher Bücher wie: Unternehmensressource Gesundheit, Lizenz zum Essen, Die Mañana-Kompetenz, Schlechte Medizin oder zuletzt Karotten lieben Butter. Er engagiert sich in Fachgesellschaften und publizistisch für eine Medizin, die abseits von Ideologien und Wissenschaftsmissbrauch das Wesentliche nicht aus den Augen verliert, den relevanten Nutzen für den Patienten.
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Bericht zur Coronalage 28.05.2020
ZUSAMMENFASSUNG- wir hatte es auch dieses Jahr mit einer Winterepidemie zu tun, die im April auslief → in einigen Ländern hat sie mehr Opfer gefordert als die Influenza 2018, in anderen weniger (auch 2018 gab es Länder mit besonders vielen Opfern, wie in Deutschland, oder weniger, wie in Schweden)
- die Epidemie ist vorbei → was wir derzeit noch messen, ist nichts anderes als das Grundschwirren eines jeden Virustests zu jeder Zeit
- RKI-Zahlen: (11.–17. Mai), 425.842 Tests, ein Anteil positiver Ergebnisse von 7.060 → das entspricht 1,7 Prozent.
- Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) beauftragte die Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien e.V. (INSTAND) den Test zu überprüfen → die testete neben echten SARS-Cov-2 Proben in verschiedenen Verdünnungen auch Proben von zwei harmlosen Corona-Viren und Placebo-Proben in Laboren
- Ergebnis (2.5.2020): 1,4 Prozent der Tests schlagen positiv an, obwohl die Probe gar kein Virus enthält, 9,8 Prozent bei Vorliegen eines von zwei anderen, harmloseren Coronavirus-Varianten (wie viele andere, eher harmlose Coronaviren es gibt, die ebenfalls falsch positiv anschlagen könnten, ist mir nicht bekannt)
- von den 1,7 Prozent des RKI müssen 1,4 Prozent abgezogen werden, denn jede Probe ohne SARS-CoV-2 springt zu 1,4 Prozent falsch positiv an → es bleiben 0,3 Prozent übrig
- bei den mindestens 9,8 Prozent falsch positiven Ergebnisse bei anderen harmlosen Coronaviren erscheint es plausibel, dass überhaupt keine Infektion mit SARS-CoV-2 mehr gemessen wurde
- Professor Yitzhak Ben-Israel von der Universität Tel Aviv hat sich den Verlauf der gemeldeten Covid-19-Fälle in verschiedenen Ländern vorgenommen → konnte zeigen, dass die Erkrankungszahl in jedem Land stark bis zum 40. Tag ansteigt, um dann steil abzufallen, nach 8 Wochen ist sie dann am Abklingen, völlig unabhängig von den getroffenen Schutzmaßnahmen
- das entspricht Untersuchungen der ETH Zürich, von JP Morgan und sogar des RKI selbst → zeigen, dass die Infektion in Europa ab der 3. Märzwoche am Abklingen ist, also vor dem Lockdown (Epidemiologisches Bulletin 16. am 16. April 2020)
- die Spekulation auf eine zweite Welle → war schon bei der Schweinegrippe eindeutig hysterisch oder rein ökonomisch oder politisch motiviert
- den in seiner Intention leicht durchschaubaren und damit peinlichen Versuch des statistischen Bundesamtes, eine deutsche Übersterblichkeit in den Coronamonaten zu konstruieren, haben schon Ansgar Neuhof und Professor Walter Krämer an dieser Stelle richtiggestellt → wer die Sterbedaten solide bewertet, kann keine deutsche Übersterblichkeit im Frühjahr feststellen
- am Ende des Jahres werden in keinem Land die Covid-19 zugerechneten Toten einen vorderen Rang in der Todesursachenstatistik einnehmen. Diese Gefahr bestand zu keinem Zeitpunkt.
- Gründe für die Unterschiede in einzelnen Regionen → sicher spielte die niedrige Zahl der Krankenhausbetten pro Kopf eine Rolle, weil dies manche Politiker im Panikmodus zu fatalen Entscheidungen nötigte (z.B. noch infektiöse Patienten in Altenpflegeheime verlegen – und damit mitten hinein in die Risikogruppen)
- bei einer Sache bin ich mir jedoch ebenso sicher wie der Nobelpreisträger Michael Levitt von der Stanford University: Der Lockdown war die grundfalsche Strategie → er wird deutlich mehr Schaden anrichten, als es jemals im Potenzial von Covid lag
- zu keinem Zeitpunkt war es gerechtfertigt, von hunderttausenden oder Millionen Todesopfern in Deutschland zu sprechen → jeder, der dies tat, muss sich unwissenschaftliche Panikmache vorwerfen lassen, mit deren Folge wir nun leben müssen.
- von Anfang an war stattdessen gut erkennbar, dass der professionelle Schutz der Risikogruppen am schonendsten und effektivsten gewesen wäre → der Rest der Gesellschaft hätte sich ohne wesentliche Gefahr für die Allgemeinheit dann durchseuchen können
- genau dieser professionelle Schutz, der zu einem Bruchteil der jetzigen Finanzhilfen sehr gut umsetzbar gewesen wäre, ist auch in Deutschland einfach nicht passiert → nirgends in Europa oder Amerika, und wenn, dann viel zu spät und inkonsequent
- unterscheiden zwischen Logik und Verschwörungstheorien → das eine bekämpft Inkompetenz, und das andere entsteht, wenn man zu faul ist, komplex zu denken
Kinder sind nicht gefährlich - geringes Übertragungsrisiko erneut bestätigt
Update 28.05.2020: Baden-Württemberg zieht als naheliegende Konsequenz aus dieser erdrückenden Datenlage: zeitnah Regelbetrieb an Grundschulen, im Wesentlichen ohne Abstandsregeln (tagesschau.de 28.05.2020).Unterstützt wird dieser Entschluss auch heute durch aktuell veröffentlichte Studien: das Dänische Serum Staten Institut meldet, dass in Dänemark nach Wiederöffnung der Schulen Mitte April kein Anstieg von Infektionszahlen zu verzeichnen gewesen sei - gleiches meldet das finnische Institut für Gesundheit für Finnland (tagesschau.de 28.05.2020). In Irland fanden sich bei einer entsprechenden Studie unter Schulkindern "no cases of onward transmission to other children or adults within the school […] These included music lessons (woodwind instruments) and choir practice, both of which are high-risk activities for transmission." (Heavey 2020).
Die von eigentlich namhaften Virologen mantraartig wiederholte Behauptung, man habe immer noch keine sicheren Daten zur Übertragung durch Kinder, entpuppt sich angesichts der täglich veröffentlichten, in der Aussage gleichsinnigen Studien zunehmend als running-gag einer geschmacklosen virologischen comedy-show.
Was buchstäblich alle Welt außerhalb der Charité schon lange weiß, hat sich mit den jetzt veröffentlichten Zwischenergebnissen einer deutschen Multicenter-Studie an 2500 Kindern erneut bestätigt:
- Kinder haben ein sehr viel geringeres Risiko, sich selber mit COVID-19 anzustecken
- Kinder stellen ein sehr viel geringeres Risiko dar, andere anzustecken als bei anderen vergleichbaren Erkrankungen, wie z.B. der Influenza.
- Kinder in einer "Notbetreuung" (also im KiTa-Betrieb) haben kein höheres Risiko, sich anzustecken, als zu Hause.
(SWR 26.05.2020)

