Heute waren wir mit dem DaF-Fortbildungskurs in der Residenz. Dort kann man mit Kursen hingehen, um Deutsch zu unterrichten, aber ich glaube, das ist nicht mein Ding. Diese Umgebung der perversen Übertreibung und Zurschaustellung von maßlosem Reichtum und Macht ist schrecklich. Sie brauchten für ein Fest an die zweitausend Kerzen. Normale Menschen hätten ca. eine Woche arbeiten müssen, um eine Kerze zu kaufen. Ich finde diese Atmosphäre total unangenehm.
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Samstag, 16. Februar 2019
Wörterbücher
Noch eine Woche, dann ist die Fortbildung zur DaF-Lehrerin vorbei. Ich fange an, mich entspannt mit der Grammatik zu befassen, ich will nicht sofort mit dem Unterrichten anfangen. Grade lese ich:
Es ist das Schicksal derer, die den niedrigeren Beschäftigungen des Lebens nachgehen, von der Furcht vor dem Bösen vorangetrieben, statt von der Aussicht auf Gutes angelockt zu werden; der Zensur ausgesetzt zu sein, ohne auf Lob hoffen zu dürfen; durch Fehlschläge dem Spott preisgegeben zu sein oder für Unterlassungen bestraft zu werden, während ein Erfolg ohne Beifall bleibt und der Eifer ohne Belohnung. Zu diesen unglückseligen Sterblichen zählen die Verfasser von Wörterbüchern.
Samuel Johnson, Dictionary
Bei der Volksabstimmung "Rettet die Bienen" hätte es 850.000 Stimmen gebraucht und es haben 1.750.000 unterschrieben! Ha! In München jede/r Fünfte! Im Umland noch viel mehr!
Sonntag, 30. Dezember 2018
Wissen
Grade lese ich von Manfred Spitzer das berühmte Buch "Lernen - Gehirnforschung und die Schule des Lebens". Er schreibt über den Unterschied von Wissen und Können:
Also: das Studium der Grammatik ist ein schier unendliches Feld. Ich weiß nicht, ob ich das beackern soll... Es ist zwar spannend, aber allein MENGENMÄSSIG ganz, ganz gewaltig.
Viel können und wenig wissen
Es mag eigenartig klingen, aber es ist dennoch so: Fast alles, was wir gelernt haben, wissen wir nicht. Aber wir können es. Weil’s Spaß macht, noch ein Beispiel: Es ist verboten, den Schutzmann umzufahren. Es ist vielmehr geboten, den Schutzmann zu umfahren. – Warum? Weil nach der deutschen Grammatik „um“ ein so genanntes Halbpräfix ist, das (wie die Grammatik mit weiteren Termini technici erklärt) fest und unfest vorkommen kann. „Um“ kann also sowohl wie die unbetonten Präfixe „ver“, „be“, „ent“, „er“ und „zer“ gebraucht werden und ist dann untrennbar mit dem Verb verbunden, dessen Partizip, dies sei angemerkt, ebenfalls ohne „ge“ gebildet (also nicht ge-erzeugt) wird.
Damit ist das Problem keineswegs umgangen, denn mit etwa der Hälfte der Fälle muss anders umgegangen werden. Hier ist das „um“ betont und nicht fest mit dem Verb verbunden. Man muss jetzt umdenken: Nicht nur das Partizip wird mit „ge“ umgedacht, sondern eben auch der Schutzmann verbotenerweise umgefahren, wie der Grammatikduden ganz klar darlegt. Offenbar können wir alle das „zu“ in das Verb hineinnehmen, wenn das Präfix betont ist; andernfalls stellen wir es voran. – Hätten Sie’s gewusst? Jedenfalls können Sie es mit links!
Also: das Studium der Grammatik ist ein schier unendliches Feld. Ich weiß nicht, ob ich das beackern soll... Es ist zwar spannend, aber allein MENGENMÄSSIG ganz, ganz gewaltig.
Samstag, 1. Dezember 2018
Warum
Ich bin nur noch am Lernen - die DaF-Fortbildung öffnet eine Büchse nach der anderen, die Bücherstapel wachsen um mich herum wie die Pilze und die Ordner füllen sich im Stundentakt. Himmel!
Allein die Vorbereitung von 90 Minuten Unterricht über bestimmte Artikel kostete mich zwei ganze Wochenenden und Nerven ohne Ende.
Und dann der Wintereinbruch.
Leicht ist es nicht, zur Zeit. Aber es macht auch Spaß, zum Glück.
Eben habe ich ein Google-Gedicht "gefunden" oder "erfunden":
Allein die Vorbereitung von 90 Minuten Unterricht über bestimmte Artikel kostete mich zwei ganze Wochenenden und Nerven ohne Ende.
Und dann der Wintereinbruch.
Leicht ist es nicht, zur Zeit. Aber es macht auch Spaß, zum Glück.
Eben habe ich ein Google-Gedicht "gefunden" oder "erfunden":
Mittwoch, 31. Oktober 2018
Sprache
In der Sprache aber heißt pedantisch, sich wie ein Schulmeister auf die gelehrte, wie ein Schulknabe auf die gelernte Regel alles einbilden und vor lauter Bäumen den Wald nicht sehn; entweder an der Oberfläche jener Regel kleben und von den sie lebendig einschränkenden Ausnahmen nichts wissen, oder die hinter vorgedrungnen Ausnahmen still blickende Regel gar nicht ahnen. Alle grammatischen Ausnahmen scheinen mir Nachzügler alter Regeln, die noch hier und da zucken, oder Vorboten neuer Regeln, die über kurz oder lang einbrechen werden.
(Jacob Grimm, 1847, aus: http:// gutenberg.spiegel.de/ buch/6190/14)
Das steht in Matthias Granzow-Emden, Deutsche Grammatik verstehen und unterrichten (Tübingen 2013), das mein erstes Buch über Grammatik ist. Spannend, aber auch quälend, weil es die klassische, die traditionelle Grammatik, wie sie an Schulen gelehrt wird, grundsätzlich in Frage stellt. Wenn man diese nun überhaupt nicht kennt, dann kommt man ganz schön ins Schleudern. Aber es ist interessant.
Einer der Beispieltexte:
Rechtzeitig beworben
Ein fünfjähriger Junge hat sich bei der Polizei in Bocholt beworben. Sein Lebenslauf ist kurz. „Besuch des Kindergartens ‚Über den Wolken‘“ ist der einzige Eintrag des kleinen Niklas in der Rubrik „Werdegang“. Das teilte ein Sprecher der Polizei am Mittwoch mit. Im Anschreiben steht: „Ich möchte gerne meine Ausbildung starten, sobald ich den Kindergarten und meine schulische Ausbildung abgeschlossen habe . Zu meinen Hobbys gehört das Spielen mit Polizeiautos.“
(aus: Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN) vom 22. 09. 2011;Heute hatten wir unseren ersten "Test" - den Abschluss vom Linguistik-Teil. Zum Glück durften wir zusammenarbeiten, denn mein Notebook gab den Geist auf, als ich fertig war und ich fand die Datei hinterher nicht wieder. Musste alles nochmal schreiben! Ich konnte es dann von E abschreiben, aber es war stressig.
Schon zwei Stunden später kam die Mail: ich hatte mit voller Punktzahl "bestanden". War aber doch ein gutes Gefühl.
Wir mussten folgenden Satz analysieren:
Also sowas:Nach gründlicher Überprüfung des Falls konnten der Detektiv Holmes und sein Freund Watson den Täter schneller fassen als der ehrgeizige Inspektor Lestrade.
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Nach |
gründlicher |
Überprüfung |
des |
Falls |
konnten |
der |
Detektiv
|
Holmes |
und |
sein |
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Präposition |
Adjektiv |
Substantiv |
best.
Artikel |
Substantiv |
Modalverb |
Best.
Artikel |
Substantiv |
Eigenname |
Konjunktion |
Poss.
Pron. |
oder sowas:
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Nach gründlicher Überprüfung
des Falls |
konnten |
der Detektiv Holmes und sein
Freund Watson |
den Täter
|
schneller |
fassen |
als
der ehrgeizige Inspektor Lestrade.
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Adverbiale Best. |
Prädikat I |
Subjekt |
Direktes Objekt |
Adverbiale Bestimmung Teil 1 |
Prädikat II |
Adverbiale
Bestimmung
Teil 2 |
Und:
5.
Besonderheiten
- Nachfeld besetzt = selten
- markierte Satzstellung = adverbiale Bestimmung getrennt durch das Verb, das in einem unmarkierten Satz am Ende stände.
- markierte Satzstellung = im Vorfeld steht nicht das Subjekt sondern adverbiale Bestimmung, unmarkiert: Subjekt im Vorfeld oder unmarkierte Reihenfolge wäre Subjekt, Prädikat, adverbiale Bestimmung
- adverbiale Bestimmung = schneller ist gesteigert
- Komposita: Über-Prüfung = Zusammenfügung von Präposition und Substantiv
- Prüfung vom Verb prüfen abgeleitet
- Verb transitiv: fassen
- Verb schwach: fassen
- Verb 2-wertig: fassen









































