Karl Lauterbach: Wolfgang Wodarg erzählt "blanken Unsinn" zu Corona - das sind Fake News!
Aktuell macht ein Video mit Wolfgang Wodarg die Runde, das das Coronavirus verharmlost. "Blanker Unsinn", sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: "Das ist eine abwegige, vollkommen falsche Sicht der Dinge."4 Minuten
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Was ich nicht verstehe ist, warum es keine Belege gibt für die Gefährlichkeit. Sie reden immer von Italien, das aber als Vergleich einfach nicht herhalten kann. In Italien gibt nur ein Bruchteil von den Intensivbetten wie z.B. Deutschland, klar sind sie total überlastet. Sie haben dreimal so viele Lungenkranke, die höchste Luftverschmutzung Europas, die älteste Bevölkerung der Welt, klar haben sie deutlich mehr Tote.
Dann reden sie immer von Sterberate, aber da das Virus normalerweise (bei 95 % der Infizierten) so harmlose Auswirkungen hat, bleibt es ja häufig unentdeckt, d.h. es sind deutlich mehr Menschen infiziert, wodurch die Sterberate total sinken würde, hätte man die Zahlen.
Eigentlich müssten sie es mit der schlimmen Grippe von 2017/18 vergleichen und wenn es schlimmer ist - in derselben Zeit deutlich mehr Tote - dann würde ich ihnen glauben. Aber es gibt nur Theorien, die auf Vermutungen basieren. Und wer ihnen nicht glaubt, ist eben "dumm".
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Hier nochmal ein Wodarg-Gegner (19.3.20)
Coronavirus – unnötiger Alarm bei COVID-19? | Harald Lesch
In den vergangenen Tagen zieht eine erstaunliche Nachricht durch die sozialen Netzwerke: Ein ehemaliger Lungenarzt und früherer Bundestagsabgeordneter behauptet, die internationale Aufregung um SARS-CoV-2 wäre reine Hysterie. Die These: Hätten wir das Virus nicht über einen Test entdeckt, dann wäre er uns nicht aufgefallen. Dabei stützt er sich auf die Sterblichkeitsstatistik, in der die bisherigen Todesfälle untergehen. Sind die Quarantänemaßnahmen und Ausgangsbeschränkungen übertrieben?10 Minuten
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Er sagt also, die Betten reichen nicht. Und Betten heißt: Beatmungsgeräte. Wenn die USA ihre Maßnahmen jetzt verdoppeln würden, hätten sie immer noch über eine Millionen Tote zu erwarten. In England würden 250.000 Leute sterben. Das ist dann ja mal interessant, ob es dazu kommt oder am Ende doch Wodarg Recht hatte. Richtig überzeugen tut Lesch mich nicht, obwohl ich mir ja wünschen würde, dass es so ist. Dass das, was ich als Wahnsinn empfinde, im Grunde doch vernünftig ist.
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In der SZ heute:
Erwachen unter den Kirschblüten
VON THOMAS HAHN(...)
Ende Februar stiegen sprunghaft die Fallzahlen auf der Nordinsel Hokkaido. Sofort machte der Gouverneur die Ansage, dass die Menschen zu Hause bleiben sollten. Einen Tag später sagte Abe plötzlich, alle Schulen sollten schließen, auch in jenen Präfekturen mit null Covid-19-Fällen. Und in Tokio erklärte die Gouverneurin Yuriko Koike, dieses Jahr müssten die feucht-fröhlichen Hanami-Partys ausfallen.
„Populismus“, sagt Kami. Denn aus medizinischer Sicht findet er Abes und Koikes Entscheidungen längst nicht mehr effektiv. Seit Wochen beobachten er und seine Kollegen den Schaden, den das Coronavirus in Asien anrichtet. Vor allem die Daten von der Diamond Princess und die aus dem enormen Testprogramm in Südkorea sind für ihn wichtige Quellen. Die Erkenntnis: Die meisten der wenigen Menschen, die an Covid-19 sterben, sind über 70.
„Wir müssen die alten Leute schützen, bis ein Impfstoff gefunden ist. Ansonsten können wir im Grunde normal bleiben“, folgert Masahiro Kami.
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In seinem schmucklosen Institut sagt der Mediziner Kami: „Ich denke eher sachlich.“ Der Vergleich zwischen Südkorea und Japan treibt ihn um. Beide Länder haben regen Kontakt zu China, beide müssten ähnlich stark von Covid-19 betroffen sein. Aber in Südkorea hat es, Stand Mittwoch, 357 896 Tests gegeben, 9137 bestätigte Fälle, 126 Todesfälle. In Japan: 23 521 Tests, 1299 bestätigte Fälle, 44 Tote.
Hätte Japan so viele Tests wie Korea, hätte es wahrscheinlich auch ähnlich viele Infizierte. Demnach sind die meisten Infizierten in Japan nie in Isolation gewesen sein. Trotzdem sieht Kami nur wenige Todesfälle. Stattdessen Baseballtalente, die auf Highschool-Meisterschaften verzichten müssen, umstrittene Schulschließungen, kleine Unternehmen in Existenzangst. In die Klinik, in der er arbeitet, kommen 50 Prozent weniger Patienten, weil sie Angst haben sich dort anzustecken.
„Diese Maßnahmen, die die gesellschaftliche Stille verursachen, kann man nicht lange machen“, sagt Kami. Sie dauern aber sehr lange, wenn die Angst vor Covid-19 gleich bleibt. Südkorea ist seit Wochen im Krisenmodus, testet weiter täglich bis zu 10 000 Menschen, meldet weiter Erkrankte. Am Mittwoch allein 100. „Der Kampf gegen das Virus begann damit, dass man davon ausging, dass es sehr gefährlich ist“, sagt Kami. „Mittlerweile denken viele japanische Ärzte, dass Covid-19 zwar sehr ansteckend, aber nicht so überragend schlimm ist. Das kann man nur noch nicht so laut sagen.“