Nationalmannschaften: links - mit korrektem Abstand - die Deutschen, rechts die Spanier - natürlich...
Der Lockdown ist von einem Fehler zu einem Verbrechen geworden
Vor vier Monaten schrieb ich eine Kolumne mit dem Titel „Der weltweite Lockdown könnte der größte Fehler der Geschichte sein“. Ich erklärte, dass „‚Fehler‘ und ‚böse‘ keine Synonyme sind. Der Lockdown ist ein Fehler; der Holocaust, die Sklaverei, der Kommunismus, der Faschismus usw. waren böse. Massive Fehler werden von arroganten Narren gemacht; massive Übel werden von bösen Menschen begangen“.
Mit Blick auf die wirtschaftliche Katastrophe in Amerika und auf der ganzen Welt – insbesondere unter den Armen der Welt, deren Einkommen durch Exporte und Tourismus von Amerika und anderen Ländern der Ersten Welt abhängig ist – schrieb ich: „Es sind Panik und Hysterie, nicht das Coronavirus, die diese Katastrophe verursacht haben“.
Leider hatte ich Recht.
Die Welt hätte dem schwedischen Beispiel folgen sollen. Dieses Land hat sich nie verschlossen und sogar Kinder unter 16 Jahren die ganze Zeit in der Schule behalten. Wie Reuters am 15. Juli berichtete, ist die Zahl der schwedischen Kinder zwischen 1 und 19 Jahren, die an COVID-19 gestorben sind, gleich Null. Und der Prozentsatz der Kinder, die an der Krankheit erkrankten, war in Schweden genau so hoch wie in Finnland, das seine Schulen schloss.
In Bezug auf Lehrer berichtete die schwedische Gesundheitsbehörde, dass „ein Vergleich der Inzidenzen von COVID-19 in verschiedenen Berufen kein erhöhtes Risiko für Lehrer erkennen ließ“. Dennoch weigern sich Lehrer in Los Angeles und anderswo bis auf wenige Ausnahmen, ein Klassenzimmer mit Schülern zu betreten. Ihre Verachtung für ihren Beruf wurde nur noch durch die der Lehrergewerkschaft von Los Angeles übertroffen, die ankündigte, dass die Lehrer den Unterricht erst wieder aufnehmen werden, wenn die Polizei entschädigt ist.
Menschen, die sich für Schließungen und die Schließung von Schulen einsetzen, weisen darauf hin, dass Schweden die achthöchste Todesrate pro Million Menschen in der westlichen Welt hat. Aber das hat natürlich überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob es richtig war, dass Schweden die Schulen geöffnet hat, oder ob es falsch war, sie zu schließen, geschweige denn, sie jetzt geschlossen zu lassen. Die überwältigende Mehrheit der Todesfälle durch COVID-19 in Schweden waren unter Menschen über 70 Jahren, und die meisten davon waren Menschen über 80 und mit geschwächtem Immunsystem.
Reuters berichtete, dass drei separate Studien, darunter eine von UNICEF, „zeigten, dass schwedische Kinder während der Pandemie besser abschnitten als Kinder in anderen Ländern, sowohl in Bezug auf Bildung als auch auf psychische Gesundheit“.
Seit mehr als einem Monat gibt es in Schweden fast keine Todesfälle durch COVID-19, während die gesamte Gesellschaft offen bleibt und fast niemand Masken trägt. (Auch in Holland trägt fast niemand Masken.) Im Grunde ist das Virus in Schweden vorbei.
Ich lebe in Kalifornien, einem Staat, der von dem gefährlichsten aller Politiker regiert wird: einem Narren mit unbegrenzter Macht. Trotz der Tatsache, dass Kalifornien bei den Todesfällen pro Million unter den 50 Bundesstaaten an 28. Stelle liegt, hat Gouverneur Gavin Newsom Zehntausende von Kleinunternehmen und unzählige Existenzen zerstört und tut dies auch weiterhin. Sein anhaltendes Verbot – ein halbes Jahr nach Ausbruch der Pandemie – führt zu einer prognostizierten dauerhaften Schließung von etwa einem von drei Restaurants im Bundesstaat.
Dieselbe katastrophale Zerstörung wird wahrscheinlich auch Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungen wie Haar- und Nagelsalons betreffen. Aber all diese menschliche Tragödie – ganz zu schweigen von den zunehmenden Depressionen und Selbstmorden unter den Jugendlichen und dem zunehmenden Missbrauch von Kindern und Partnern – bedeutet nichts für Newsom, für den Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, oder für die Los Angeles Times, deren Redakteure und Kolumnisten sich weiterhin für die Schließung einsetzen, solange sie ihre Gehälter erhalten.
Warum dürfen Menschen ohne Maske in einem Flugzeug – nur Zentimeter (und nicht sechs Fuß) entfernt von Fremden – essen, aber nicht in einem kalifornischen Restaurant, das so viel größer ist als das Innere eines Flugzeugs? Weil Newsom das angeordnet hat, unterstützt von der Los Angeles Times, und die Kalifornier wie Schafe das akzeptiert haben.
Laut der California Association of Museums „verlieren die Museen durch die landesweite Quarantäne täglich über 22 Millionen Dollar. Bis zum 1. August 2020 haben die kalifornischen Museen mehr als 2,9 Milliarden Dollar an Einnahmen verloren. Die Museen haben finanzielle Auswirkungen in Höhe von 6,55 Milliarden Dollar auf die kalifornische Wirtschaft, unterstützen 80.722 Arbeitsplätze und brachten dem Staat Kalifornien im Jahr 2017 Steuereinnahmen in Höhe von 492 Millionen Dollar und über 1 Milliarde Dollar an Bundessteuern ein“.
Und die American Alliance of Museums veröffentlichte am 22. Juli 2020 die Ergebnisse einer Umfrage, in der davor gewarnt wurde, dass 1 von 3 Museen für immer schließen könnte, da die Finanzierungsquellen und finanziellen Reserven versiegen.
Am 3. August schrieb das Wall Street Journal: „Im März … gab es eine breite öffentliche Unterstützung für die umsichtigen Ziele, nämlich zu verhindern, dass die Krankenhäuser überlastet werden, und den Wissenschaftlern Zeit für die Entwicklung von Therapien zu verschaffen.“ Aber die Linke – die Medien und die demokratischen Gouverneure und Bürgermeister – änderten die Ziele sofort in „die Kurve zu krümmen“ und „ein Leben zu retten“, was es ihnen ermöglichte, mit der Zerstörung von Leben und Lebensgrundlagen davonzukommen.
Ich schließe mit den Worten eines schwedischen Arztes, Sebastian Rushworth:
„Covid ist in Schweden vorbei. Die Menschen sind in ihr normales Leben zurückgekehrt, und kaum jemand infiziert sich mehr. Ich bin bereit, darauf zu wetten, dass die Länder, die komplett geschlossen haben, bei der Öffnung einen Ratenanstieg erleben werden. Wenn das der Fall ist, dann hätte es keinen Sinn gehabt, überhaupt abzuschalten… Vollständig abzuschalten, um die Gesamtzahl der Todesfälle zu senken, macht nur Sinn, wenn man bereit ist, so lange abzuschalten, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Das könnte Jahre dauern. Kein Land ist bereit, so lange zu warten.
Der Lockdown ist ein Verbrechen. Noch beunruhigender ist jedoch, dass er von so vielen Amerikanern unterstützt wird. Dieses Land ist für diejenigen von uns, die die Pandemie von 1968-1970 durchlebt haben, nicht wiederzuerkennen, die nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention etwa 100.000 Amerikaner getötet hat – das entspricht 170.000 Amerikanern im Jahr 2020. Nichts wurde abgeschaltet. Nicht eine einzige Maske wurde getragen.
Dem Tode keine Herrschaft
Letzte Worte zum Corona-Problem
- eine Gesellschaft muss situativ zur Gemeinschaft werden können → Einzelne schließen sich zusammen und leben die Gemeinschaft aus: Chöre, die singen, Mannschaften, die ihren Sport ausüben, Gemeinden, die ihre Rituale feiern etc.
- jetzt werden Stadien, Kirchen, Clubs zu Todeszonen des Gemeinwesens → Maskenpflicht, Abstandsgebot, Zugangsbeschränkungen und Plexiglasscheiben blockieren alle psychosozialen Grundbedürfnisse: aus einem Gewühl von Fremden konnte eine flüchtige Arm-in-Arm-Gemeinschaft der Angeheiterten, das ist das heute ein Fall für Polizei und Ordnungsamt
- Kinder erleben einander als Risiko → Schulen verlieren den letzten Hauch von Lebensraum, sie werden endgültig zu Anstalten
- von allem, was einmal Gemeinschaft war bleibt nichts zurück als ein Staat
- etwas wird verschwunden sein, was so schnell nicht mehr zu revitalisieren sein wird → das ist ein anti-kultureller Gewaltakt, wie er brutaler und eisiger nicht gedacht werden kann. Niemand wird gefragt, niemand erhält auch nur die Chance zum Widerspruch
Demo ohne Demokraten?
- die Demo in Berlin → mehrheitlich keine Besessenen oder Verschwörungsmythologen. Aber es war ganz sicher auch nicht die berühmte „Mitte der Gesellschaft“. Die Mitte der Gesellschaft sieht man, wenn man am Samstag um 12 Uhr mittags zu IKEA geht.
- es waren ungefähr so viele wie bei der ersten Demo Anfang August → es war keine nennenswerte Entwicklung erkennbar. Es ist kein Signal ausgegangen von dieser Veranstaltung, das irgendeinen Politiker zum grundlegenden Umdenken veranlassen müsste.
- eine Professorin der Münchner Bundeswehr-Uni, die Historikerin und Demokratieforscherin Hedwig Richter → diese Demonstranten seien „Demokratiegegnerinnen und -gegner“ : „Und, was ich auch ganz wichtig finde: Diese Querdenkerinnen und -denker, die da kommen, die sind ja ohnehin nicht Demokraten in unserm Sinne. Wenn da jetzt die Demonstration verboten wird, welchen Glauben sollen die denn verlieren?“
- sie ist eine „erst spät zur Maske Bekehrte“
- „Die zentrale Aufgabe des demokratischen Staates ist es, die Würde des Menschen zu schützen. Und ohne Gesundheit und ohne Leben fehlt die Grundlage dessen.“
- dieses Argument ist deshalb dämlich, weil sich schlichtweg alles damit begründen lässt → der Staat müsste alles abschaffen, was potenziell krank oder tot macht: Autos, Alkohol, Sex, Freeclimbing, Messer, Zucker, Krankenhäuser
- jede Verhältnismäßigkeit, jedes Abwägen wird angesichts einer gefährdeten Würde außer Kraft gesetzt
- „Trag deine Maske, sonst gefährdest du die Würde deiner Mitmenschen!“ → Ich finde keine Worte für mein Erstaunen darüber, auf welcher reflexiven Schwundstufe (gewiss nur vereinzelte) Lehrstuhlinhaber deutscher Hochschulen heute laborieren.
- die Zusammensetzung der Demos stimmte mich nicht sonderlich optimistisch → es hätten zu den vierzigtausend Ex-Grünen und den vierhundert Reichsbürgern noch vierhunderttausend IKEA-Familien da sein müssen, dann bestünde Hoffnung
Banalitäten
- eine Epoche ist versunken innerhalb von Monaten → die Erinnerung an gedrängtes Leben, an unbeschwertes, unbedachtes, unhygienisches Miteinander, an schummerige Läden, in denen gelacht, gesoffen, gegrölt, geflirtet wurde, die Erinnerung an eine verlorene Zeit
- abgesehen von allem, was die Menschen den Tieren Tag für Tag antun, ist diese neue Scheißnormalität das Deprimierendste, was ich je erlebt habe
- 9/11 war surreal schockierend. Tschernobyl war ein verstörender Horror, der Tsunami von 2004 war empörend → aber wenn je das Gefühl am Platze war, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor, dann in diesem Corona-Jahr 2020
- dass Terror und Naturkatastrophen schlagartig riesige Zerstörungen und unnennbares Leid zeitigen, ist immerhin im Bereich des Ahnbaren → dass aber eine solche freiwillige soziale und ökonomische Selbstdemontage je Wirklichkeit werden könnte, war für mich jenseits jeder Vorstellung
- Lebenslähmung aus psychotischer Achtsamkeit → sinnloses Aufgeben wohlig-menschlicher Trivialität, geselliger Banalität, psychosozialer Spießerideale wie Gemütlichkeit und Behaglichkeit
- statt dieser elementaren Stabilisatoren der Seele → das Ausführen von Vorschriften, herabgestimmt auf eiskalte Keimfreiheit.
- der warme Septemberglanz der Normalität war vielleicht nicht ganz so banal, wie wir früher dachten, vielleicht war er mit das Wichtigste am Leben.
Rausch und Drang
- die Entwirklichung des Alltags zwingt uns ins Politische → man spürt, dass es ums Ganze geht: in dem Arbeit, Feiern, Literatur, Musik, Liebe zur Natur, Engagement für unsere Mitgeschöpfe, Urlaub, Geselligkeit noch Sinn ergeben
- der Rahmen für ein sinnvolles Leben ist in Auflösung begriffen → Menschen aller Couleur sind deprimiert, ohnmächtig und zornig, dass Freiheiten, Grundrechte, Normalitätsvorstellungen, Lebensbedingungen abgeschafft werden wegen eines Krankheitsgeschehens, das es jedes Jahr zuvor auch immer gegeben hat
Warten auf den Abwehrzauber
- den allermeisten geht es aber ganz anders → das ZDF-Politbarometer (28.08.20) vermeldet 88 Prozent Zustimmung zu den derzeit geltenden Corona-Maßnahmen, 28 Prozent wollen sogar, dass sie härter ausfallen
- an Unis gibt es keine Initiativen, in denen sich Kritik organisieren würde → 500 Professoren, tausende Wissenschaftler auf einem Haufen (wenn auch momentan räumlich separiert), und alle schweigen, sind einverstanden oder zu bequem, die obrigkeitlichen Anordnungen in Frage zu stellen
- realistische Lage der Durchschnitts-Deutschen:
- Masken sind notwendig, und sie wollen gar nicht ohne Mund-Nasen-Bedeckung in einen Supermarkt gehen
- die Pandemie geht weiter, die Zahlen steigen, könne man doch jeden Tag in der Tagesschau sehen …
- die Demonstranten von Berlin sind alles durchweg Spinner und Nazis
- den Talk im Hangar nicht anschauen, die Beiträge von Gunter Frank nicht lesen, John Ioannidis nicht zur Kenntnis nehmen
- weiterhin Angst haben
- den regierenden Politikern und den regierenden Medien weiterhin ohne jede Skepsis vertrauen
- der ganze Wahnsinn geht mit Aufs und Abs so weiter, bis es einen Impfstoff gibt → das ist das magische Elixier, auf das sich die Erlösungshoffnungen richten
- es geht um das beruhigende Gefühl, dass es dann eine materielle medizinische Antwort auf die unsichtbare allgegenwärtige Bedrohung gibt → eine Spritze gegen die Angst
- trotzdem: sich selbst wohl eher nicht impfen lassen
Natürlichkeit
- die ganz überwiegende Risikogruppe besteht derzeit aus Menschen über 80 mit mehreren schweren Vorerkrankungen → Menschen, die pflegebedürftig sind, die höchst anfällig sind für alles, was ein starkes, vitales Immunsystem noch abzuwehren in der Lage wäre
- es ist nun leider in der Tat „natürlich“ – ein Rest von (sehr unschöner) biologischer Natur in unserer denaturierten Welt –, dass irgendein belangloser Keim diesen Menschen den Rest gibt
- man darf sich schon zur Wehr setzen → mit Mitteln, deren Folgen nicht schädlicher sind als das Krankheitsgeschehen selbst
- wie wollen wir in Zukunft handeln, wenn wir den heutigen Maßstäben irgendeine Gültigkeit zumessen?
- jedes Jahr der grippesaisontypische Virencocktail (Influenza, Rhinoviren, herkömmliche Coronaviren) → die Menschen sterben – so wie jedes Jahr – zu Tausenden und Zehntausenden. Werden wir dann die gleichen Maßnahmen treffen wie 2020?
- wenn die Entscheidungskriterien dieses Jahr richtig sind, dann müssen sie nächstes Jahr auch gelten
- eine „normale“ Grippesaison nicht mit diesem Corona-Jahr vergleichen können, weil nun mal Corona unvergleichlich viel schlimmer sei
Fiat sanitas et pereat mundus?
- es gibt den Skandal des Todes → wir können uns nur in menschlichen Maßen dagegen auflehnen
- den Tod vermeiden, um jeden Preis ?→ die Höhe der Kosten, die Höhe eines angemessenen Preises, ist es, was wir als Gesellschaft diskutieren müssen
Was wollen eigentlich die Alten?
- die Pflegerin, die der Omi morgens und abends die Beine wickelt, soll eine Schutzmaske tragen, sich die Hände desinfizieren etc. → dann wird die alte Dame trotz fortgeschrittener Herzschwäche vielleicht 87
- vielleicht aber will die Omi gar nicht drei weitere Jahre leben, in denen der einzige Mensch, den sie täglich sieht, ein maskiertes Gesicht und eine dumpfe Stimme hat → man könnte sie fragen und sie entscheiden lassen
- vielleicht will sie lieber nur ein Jahr, in dem sie jeden Tag ein Lächeln geschenkt bekommt, und ein vertrautes Gesicht sieht, mit vollständiger Mimik, vollständigen Gefühlen → muss ich irgendjemandem erklären, was das menschliche Gesicht für die menschliche Seele bedeutet?
- jeder kann ahnen, was die auf Dauer gestellte Maskierung den alten Menschen antut, von Kleinkindern, die in eine solche Normalität hineinwachsen, ganz zu schweigen.
Eine Insel der Verhältnismäßigkeit
- ich halte einen optimierten schwedischen Weg für vertretbar → für mich ist es einigermaßen ermutigend, zu wissen, dass es irgendwo auf diesem durchgeknallten Planeten noch eine Insel der Verhältnismäßigkeit gibt
- die Schweden sind als Volk wohl generell erwachsener und stabiler → das, was Erich Fromm den Sozialcharakter nannte, ist hier in sich gefestigter, weniger anfällig für emotionale Extreme
- eine gereifte Bürgerlichkeit → solche Bürger kann man in eigener Verantwortlichkeit handeln und leben lassen
Und nun? Was tun?
- Buch „Was tun?“ von David Engels lesen und den größeren Zusammenhang sehen → Dekadenz des Westens, Niedergang der politischen Vernunft, Abbau des abendländischen Menschentums
- Phänomene wie die Corona-Hysterie offenbaren die Schwächen einer degenerierten Kultur → es ist die überschießende Reaktion im letzten Aufbäumen eines mehrfach vorerkrankten Gesellschaftskörpers
- dazu kommen immer öfter Autoimmunreaktionen, bei denen das Eigenste und Innerste als Feind missverstanden wird
- die abendländischen Kulturen → entseelt, gemästet, übersättigt, geistig verflacht, emotional zugleich abgestumpft und überreizt. Verpöbelt und gekünstelt. Denaturiert und dekultiviert
- nicht mehr im Sinne echter Bürgerlichkeit, sondern im Sinne bloßer Mitgliedschaft in einem zusammenhangslosen Verband
- ein Staat, der keinerlei Ziel hat, keinen Sinn außer sich zu erhalten als kapitalistisches Konsumentenkollektiv → verbrämt und dekoriert mit kitschigem Moralismus
- David Engels Antworten → Rückzug, Rückbesinnung auf das Wesentliche, Warten bis es vorbei ist, Rettungsinseln schaffen, auf denen die abendländische Kultur die finstere Zeit überdauern kann
- aufs Land ziehen, mit Gleichgesinnten ein System der Selbstversorgung errichten, den Irrsinn, der irgendwann in Katastrophen und kriegsähnlichen Wirren münden muss, sich austoben lassen. Der historischen Konsequenz ihren Lauf lassen.
- Aufbau einer „alternativen Öffentlichkeit“ → ist immer noch viel zu schwach, um all jene zu erreichen, die nicht aktiv nach ihr suchen
- vielen Menschen ist nicht recht wohl in dem Gefühl, einer oppositionellen Minderheit anzugehören → sie fremdeln daher mit so ungewohnten Medien wie etwa der „Achse des Guten“
- eine echte alternative Öffentlichkeit muss eine positive Parallelwelt erschaffen → jetzt schon aus einer Position der vorweggenommenen Hegemonie der Vernunft agieren
- so produzieren, als seien sie in der Mehrheit → Reaktion ist zu wenig
- wer immer nur reagiert, korrigiert, polemisiert, der akzeptiert, dass diese systemkonformen Medien die legitimen Vermittler der Realität sind → er bestätigt ihre Macht
- vorerst setzt die Tagesschau noch immer die Nulllinie der Normalität, die Talkshows kalibrieren das öffentliche Klima → wer über das Heute-Journal gebietet, beeinflusst maßgeblich das alltägliche Weltgefühl der Menschen
- andere Tagesthemen auswählen, eine andere Realität mit neuen und besseren Spielregeln erschaffen → eine Öffentlichkeit herzustellen, für die das Zeitalter Anne Wills und Anja Reschkes schon vergangen ist und keine Rolle mehr spielt
- Indubio ist ein Anfang. Der Talk im Hangar ist ein Anfang → viele begeisterte, idealistische Amateure wagen Anfänge. Aber es muss mehr, viel mehr kommen
- die Corona-Situation zeigt, was die Menschen von der Realitätsvermittlung der Systemmedien zu halten haben → hier liegt Potenzial, das organisiert und genutzt werden muss
- die mentale Wirklichkeit, in welche die Menschen ihr Bewusstsein täglich einzupassen versuchen, ist eine hochgradig konstruierte → man könnte sie besser konstruieren: menschlicher, wahrhaftiger, unideologischer, komplexer, authentischer, naturgemäßer, schöner
- Probleme vom „Corona“-Typus werden nicht gelöst → sie verschwinden dadurch, dass man sie nicht mehr für ein Problem hält
© Marcus J. Ludwig 2020.

