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Freitag, 3. Juli 2020

Stieglitz

Eben kam ein Stieglitz auf meinen Balkon! Natürlich wusste ich nicht, was das für ein Vogel ist, ich habe nachgeschaut im Internet.

Er setzte sich auf meine Rose und trank zierlich von einem Blatt einen Wassertropfen. Das ist schön, dass es noch ein paar Vögelarten gibt, hier in der Stadt.




Veröffentlicht am 4. Juli 2020 von aa

Vergessen oder dazugelernt?

In einem Stern-Interview vom 21.3. mach­te Prof. Christian Drosten u.a. die­se Angaben:
»Stern: Manche Viren ver­schwin­den wie­der. Wird die­ses Virus blei­ben?
Drosten: Ja, die­ses Virus wird ein fünf­tes mensch­li­ches Erkältungs-Coronavirus wer­den. Ich den­ke, es wird blei­ben.
Stern: Sind wir dem medi­zi­nisch mit­tel­fris­tig gewach­sen?
Drosten: Ich glau­be, dass wir das hier in Deutschland noch gera­de so eben navi­gie­ren kön­nen, ohne eine rie­si­ge huma­ni­tä­re Katastrophe zu erle­ben. Im Gegensatz zu ande­ren Ländern.
Stern: Welche mei­nen Sie?
Drosten: …In den afri­ka­ni­schen Ländern wird in die­sem Sommer der Peak der Infektionen auf­tre­ten. Ich mag mir gar nicht aus­ma­len, wel­che Bilder man sehen wird. Wir wer­den noch erle­ben, dass die Leute dar­an auf den Straßen ster­ben in Afrika. Die Situation wird schlimm sein, sehr schlimm.«
Andere Wissenschaftler, die damals den Begriff "Erkältung" im Zusammenhang mit Corona ver­wen­de­ten, muß­ten üble Anfeindungen erle­ben. Hier wur­de es hin­ge­nom­men.
Und so ist die Realität in Afrika:



Danach gibt es in ganz Afrika heu­te weni­ger Tote, die "im Zusammenhang mit Corona" ver­stor­ben sind, als in der BRD.

Und weiter:
Stern: Wann wird die Pandemie für den letz­ten Realitätsverweigerer spür­bar?
Drosten: Im Mai und Juni.
Die Antwort der Realität:


 FAZ-Autorin Bettina Weiguny am 26.4.

Aspekte des Corona-Lebens

"1. Im Prinzip dür­fen wir alle das Haus nicht ver­las­sen, aber wenn wir es tun, ist es auch okay.

2. Masken sind nutz­los, aber wir soll­ten sie trotz­dem tra­gen, weil sie hel­fen.

3. Alle Läden sind geschlos­sen, außer denen, die geöff­net haben.

5. Es gibt kei­nen Engpass bei Lebensmitteln, nur Dinge, die feh­len oder der­zeit nicht da sind.

7. Wir kön­nen ver­schie­de­ne Symptome haben, wenn wir krank sind, aber auch ohne Symptome krank sein, Symptome haben, ohne krank zu sein, anste­ckend sein ohne Symptome und vice ver­sa.

8. Sollten wir krank gewe­sen sein, kön­nen wir spä­ter wie­der erkran­ken, dazwi­schen aber sind wir immun. Vielleicht sogar gesund. Wer weiß das schon."
https://2tulpe30.blogspot.com/2020/05/usa.htmlhttps://2tulpe30.blogspot.com/2020/05/rki.html

Sonntag, 21. Juni 2020

Schülerinnen

Grade fand ich auf der Facebook-Seite vom bfz ein Foto von meinen Schülerinnen:


Das freut mich sehr, ein paar von ihnen zusammen zu sehen!
Diese sechs kommen aus Spanien, Ungarn, Philippinen, Brasilien, Kroatien und Georgien. Eine wunderbare Truppe!

https://2tulpe30.blogspot.com/2020/05/usa.htmlhttps://2tulpe30.blogspot.com/2020/05/rki.html

Montag, 16. März 2020

Totalausfall

Heute hat das bfz alles abgesagt, bis 19.4. finden keine Kurse mehr statt. Vier Wochen Ferien!
Mein Nachbar von oben leitet den Aldi hier um die Ecke: er ist leergekauft. Jetzt überlegt man, abends bis 22 Uhr die Lebensmittelläden offen zu halten. Aber er sagt, er hätte das Personal nicht.
Was da alles gerade überlegt wird... ich bin heilfroh, dass ich schachmatt gesetzt bin und nicht überlegen muss.
Ich muss jetzt online Bücher ausleihen. Dabei bräuchte ich nun dringend den zweiten Band von Krieg und Frieden.
E schreibt: Ich verstehe auch nicht, warum ich jetzt ausgerechnet einen Hamster kaufen soll ... und wo stelle ich den Käfig hin?

So finden wir uns alle allmählich in dieses sonderbare, neue Leben.

Mal mehr, mal weniger erstaunt...

Sonntag, 15. März 2020

Neue Kurse

Freitag hatte ich das erste Mal die neuen Kurse. Die Teilnehmerinnen heißen Asma, Damaris, Dana, Eirini, Enikö, Esma, Georgia, Hanife, Julia, Lydia, Maria, Monika, Nevena, Niyan, Olga, Shahnaz, Zeynep, Alka, Anna, Despina, Emine, Eunice, Hamida, Ionela, Jennifer, Julie, Jun, Khalida, Miralva, Salimata, Cristine, Tamara und Zohra. Sie sind aus Rumänien, Griechenland, Slowakei (Ungarin), Kosovo, Polen, Irak, Russland, Afghanistan, Kenia, Bosnien, Deutschland, Nigeria, China, Brasilien, Elfenbeinküste und Bosnien. Ein paar haben gefehlt, die lerne ich in zwei Wochen kennen.

A schreibt, er ist in Quarantäne weil er Kontakt mit einer Kundin hatte, die dann krank wurde. Sie hat ihn gemeldet. Ich frage mich, wie lange die Qurantäne ist, A war zu beschäftigt, um mir zu antworten. Er räumt sein Zimmer auf.
Was ich aber am aller-aller-aller-unglaublichsten finde und den absoluten Skandal und unerträglich und den Tiefpunkt der menschlichen Kultur: sie machen die Büchereien zu. Die BÜCHEREIEN. Tiefer können wir nicht fallen... es ist vollbracht, wir sind vernichtet. Strecken die Waffen. Geben auf. Sie. Machen. Die. Büchereien. Zu.



Ich habe heute frei und das erste Mal seit langem den Vormittag in der Sonne auf dem Balkon verbracht. Von meinem Bienenschwarm umschwirrt. Es ist also soweit: der Frühling geht los. Gleich gehe ich mit A in den Westpark, da bin ich sonst nie, aber sie wohnt im Westen, deshalb der Westpark.

Später: Zurück aus dem Westpark.






















Montag, 24. Februar 2020

Fußball

Heute habe ich erfahren, dass der Sohn einer meiner Schülerinnen in der Fußballnationalmannschaft U18 spielt! Er ist ansonsten bei den Löwen (München 1860). Das hat mich sehr gefreut, sie ist selber so ein besonderer Mensch. Sie erzählt immer total spannende und lustige Sachen aus ihrer Heimat Afrika (Kamerun). Ich bin mir sicher, dass sie tolle Söhne hat.



Montag, 23. Dezember 2019

Unterrichten


Ich lese gerade ein schönes Buch über "Unterrichtsrezepte" (Monika und Jochen Grell):
Es scheint zum Guten Ton zu gehören, daß in Büchern über Unterricht zwei Behauptungen aufgestellt werden, meist am Anfang. Die erste Behauptung besagt: "Unterricht ist eine unheimlich komplizierte und schwierige Sache." Niemand hat diesen Gedanken anmutiger auszudrücken verstanden als F. Winnefeld (1967), der in einem glücklichen Moment das vielzitierte Wort fand:
"Jedes pädagogische Feld muß demnach als eine vieldimensionale Faktorenkomplexion aufgefaßt werden."
Die vieldimensionale Faktorenkomplexion ist dazu da, den Lehrern einen anständigen Schrecken einzujagen, damit sie sich von vornherein mehr Mühe geben. Man nennt das in der Wissenschaft "produktive Verunsicherung" (Flechsig/Haller, 1975).
Das finde ich wunderbar - produktive Verunsicherung. Ich weiß schon, warum ich Pädagogik studiert habe. Wir Pädagogen sind in einer solchen Nische im Wissenschaftsbetrieb, dass wir uns alles erlauben dürfen. Es bleibt unter uns. Und den armen Schülern...

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Kinder

Heute war ich in der Kindergruppe von B, meiner Nachbarin. Das war sehr beeindruckend. So eine entspannte, lebendige Atmosphäre, so freundliche und lebhafte Kinder - ich war überrascht. Irgendwie hatte ich mir das problematischer vorgestellt, aber diese Kinder waren einfach alle total sympathisch. B gibt ihnen einen sicheren Rahmen, den die Kinder zum Teil sogar selber mitgestalten. Sie lässt sie ansonsten einfach machen und gibt Unterstützung. Aber vor allem hat sie eine sehr herzliche und zugewandte Art, mit ihnen umzugehen. Dadurch sind die Kinder so offen und vertrauensvoll, denke ich.




Logo der Kindergruppe.
Roboter.


Zwei gleich starke kämpfende Menschen.

Donnerstag, 12. September 2019

Beratungstermin


Ich habe versucht, bei der Deutschen Rentenkasse einen Beratungstermin zu bekommen. Ich wusste schon, dass das schwierig ist, aber es war noch schwieriger.
Ich versuchte es erstmal gestern sehr früh telefonisch, kam zur Begrüßung durch die Zentrale, dann: Wenn Sie einen Termin vereinbaren möchten, drücken Sie die Taste 1... Ich geriet in eine Warteschleife, die mich viele Male mitschleifte, dann gab ich fürs Erste auf. Rief im Laufe des Tages noch zweimal an, aber da gelangte ich dann noch nicht mal mehr in die Warteschleife – das Telefon antwortete nur noch mit einem hilflosen, schwachen Knacken, das wars. Das war ein Fehler, dass ich am frühen Morgen nicht dringeblieben war, in der Schleife, merkte ich.
Ich schaute im Internet, denn man kann mittlerweile bei vielen Behörden Termine online buchen, was super ist. Und hier auch! Erleichtert gab ich alle Details zu meiner Person und meinen Wünschen ein, Schritt für Schritt kam ich meinem Termin näher und dann der letzte Schritt: der Kalender. Voll. Keine Termine frei. Der Kalender reichte allerdings nur bis Mitte Dezember 2019, ich hätte ja sonst auch einen Termin im nächsten Jahr gemacht. Aber: nicht möglich.
Der nächste Tag, diesmal rief ich wieder ganz früh an und tatsächlich: die Warteschleife nahm mich auf in den Kreislauf von nervtötender Musik und freundlicher Aufforderung, Geduld zu haben. Ich nutzte die Zeit, meinen Rentenordner zu sichten. Rentenbescheide sind von magischer Mysteriösität. Sie dienen nicht dazu, uns zu informieren. Sie dienen dazu, uns zu verdeutlichen, dass wir, sollte wir jemals daran denken, eine Rente zu beantragen, uns in einen Zustand hilfloser Abhängigkeit begeben werden. Menschen werden mit uns sprechen, aber wir werden sie nicht verstehen. Wir werden aufgefordert werden, Formulare auszufüllen mit Fragen, deren Sinn wir nicht einmal in unserer wildesten Phantasie erraten könnten. Wir werden uns überlegen, lieber wieder arbeiten zu gehen, anstatt in Rente. Das ist der Sinn.
Plötzlich, nach einer guten Viertelstunde, hörte ich eine Männerstimme aus dem Hörer quaken. Ich war kurz fassungslos, dann fragte ich nach einem Termin. Er sprach bayrisch, sehr freundlich, sehr jovial:
„Ja, das sind Sie bei mir schon richtig, aber Termine gibt es nicht.“
„Nicht?“
„Nein“, bestätigte er freundlich, „wir vergeben keine Termine mehr.“
Dann beugte er sich gleichsam näher zu mir und vertraute mir an: „Wir sind zu wenige, wir sind zur Zeit überfordert.“
„Aber...“ ich war ratlos. „Was soll ich denn dann machen?“
„Versuchen Sie es heute Mittag oder heute Nachmittag nochmal.“
„Anrufen? Aber wieso? Um die Zeit kommt man gar nicht mehr durch.“
„Ja“, sagte er unendlich freundlich, „es kann sein, dass sich mal was ändert. Wir sind zur Zeit eben einfach überfordert. Was ist denn eigentlich Ihr Anliegen?“
Er ließ sich meine Sozialversicherungsnummer geben und verwickelte mich in ein gemütliches Gespräch über meine Lage: „Dozentin wollen Sie werden? Dozentin für was?“
Ich war überrascht, wieviel Zeit er sich nahm, und schüttete ihm mein Herz aus. Nebenbei hörte ich pausenlos seine Tastatur klicken. Ich dachte an die vielen Menschen da draußen, die grade versuchten, in die Warteschleife einzudringen.
Ich fragte: „Soll ich vielleicht beim Kreisverwaltungsreferat mal nachfragen, die bieten auch Beratung an?“
Er wehrte erst ab: „Die bieten nur Hilfe bei Rentenanträgen an“, aber dann überlegte er es sich anders: „Aber versuchen Sie es ruhig, vielleicht wissen die ja doch mehr, als ich denke!“
Das klang nicht ermutigend.
„Was ist, wenn ich meine Fragen schriftlich stelle?“
Sehr entschieden wandte er sich dagegen: „Nein, machen Sie das nicht! Da schicken Sie uns eine Liste mit Fragen und irgendwann kriegen Sie vielleicht Antwort, aber dann ergeben sich daraus wieder neue Fragen... und dann? Nein, es ist doch besser, wenn man sich gleich direkt austauschen kann, ein Gespräch ist auf jeden Fall sinnvoller.“
Mit anderen Worten: ich sollte mir einen Termin geben lassen. Aber Termine gab es nicht. Ich fühlte eine Schwere in mir, die Schwere der Resignation.
Und dann geschah das Unglaubliche. Er rief ganz plötzlich: „Da ist einer! Ein Termin! Morgen früh um 10 Uhr!“
Jemand hatte grade abgesagt. Während unseres Gesprächs hatte er wohl die ganze Zeit den Kalender durchforstet und diese Lücke entdeckt, in die er mich sofort entschlossen hineinstopfte.
Ich hatte einen Beratungstermin bei der Deutschen Rentenversicherung bekommen – in 26 Stunden nach meinem Anruf.