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Dr. Daniele Ganser: Können wir den Medien vertrauen? (Basel 3.3.2018)
Können wir den Medien vertrauen? Diese Frage stellte der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser in seinem 60 Minuten langen Vortrag in Basel am 3. März 2018. Ganser betont, dass es sehr wohl gute Journalisten gibt. Es gibt keinen Grund umfassend allen Medienberichten zu misstrauen. Aber die Zeit, in der man den Medien blind vertraute, sei vorbei, so Ganser. Denn es gibt immer wieder Manipulationen, Verdrehungen, Lügen und Kriegspropaganda in den Medien. Ganser rät beim Medienkonsum wachsam zu sein und stets die eigenen Gedanken und Gefühle zu beobachten. Was wird auf der Ebene der Gedanken und Gefühle ausgelöst, wenn ich dieses lese oder jenes sehe? Daniele Ganser präsentiert im Vortrag konkret 11 Mediengeschichten und fordert jedesmal das Publikum dazu auf, den Blick nach innen zu richten, um zu erkennen, was die Geschichten für eine Wirkung haben.Dies sind die elf Geschichten:
1) In Frankreich hat 2007 die Zeitung "Paris Match" das Bild von Präsident Sarkozy im Kanu manipuliert.
2) In Grossbritannien hat 1997 die Zeitung "Mirror" das Diana-Bild manipuliert, um einen Kuss mit Dodi vorzutäuschen.
3) In der Schweiz hat 1997 die Zeitung "Blick" das Bild zum Luxor-Terroranschlag manipuliert und eine Wasserlache rot eingefärbt, so dass diese wie Blut aussah.
4) In den USA hat 2015 die Zeitung "New York Times" das Bild der Politiker, welche nach dem Pariser Terroranschlag auf einer Seitenstrasse demonstrierten, unfair geschnitten, so dass es aussah, als ob die Spitzenpolitiker sich unter das Volk gemischt hätten.
5) In Israel hat 2015 die Zeitung "HaMevaser" Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Paris-Bild geschnitten.
6) In Deutschland hat 2012 das ZDF das Homs-Video falsch zugeordnet.
7) Weltweit hat Facebook 2016, während dem US Wahlkampf, die falsche Geschichte verbreitet der Papst unterstütze Präsident Trump.
8) In Deutschland hat 2003 die Zeitung "Bild" im Vorfeld des Irakkrieges behauptet, Saddam Hussein habe ABC Waffen, was falsch war.
9) In Grossbritannien hat 2003 die Zeitung "Sun" behauptet, dass Bin Laden mit Saddam Hussein kooperiere, was gelogen war.
10) In Grossbritannien berichtete BBC am 11. September 2001, während den Terroranschlägen, zu früh über den Einsturz von WTC7.
11) In der Schweiz hat 2018 die "Aargauer Zeitung" unfair über diese Tagung im Scala Basel berichtet, noch bevor die Veranstaltung überhaupt begann.
Am Schluss bedankt sich Daniele Ganser noch bei dem deutschen Journalisten Ken Jebsen (vom Presseportal KenFM) und dem Geographen Rainer Rothfuss für ihren Mut und die gute Zusammenarbeit und bittet beide auf die Bühne. Alle drei blicken mit Freude zurück auf den Tübinger Vortrag "Medial vermittelte Feindbilder und die Anschläge vom 11. September 2001 - Vortrag von Daniele Ganser", der auf YouTube inzwischen die 1Millionen-Views-Grenze überschritten hat.
Die größte Show der Welt
Mit Unterstützung der Leitmedien kaschieren die USA ihre Kriegsverbrechen wie kein anderes Land. Exklusivabdruck aus „Imperium USA“ von Daniele GanserZUSAMMENFASSUNG:
- die westliche „Wertegemeinschaft“ misst mit zweierlei Maß → die USA, die kriegerischste Macht nach dem Zweiten Weltkrieg, stehen als wohlwollende, moralisch integre Schutzmacht da
- wenn Russland, Nigeria oder China die Länder Afghanistan, Pakistan und Irak angegriffen hätten→ eklatanter Verstoß gegen das UNO-Gewaltverbot
- die USA tötet im Irakkrieg 2003 mehr als 1 Million Iraker, es gibt 300.000 Toten in Afghanistan und Pakistan weil die USA gegen diese beiden Länder seit 2001 Krieg führt
- US-Kriegspropaganda → viele Journalisten folgen den Erklärungen der US-Präsidenten und verbreiten das Narrativ „Krieg gegen den Terror“
- Leitmedien haben immer wieder für Kriege getrommelt und gleichzeitig die vielen Opfer des US-Imperialismus verschleiert.
- die Terroranschläge vom 11. September 2001 → die Geschichte von Präsident George Bush Junior wurde ohne Prüfung blind an die Massen weitergegeben, die Sprengung von WTC7 wurde vertuscht
- Leitmedien wie die New York Times verbreiteten die Lüge von den Massenvernichtungswaffen im Irak→ später stellte sich heraus, dass es keine ABC-Waffen im Irak gab, US-Außenminister Colin Powell entschuldigte sich später für die Kriegspropaganda, die er vor der UNO in New York vor dem Krieg verbreitet hatte, und erklärte 2005, er fühle sich „furchtbar“, dass er damals die ganze Welt angelogen habe
- Harold Pinter, 2005, Nobelpreis für Literatur:
„In diesen Ländern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja. Es hat sie gegeben, und sie sind der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber davon weiß man natürlich nichts. Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemanden. Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen. Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt. Ich behaupte, die Vereinigten Staaten ziehen die größte Show der Welt ab, ganz ohne Zweifel. Brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos, aber auch ausgesprochen clever." - „Die Geschichte des Westens ist eine Geschichte brutaler Gewalt und großer Heuchelei“, erklärt auch der mutige deutsche Journalist Jürgen Todenhöfer, der viele Kriegsschauplätze besucht und vor Ort mit den betroffenen Menschen gesprochen hat. „Nirgendwo auf der Welt kämpft der Westen für die Werte seiner Zivilisation. Sondern ausschließlich für seine kurzsichtigen Interessen. Um Macht, Märkte und Moneten. Oft mit terroristischen Methoden. Die Leiden anderer Völker und Kulturen interessieren ihn nicht."
- der Psychologe Rainer Mausfeld, Universität Kiel → beim Meinungsmanagement wird neben dem ständigen Wiederholen von Kernbotschaften auf Fragmentierung und Dekontextualisierung gesetzt
- Fakten werden in Fragmente zerlegt, sodass für den Beobachter kein Sinnzusammenhang mehr entsteht → dadurch kann man Fakten auflösen oder unsichtbar machen
- Informationen werden aus ihrem Kontext, also Sinnzusammenhang gerissen (z.B. verschweigen, was zuvor passierte) → zudem werden die Fakten in einen neuen Kontext gesetzt, also rekontextualisiert
- Kriege sind dann plötzlich nicht mehr abscheulich und grausam, sondern ein notwendiges Übel um das Böse zu bekämpfen
- die USA sind seit dem Zweiten Weltkrieg durch Angriffe auf andere Länder für den Tod von 20 bis 30 Millionen Menschen verantwortlich
- durch Fragmentierung und Rekontextualisierung als ‚Kampf für Demokratie und Menschenrechte' werden Verbrechen dieser Größenordnung sowie ihre geschichtliche Kontinuität für die Öffentlichkeit nahezu unsichtbar
- die Menschen in Nordamerika und Europa werden täglich mit News, Sport, Werbung und einer Flut von oft unnützen Informationen zugeschüttet → viele fühlen sich daher über alles Wesentliche unterrichtet
- Mausfeld: „Die Bürger, die beim Frühstück die Süddeutsche Zeitung lesen, nachmittags in Spiegel Online schauen und sich abends die Tagesschau ansehen, sind im Gefühl umfassender Informiertheit so selbstzufrieden, dass sie die Krankheit, an der sie leiden … nicht einmal mehr erkennen können“. → die Krankheit ist die Illusion des Informiertseins
- wer auf Deutsch liest, hat rund 80 Medienmarken zur Auswahl, darunter Leitmedien wie ARD, ZDF, Spiegel, Neue Zürcher Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit und Frankfurter Allgemeine Zeitung.
- alternative Medienmarken: Rubikon, KenFM, Nachdenkseiten, Free21, Cashkurs, Sputnik, RT Deutsch, Telepolis und Infosperber → Medien-Navigator von Swiss Propaganda Research
(1) Ray McGovern: Wir haben keine freie Presse mehr. Hintergrund 9. September 2014
(2) Powell Calls His U.N. Speech a Lasting Blot on His Record. New York Times 9. September 2005
(3) Harold Pinter: Kunst, Wahrheit & Politik — Nobelvorlesung, 7. Dezember 2005. Free21 14. Februar 2018
(4) Jürgen und Frederic Todenhöfer: Die Grosse Heuchelei. Wie Politik und Medien unsere Werte verraten, Ullstein 2019, Seite 314
(5) Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören, Westend-Verlag 2018, Seite 40 und 42
(6) Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer?, Westend-Verlag 2018, Seite 33
(7) Vergleiche: Medien-Navigator auf Swiss Propaganda Research: www.swprs.org
Meine Sicht als Pflegefachfrau zu COVID - 19
ZUSAMMENFASSUNG:- Aufruf, dass sich möglichst alle Pflegenden für den Dienst der Corona Patienten zur Verfügung stellen sollen. Auch diejenigen die aktiv nicht mehr in der Pflege arbeiten
- Corona Triage Station wurde geschlossen wurde, weil zu wenig Patienten zur Abklärung da waren (Ende März)
- kein Bedarf an zusätzlichem Pflegepersonal auf der Intensivstation, Corona Pflegepool: keine einzige Anfrage
- seit Beginn der ganzen Krise war in den Krankenhäusern eher wenig Arbeit
- was allerdings nachher auf die Pflege zu kommt, wenn nun alle versäumten Operationen und Arztkonsultationen nachgeholt werden müssen, daran darf ich gar nicht denken
- in der Altenpflege versterben jedes Jahr viele Menschen an der Grippe, es kam bisher niemandem in den Sinn, diese Leute mit über 80 auf eine Intensivstation zu verfrachten, wo sie einsam versterben, mir ist kein Fall bekannt wo ein über 80 jähriger Mensch wegen Grippe oder Lungenentzündung auf die Intensivstation verlegt wurde
- würde man jedes Jahr alte Menschen mit Grippe oder Lungenentzündung auf die IPS verlegen, dann wären die Stationen jedes Jahr überlastet
- was ich jetzt sehe, sind alte Menschen, die in die Depression rutschen vor lauter Einsamkeit und sich wünschen, sie könnten sterben. Menschen deren Vitalzeichen aufgrund der aktuellen Stresssituation alarmieren sind. Erhöhte Pulsfrequenzen, Bluthochdruck und Depressionen, teils mit übermässigen Alkoholkonsum, weil sie die aktuelle Situation nicht ertragen können.
- was ich verlange ist, dass die neusten Studien zu einer Neubeurteilung der Lage beigezogen werden. Ich mag keine Medien mehr lesen, geschweige denn schaue ich noch Schweizer Fernsehen. In der Pflege sieht das Ganze komplett anders aus, als in den Medien berichtet wird.
- ich nehme regelmässig an Fachwebinaren mit Medizinern zu Corona teil. Es hat mir geholfen von der Sicht der Medien - und damit aus dem Strudel der Negativschlagzeilen und der für mich unrealen Berichterstattung - wegzukommen. Eine reine Wohltat!
Proteste gegen Maßnahmen -Tausende bei Demos gegen Corona-Regeln
3000 Teilnehmer in München
Auf dem Marienplatz in München protestierten rund 3000 Menschen gegen die aus ihrer Sicht zu strikten Infektionsschutzbestimmungen in Bayern und Deutschland. Die Demonstration sei angemeldet gewesen, allerdings nur für 80 Teilnehmer, wie die Polizei bei Twitter mitteilte. Das Einhalten des Mindestabstands sei dadurch nicht mehr möglich gewesen.
Die Polizei habe mit Lautsprecherdurchsagen versucht, auf die Einhaltung der Bestimmungen zu dringen, sagte ein Sprecher. Trotz Missachtung der Ansagen habe man aus Gründen der Verhältnismäßigkeit die Demonstration laufen lassen und sie nicht aufgelöst. Eine zeitgleich stattfindende separate Demonstration rechtsgerichteter Menschen mit etwa 25 Personen sei dagegen aufgelöst worden.

