Freitag, 7. August 2020

Satire

  •  Das Merkwürdige und Entsetzliche ist, dass ich nicht mehr unterscheiden kann, was Satire ist und was echt:
Ich habe hierrüber lange nachgedacht, bis ich dann (dpo) sah statt (dpa).

Ich hörte, dass ab Oktober die Schulen geschlossen werden, weil dann eine Grippewelle erwartet wird und man Corona ja von einer Grippe nicht unterscheiden kann. Da muss ich jetzt auch mal drüber nachdenken.


 
Ich begreife die SZ nicht: heute dieser Artikel von Prantl. Sie hetzen und geifern seit Monaten gegen jede Kritik an der Regierung und dann das: 08.08.2020 Meinungsseite

Kirchenleere

Ruhe war erste Bischofspflicht in der Corona-Krise: Die Religionsgemeinschaften haben den „Abstand“ zur neuen Form der Nächstenliebe erklärt. Das ist fatal.

Von Heribert Prantl

"Kein Weihwasser! Wegen Coronavirus!“ Der Zettel mit dieser Aufschrift liegt im entleerten Weihwasserbecken des katholischen Gotteshauses. Er benennt das Elend der Kirchen in Corona-Zeiten. Er ist überflüssig, weil ohnehin jeder weiß, was los ist; er ist aber bezeichnend in seiner Hilflosigkeit und seinem Paternalismus. Kein Weihwasser wegen Corona. Kein. Kein. Kein.

  Kein: Das war das kirchliche Wort zu Corona. Kein Weihwasser. Kein Gottesdienst. Kein Ort, an dem man inne- und zusammenhalten kann. Keine Nähe. Kein Singen. Hausbesuche nur in Ausnahmefällen. Für all das gibt es gute Gründe. Aber die guten Gründe ersetzten und ersetzen nicht, was fehlt. Keine Begegnung. Wenig Trost. Alte mussten ihre letzten Lebenswochen ohne ihre Angehörigen verbringen. Sterbende mussten allein in den Tod gehen. Es gab einzelne Pfarrer, die sich gegen die Isolation der Todkranken und der Alten aufgelehnt, es gab einzelne Geistliche, die sich gegen die Behördenwillkür bei Beerdigungen gewehrt haben. Die Bischöfe haben es nicht getan. Hat man etwas davon gehört, dass sich der Bischof von Münster hinter seinen Pfarrer Peter Kossen gestellt hätte? Der hat schon lange vor dem Tönnies-Skandal gegen die schweinischen Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie demonstriert. Auch so kann Nächstenliebe aussehen. Aber Ruhe war erste Bischofspflicht in der Krise.

  Die Kirche soll an der Seite der Leidenden stehen. Immer und immer wieder wird in der Bibel von den „Mühseligen und Beladenen“ geredet, die „erquickt“ werden sollen. In der Corona-Krise haben die Kirchen diesen Auftrag dadurch zu erfüllen versucht, dass sie sich an die Vorgaben des Staats sehr beflissen gehalten haben. Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, befand: „Das ist die Konsequenz des Doppelgebotes der Liebe: Gott lieben und den Nächsten lieben. Wir würden unsere Botschaft konterkarieren, wenn wir uns anders verhalten würden.“ Reicht das? Besteht darin Erquickung?

  Und wenn man sich in einer Mischung von Vernunft, Angst und Unsicherheit entscheidet, sich den Regeln zu unterwerfen – sollte man dann nicht wenigstens beklagen, welche Lieblosigkeit das für die vielen bedeutet, die so alleingelassen werden? Stattdessen haben die Kirchen den Abstand zur neuen Form von Liebe umdefiniert. Wenn die Kirchen sonst nichts tun können, dies doch: laut über die Härten klagen und den Betroffenen Stimme geben. Es ist Trost, Trostlosigkeit offenzulegen und nicht Pflaster darüberzukleben.

  Am Infektionsschutzgesetz haben sich die Kirchen in den vergangenen Monaten mehr abgearbeitet als an ihrer Heiligen Schrift. Sie haben sich in der Krise kleingemacht. Sie haben nicht protestiert, als die Sterbenskranken in den Kliniken einsam und allein sterben mussten. Sie haben sich nicht empört, als die Alten in den Pflegeheimen isoliert wurden. Man war auch ergeben und duldsam, als zur Osterzeit die Baumärkte für ihre Geschäfte geöffnet haben durften, aber nicht die Kirchen für ihre Gottesdienste. Man war damit beschäftigt, sich im Baumarkt mit Flatterband auszurüsten, um die Kirchbänke vor Besuchern zu sichern und Richtungspfeile auf den Boden zu kleben. Man hat Weihwasserbecken ausgeleert, Anwesenheitsformulare für Kirchenbesucher entworfen und darüber philosophiert, ob man die Kommunion mit oder ohne Handschuhe austeilt. Die Pfarrer, die mehr tun wollten, wurden scheel angeschaut. Herrgott! Ist solche Kriecherei der Preis, den die Kirche für das Staatskirchenrecht, die Kirchensteuer und sonstige Alimentierung zahlt? Ist die Freiheit der Kirche durch die Zwänge des Sozialmarkts so geschrumpft?

  Persönlicher Beistand wurde der Pandemie geopfert. Sterbebegleitung funktioniert aber nicht auf digitale Weise. Schuldnerberatung, Suchthilfe und Schwangerschaftskonfliktberatung geraten am Telefon schnell an ihre Grenzen. Es sei nicht die Zeit für Aufsässigkeit, sagte der Ratsvorsitzende der Protestanten. Er glaube nicht, dass morgen die Diktatur ausbreche, sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Es sind dies Sätze der Beschwichtigung. Es gab Seelsorger, die den Zugang zu Pflegeheimen vor Gericht eingeklagt haben. Wie wäre es gewesen, wenn das ein Kardinal getan hätte? Wo war die laute Stimme der kirchlichen Wohlfahrtsverbände in der Corona-Krise? Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie, hat sich gegen solche Kritik verwahrt: Man habe doch die Lage der Ärmsten „thematisiert“ und eine Debatte über die Balance von Infektionsschutz und Freiheitsrechten in Altenheimen „eingefordert“. Man hätte sie nicht einfordern, sondern führen sollen.

  Kirchen waren immer die Orte, an denen die tiefsten Regungen ihren öffentlichen Platz hatten: Angst, Schuld, Trauer, Verzweiflung, Liebe und Glück. In der Corona-Krise haben die Kirchen sich der ernüchternden Wirklichkeit ergeben. Wo blieb die Hoffnung, wo wenigstens der Widerstand gegen die Hoffnungslosigkeit? Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das ist in normalen Zeiten ein beliebter Predigtsatz. Er gilt erst recht in unnormalen Zeiten. Der Mensch lebt von Gottes Wort, sagt Jesus; von Wort und Berührung. Die Frau im Altersheim: lebt vom Besuch des Sohnes. Der Mann im Krankenhaus mit seiner Krebsdiagnose: lebt vom tröstenden Gespräch. Die trauernde Tochter: lebt vom Hören der letzten Atemzüge der Mutter. Ohne das kann ich nicht weiterleben, sagen diese Menschen. Haben die Kirchen diese Wahrheit ernst genommen, als beim Lockdown ohne Wimpernzucken die persönliche Begegnung vermieden wurde?

  „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wie viel Selbstliebe war im Spiel, als Nächstenliebe zu Social Distancing umgedeutet wurde? War das die gebotene Vernunft oder die Angst vor der eigenen Ansteckung, die sich als Verantwortung tarnte? Offene Fragen. Glaube ist der Versuch, in der Wahrheit zu bleiben.

Heribert Prantl ist Kolumnist und Autor der Süddeutschen Zeitung

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Faschismus beginnt im Kopf

… aber nicht mit einem lauten Knall sondern als schleichender Prozess.

Ein Standpunkt von Peter Frey.
 
 
 
 
 
  • die Fasces, das Rutenbündel →  symbolisiert die Zusammenballung von Macht in immer weniger Händen, was logischerweise einhergeht mit der Auflösung von Balancen
  • der latente Faschismus in uns selbst  → ein Wesenszug der unter passenden Umständen geweckt werden kann
  • Dem Schriftsteller Ignazio Silone wird das folgende Zitat zugeschrieben:
 „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“  
  • "Nur Nazis tragen keine Masken"  → der Faschismus im Kopf, aktiv ausgelebt, aber sprachlich als „guter“, als verpflichtender Antifaschismus deklariert
  • die schleichende Einführung der systemischen Strukturen des Faschismus  → wir führen Befehle aus, weil wir unsere Ruhe haben wollen, und zunehmend treffen wir auf Menschen, die übergriffig werden, die Befehle erteilen, sich anmaßen, die sich machtbewusst verhalten
  • meine inzwischen hochbetagte Mutter hat noch das Grauen des Zweiten Weltkrieges erlebt → sie überraschte mich mit der Preisgabe bestimmter Ängste vor der Wiederkehr eines totalitären, faschistisch geprägten Staatswesens
  •  es sei die Art und Weise der politischen Berichterstattung in den Medien, was ihre Ängste begründete:
    • die Berichterstattung der Massenmedien ist mittlerweile auf einen Grad von offensichtlicher Desinformation und Manipulation angestiegen, dass dies selbst dem „normalen“ Medienkonsumenten auffällt
    • wir werden über Gefühle nicht nur betrogen und manipuliert, sondern können dies auch spüren, ohne es bereits rational erklären zu können
  • meine Mutter hat das schlimme Gefühl, „die da oben“ seien unbedingt daran interessiert, dass dieser derzeitige „unnormale Zustand“ niemals mehr aufhört
  •  ihre hier dargelegten Einsichten hat sie sich selbst erarbeitet → sie hat in den vergangenen Monaten immer wieder ehrlich in sich hineingehorcht, auf die Gefühle geachtet, welche von der Politik und den Medien angestoßen werden
  • Massendemonstrationen sind in faschistischen Systemen nur als Massenaufmärsche gewünscht, befüllt mit den Themen, die von den Herrschenden freigegeben werden → derzeit diskutieren führende deutsche „Demokraten“, ob das Recht auf Meinungsfreiheit im öffentlichen Raum nicht auf das herrschaftsdienliche Maß zurechtgestutzt werden kann
  • die Blockwartmentalität zur Umsetzung angeblicher Hygieneregeln — denn es sind in Wirklichkeit Krankmach-Regeln — ist nichts anderes, als das Gerüst, welches das Dritte Reich zusammengehalten hat → das wird von Politik und Medien schon lange systematisch geschürt 
  • das Ausmachen und Brandmarken von „Volksschädlingen“ → wer keine Maske trägt ist unsolidarisch, egoistisch und geht über Leichen
  • begründen muss man das alles nicht → die Propagandawalze hat in den Köpfen vieler Menschen die Wahrheit über Gesundheit und das was ihr schadet oder gut tut, in einem Meer von Lügen ersäuft
  • Machtsysteme leben von der Fokussierung auf immer neue Feindbilder → im nationalsozialistischen Deutschland waren es die jüdischen Menschen die als Feindbild herhalten mussten 
  • alle Feindbilder sind nur skrupellos verwendete Werkzeuge, Mittel zum Zweck → entscheidend ist, von den eigentlich angestrebten Zielen abzulenken
  • wer uns nicht in Angst versetzt, hat auch keine Macht über uns → wenn wir unsere Ängste verarbeiten können, ist die Chance äußerst gering, dass sich in unserem Innern die Büchse der Pandora, der Geist des Faschismus öffnet
  • wir müssen auch unseren Opportunismus überwinden → sonst werden wir sehr schnell eine Situation erleben, die jenen letzten Jahren der Weimarer Republik ähnelt: eine Zeit, die von Notstandsverordnungen und einer systematischen Aushöhlung der Demokratie geprägt war
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