Dienstag, 7. April 2020

Wittkowski

aus: Vitalstoff.Blog

»Ich werde nicht von der Regierung bezahlt und kann Wissenschaft betreiben«

Knut M. Wittkowski war 20 Jahre Professor an der New Yorker Rockefeller University. Er ist Experte für die Ausbreitung von Epidemien. Bereits in den 1980er Jahren hat sich Wittkowski einen Namen gemacht und die wissenschaftlich angreifbaren politischen Vorgaben gegen HIV/AIDS im Freistaat Bayern kritisiert. Nun meldet sich Professor Wittkowski mit geharnischter Kritik am Handling der Corona-Krise durch die Politik zu Wort. Die restriktiven Maßnahmen würden den Schaden durch das Virus vergrößern, weil sie die Epidemie unnötig und gefährlich in die Länge ziehen, sagte Wittkowski in einem viel beachteten Interview zu den Perspektiven der Pandemie. Wir dokumentieren das Gespräch im Wortlaut.

John Kirby, Libby Handros und Lee Davis. The Press and the People Project (TPPP): wenn Sie uns einfach Ihren Namen und ein wenig über Ihren Hintergrund mitteilen könnten

Prof. Dr. Knut Wittkowski: Mein Name ist Knut Witkowski. Ich war 20 Jahre lang an der Rockefeller-Universität als Leiter der Abteilung für biostatistische Epidemiologie und Forschungsdesign tätig. Davor habe ich 15 Jahre lang mit Klaus Dietz, einem der weltweit führenden Epidemiologen, in Tübingen an der Eberhard-Karls-Universität gearbeitet.

TPPP: Sie haben Empfehlungen gegeben, wie man am besten mit Covid-19 umgehen sollte. Könnten Sie mit einfachen Worten erzählen, was Sie geschrieben haben?

Professor Wittkowski: Wie bei jeder Atemwegserkrankung sollten wir die älteren und schwachen Menschen schützen, denn wenn sie eine Lungenentzündung bekommen, haben sie ein hohes Risiko, an der Lungenentzündung zu sterben. Dies ist eines der Hauptprobleme, das wir im Auge behalten sollten. Auf der anderen Seite kommen Kinder sehr gut mit diesen Krankheiten zurecht. Ihre evolutionäre Entwicklung ist darauf ausgelegt, im Laufe ihres Lebens allen möglichen Viren ausgesetzt zu sein. Deshalb sollten sie weiterhin zur Schule gehen und sich gegenseitig anstecken, was zur Herdenimmunität beiträgt. Das würde wiederum bedeuten, dass die älteren Menschen nach spätestens vier Wochen anfangen könnten, ihre Familie wieder zu treffen, denn dann wäre das Virus ausgelöscht worden.

TPPP: Sie haben in dem Artikel erwähnt, dass Sie glauben, dass eine Eindämmung (Containment) die Dauer des Virus bei allen Atemwegserkrankungen tatsächlich verlängern würde. Das Einzige, was die Krankheit aufhält, sei die Herdenimmunität.

Wittkowski: Etwa 80% der Menschen müssen mit dem Virus in Kontakt gekommen sein, und die Mehrheit von ihnen wird nicht einmal bemerkt haben, dass sie infiziert waren, oder sehr, sehr milde Symptome hatten, besonders die Kinder. Daher ist es sehr wichtig, dass die Schulen geöffnet bleiben und Kinder sich gegenseitig infizieren, um das Virus zu verbreiten, damit so schnell wie möglich eine Herdenimmunität entsteht. Danach können dann die älteren Menschen, die zuvor isoliert und geschützt werden sollten, Pflegeheime sollten während dieser Zeit geschlossen werden, nach diesen vier Wochen können sie ihre Kinder und Enkelkinder wiedersehen, wenn das Virus ausgerottet ist.

TPPP: Was halten Sie also von der Politik, die in den Vereinigten Staaten und in England in den meisten Ländern der Welt betrieben wurde, von dieser Politik der Eindämmung und Ausgangssperren usw. Was halten Sie davon?

Wittkowski: Nun, man versucht, die Kurve abzuflachen. Ich verstehe nicht, warum. denn, wenn man die Kurve abflacht, verlängert man sie auch, verbreitert sie. Sie erstreckt sich über längere Zeit. Und ich sehe keinen guten Grund dafür, dass man eine Atemwegserkrankung länger als nötig in der Bevölkerung hält.

TPPP: Was sagen Sie den Leuten, die sagen, dass wir einfach nicht über die Letalität dieses Virus Bescheid wussten, und dass es daher das Klügste war, im Grunde genommen das zu tun, was wir getan haben: alle Menschen einzusperren, weil wir soetwas noch nicht erlebt haben?

Wittkowski: Oh, wir hatten schon früher andere SARS-Viren. also Coronaviren. Es ist nicht das erste Coronavirus, das ausbricht, und es wird auch nicht das letzte sein. Für alle Atemwegserkrankungen haben wir den gleichen Typ von Epidemie: wenn man es in Ruhe lässt, kommt es zwei Wochen lang, dann hat es seinen Höhepunkt und geht zwei Wochen lang. Danach ist dann wieder weg.

TPPP: Sie haben gesagt, die Pandemie sei vorbei. Was meinen Sie damit?

Wittkowski: In China gibt es keine neuen Fälle mehr, und auch nicht in Südkorea. In Europa beginnen die Zahlen der neuen Fälle bereits zu sinken. Das Virus kam später in die USA, so dass wir hier vielleicht einen Anstieg in diesen Tagen sehen und dann ein Abklingen innerhalb der nächsten Wochen sehen, und wenn wir sehen, dass die Fälle nicht dramatisch ansteigen, bedeutet das, dass die Zahl der Neuinfektionen bereits erheblich zurückgegangen ist und vor etwa einer Woche ihren Höhepunkt erreicht hat.

TPPP: Vertrauen sie den chinesischen Statistiken, dass die Epidemie dort zu Ende geht?

Wittkowski: Ja die Epidemie dort ist vorbei, denn sonst würden wir von Menschen erfahren. Selbst in China ist es heute sehr schwierig, Informationen unter der Decke zu halten. Wenn es viele Fälle in Krankenhäusern gäbe, wenn die von ihnen gebauten Krankenhäuser, die provisorischen Krankenhäuser, noch voll wären, würden wir davon hören. Das kann man nicht mehr unterdrücken.

TPPP: Während einer Pressekonferenz gestern sagten Dr. Fauci, und Präsident Trump und der Rest der versammelten Menschen, dass mehr als 2 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten gestorben wären, wenn sie nicht die Eindämmungsstrategie, durchgeführt hätten. Was halten Sie von dieser Zahl?

Wittkowski: Nun, ich werde nicht von der Regierung bezahlt und habe daher das Recht, tatsächlich Wissenschaft zu betreiben! Wenn die Regierung nicht interveniert hätte, wäre die Epidemie wie jede andere Atemwegskrankheitsepidemie jetzt vorbei.

TPPP: Und wie viele wären Ihrer Einschätzung nach gestorben? Wären es so viel gewesen?

Wittkowski: Okay, nehmen wir realistische Zahlen: in den Vereinigten Staaten, haben wir etwa 25.000 Fälle pro Tag, unser Krankenhaussystem müsste jeden Tag 2.500 Patienten behandeln, und zwar für einen bestimmten Zeitraum, der drei oder vier Wochen dauern könnte, und dann wird die Zahl wieder dramatisch sinken und die ganze Epidemie wird vorbei sein.

TPPP: und wie viele von den hospitalisierten Fällen würden Ihrer Einschätzung nach sterben?

Wittkowski: Zwei Prozent werden sterben…

TPPP: Zwei Prozent der hospitalisierten Fälle?

Wittkowski: Von allen Fällen…

TPPP: Von allen symptomatischen Fällen?

Wittkowski: von allen symptomatischen Fällen. Es werden zwei Prozent aller symptomatischen Fälle sterben, das sind zwei Prozent der 25.000 pro Tag. Das sind also 500 Menschen pro Tag, und das wird über vier Wochen hinweg geschehen. Es könnten also bis zu 10.000 Menschen sein. Nun, das ist vergeleichbar mit der normalen Zahlen von Grippefällen. Wir haben in den Vereinigten Staaten etwa 35.000 Todesfälle aufgrund von Grippe jedes Jahr während der Grippesaison. Das wäre also Teil der normalen Situation während der Grippe-Saison.

TPPP: Werden in diesem Jahr Todesfälle durch Grippe gemeldet, oder ist alles nur Corona? Gibt es Statistiken über die Todesfälle durch Grippe?

Wittkowski: Ja, es gibt eine Statistik über die Grippetodesfälle. Sie liegt derzeit bei etwa 10.000 – 12.000. Zusammen mit den Corona-Todesfällen handelt es sich also um eine normale Grippesaison.

TPPP: Basieren Sie Ihre Schätzungen jetzt auf den neuesten verfügbaren Zahlen?

Wittkowski: Ja!

TPPP: Was erklärt dann die Tatsache, dass einige der Krankenhäuser stärker überlastet sind als in den vergangenen Grippesaisons? Und dass einige der führenden Politiker der Welt und die Nachrichtenmedien einfach verrückt spielen?

Wittkowski: Wie jeder weiß, wurden die Mittel für die Krankenhäuser in letzter Zeit nicht erhöht. Die Krankenhäuser mussten also kürzen, und deshalb müssen sie jetzt ihre Notfallpläne durchführen. Das ist aber nicht schlimm, denn das ist es, was sie seit Jahrzehnten planen. Wenn sie also nun einige Zelte im Central Park aufstellen müssen, ist das nicht das Ende der Welt. Die Zelte sind dort, sie werden sehr gut gewartet, und sie werden dort einige Wochen lang stehen, vielleicht drei oder vier und dann wird die Krise vorbei sein. Das ist keine Situation, über die nie jemand jemals nachgedacht hätte!

TPPP: Glauben Sie wirklich, dass es einen großen Mangel an Masken und solchen Dingen gibt? Masken und PSA und all das. Was denken Sie darüber? Warum sollte es einen Mangel an solchen Dingen geben?

Wittkowski: Die Leute werden jetzt verrückt, wissen Sie. Ähnlich wie mit dem Toilettenpapier.

TPPP: Ich kenne jemanden auf einer Kinder-Intensivstation an der New York University, der vor zwei Wochen sagte, dass plötzlich alle Masken und alle Handdesinfektionsmittel weg waren. Was glauben Sie, was dort passiert ist?

Wittkowski: Wie ich schon sagte, wie beim Toilettenpapier… hin und wieder kommt es zu Engpässen. Und wenn Sie jemanden haben, der berichtet, was an diesem Tag im Krankenhaus passiert, ist das möglich. Spiegelt es den Zustand des gesamten New Yorker Krankenhaussystems wider? Nicht unbedingt!

TPPP: Was denken Sie über die jünsgten Zahlen der Regierung, … Sie behaupten, dass aufgrund der Maßnahmen der sozialen Distanzierung zwei Millionen Todesfällen nicht eintreten, aber dass wir wahrscheinlich mit 150 bis 200 Tausend Todesfällen rechnen müssen. Sie sagten, dass es möglich ist, dass die Zahl niedriger sein könnte, wenn wir die soziale Distanzierung strikt befolgen. Was denken Sie über diese neue Schätzung?

Wittkowski: Ja, die soziale Distanzierung ist definitiv gut. Sie hat verhindert, dass der Himmel einstürzt!

TPPP: Sind Sie ironisch?

Wittkowski: Natürlich! Ich weiß nicht, woher diese Zahlen kommen. Sie sind völlig aus der Luft gegriffen! Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich diese Grippe grundlegend von jeder anderen Grippe unterscheidet. Wir wissen, was in China passiert ist. Wir wissen, was in Südkorea passiert ist, wir wissen, was in Europa passiert ist oder passiert. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich etwas von einer normalen Grippe unterscheidet. Höchstens eine, die etwas schwerer ist als andere Grippen, das mag sein.

Bei einer Atemwegserkrankung endet die Grippe im Frühling, wenn die Menschen mehr Zeit im Freien verbringen, weil sich die Viren im Freien nicht leicht verbreiten können. Das ist eine Form der Eindämmung! Mehr Zeit im Freien zu verbringen!

TPPP: Wir verbringen jetzt also mehr Zeit im Haus. Man hat uns gesagt, wir sollen ins Haus gehen. Hilft das nicht, das Virus im Umlauf zu halten?

Wittkowski: Gesund! Es hält das Virus gesund! Ja, das hält das Virus gesund!

TPPP: Also man den Rat geben, dass wir nach draußen gehen sollen?

Wittkowski: Ja, nach draußen zu gehen ist das, was jede Atemwegserkrankung stoppt!

TPPP: Aber die Leute werden sagen, dass der Grund, warum China am Ende aus dieser Situation glimpflich herauskam, der ist, dass sie sich so restriktiv vorgegangen sind. Was sagen Sie dazu?

Wittkowski: China hatte den Vorteil, dass sie anfangs nicht wussten, womit sie es zu tun hatten. deshalb haben sie lange gebraucht, um mit der Eindämmung oder der sozialen Distanzierung zu beginnen. Das ist für den Verlauf einer Epidemie gut, weil das Virus genügend Zeit hat, um die Herdenimmunität zu erreichen, bevor die soziale Distanzierung begann.

TPPP: Das ist es interessant, dass Sie das sagen. Neil Ferguson vom Imperial College London hat seine Schätzung der Zahl der Toten in England von fünfhunderttausend auf zwanzigtausend oder weniger geändert. Er sagt, dass dies auf die soziale Distanzierung zurückzuführen ist. Nun wissen wir aber, dass die Art und Weise, wie die soziale Distanzierung in England umgesetzt wurde, nicht sehr streng und nicht besonders effizient war. Bereits einen Tag nach Verhängung der Eindämmung verkündete er, dass es tatsächlich 20.000 oder weniger sein würden. Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass sich diese Zahl aufgrund des Socialen Distancing so verringert hätte?

Wittkowski: Nein! Und das können wir belegen mit wissenschaftlichen Daten!

Prof. Dr. Knut Wittkowski: Ich habe mich mit der von einigen geäußerten Behauptung auseinandergesetzt, dass in China und Südkorea die soziale Distanzierung erfolgreich zur Kontrolle der Epidemie beigetragen habe. Ich habe mir die Daten angesehen, wann man dort tatsächlich mit der sozialen Distanzierung begonnen hat. In China erreichte die Epidemie in der Zeit vom 1. bis 5. Februar ihren Höhepunkt. Aber die Schulen wurden erst am 20. Februar, also zwei Wochen später, geschlossen. In Südkorea haben wir ein ähnliches Muster: In Daegu, oder wie auch immer die Stadt ausgesprochen wird, die in der die Kirchengemeinde Shincheonji diesen Ausbruch hatte, wurde die Selbstisolierung erst am 23. Februar angeordnet, als bereits der Höhepunkt in dieser Stadt erreicht wurde. Die nationale Distanzierung wurde erst am 29. Februar angeordnet, aber das ist eine Woche später, als der nationale Höhepunkt eintrat! Sowohl in China als auch in Südkorea begann die soziale Distanzierung also erst lange, nachdem die Zahl der Infektionen bereits rückläufig war, und sie hat sich daher nur sehr wenig auf die Epidemie ausgewirkt. Das bedeutet, dass man dort bereits Herdenimmunität erreicht hatte, oder man stand kurz davor, die Herdenimmunität zu erreichen. Sie stand unmittelbar bevor. Aber durch die Anordnung der sozialen Distanzierung verhinderten sie, dass es tatsächlich zum Endpunkt kam, weshalb wir auch einige Wochen nach dem Höhepunkt noch immer neue Fälle in Südkorea sehen.

The Press and the People Program (TPPP): Sie sagten, man diese Viruserkrankung, weil sie über die Luft übertragen wird, nicht durch Rückverfolgung oder durch soziale Distanzierung bekämpfen kann. Können Sie erklären, warum das so ist?

Prof. Wittkowski: Eine Sache ist: Die Rückverfolgung bei einer durch die Luft übertragenen Krankheit ist sehr viel schwieriger als bei der sexuell übertragbaren Krankheit. Und, wie wir von AIDS wissen, ist das schon schwer genug. Die meisten Menschen werden wissen, mit wem sie in den letzten zwei Wochen Kontakt hatten, mit wem sie sexuellen Kontakt hatten. Als Mensch, der in der New Yorker U-Bahn reist und in New York andere Dinge tut, die man in New York einfach nicht vermeiden kann, ist es unmöglich zu sagen, wer die zwei-, drei-, vierhunderttausend Menschen sind, mit denen ich in den letzten zwei Wochen in Kontakt gekommen bin. Die Rückverfolgung von Kontakten ist für eine Atemwegserkrankung also faktisch unmöglich.

TPPP: Warum funktioniert die Eindämmung bei einer über die Atemwege übertragenen Krankheit nicht?

Wittkowski: Man kann die Ausbreitung einer Atemwegserkrankung innerhalb einer Familie nicht aufhalten, und man kann die Ausbreitung weder auf die Nachbarn noch bei Postboten oder Lieferanten verhindern. Auch nicht bei Ärzten, oder anderen Menschen. Der Mensch ist sozial, und selbst in Zeiten sozialer Distanz haben man Kontakte, und jeder dieser Kontakte könnte die Krankheit übertragen. Es lässt sich verlangsamen, und dann wird es keine Herdenimmunität aufbauen. Aber verhindern lässt sich die Ansteckung nicht. Und es wird unendlich andauern, wenn man die Infektion eindämmt.

TPPP: Die Frage liegt auf der Hand: Bedeutet das nicht, dass es einen Impstoff braucht?

Wittkowski: Es gibt keinen Impfstoff gegen die Erkältung. Wir haben einige Impfstoffe gegen die Grippe, aber sie sind nicht sehr wirksam. Wäre es schön, einen Impfstoff gegen SARS zu haben? Ja, das wäre schön. Es würde helfen, die Herdenimmunität etwas schneller zu schaffen, weil diejenigen, die den Impfstoff haben, bereits immun sind. Diejenigen, die nicht immun sind, müssen nur ausgesetzt werden, um immun zu werden.

TPPP: Sie könnten diese Immunität auf natürliche Weise bekommen?

Wittkowski: Aus irgendeinem Grund, den wir noch nicht ganz verstanden haben, hat die Menschheit alle möglichen Atemwegserkrankungen überlebt. Die Natur hat einen Weg, der uns das Überleben sichert.

TPPP: Heute Morgen sagten alle Fernsehärzte, weil sie offensichtlich einige dieser Artikel zu lesen, in denen es darum geht, dass die Statistiken durch die Decke gehen, SARS-Cov2 sei sei ansteckender als jede saisonale Grippe oder die Schweinegrippe.
Deshalb müssten wir es so ernst nehmen, weil es so viel ansteckender ist. Ist das Ihrer Meinung nach einfach lächerlich?

Wittkowski: Ich weiß nicht, woher diese Meinung kommt. Wir haben keine … alle Daten, die wir haben, sprechen dagegen.

TPPP: und welche Daten haben wir und woher bekommen Sie diese?

Wittkowski: Nun, man kann die Daten täglich bei der ECDC von überall auf der ganzen Welt herunterladen, und man kann sie analysieren. Das habe ich, so wie vermutlich andere auch, tatsächlich getan.

Professor Wittkowski erläutert die Corona-Daten der ECDC für Europa bis 1. April

TPPP: Okay, also was sieht man? Was sagt Ihnen diese Grafik ganz allgemein?

Wittkowski: Sie sagt uns, dass die Zahlen in Europa nicht mehr steigen. Die Zahl der Fallzahlen. Die Kurve der Sterbefälle folgt mit etwa einer Woche, und das ist normal, weil die Menschen sterben, nachdem sie die Krankheit entwickelt haben. Aber das Wichtigste ist, dass die Zahl der Infektionen vor etwa einer Woche ihren Höhepunkt erreicht hat und bereits rückläufig ist.

Erläuterung von Ausreißern, wie sie in der Statistik zu Frankreich am 1. April ausgewiesen wurde: Hier handelt es sich um Nachmeldungen, so Prof. Wittkowski.



Die europäischen Daten umfassen auch die Daten in Frankreich, wo sich die Zahl der Fälle plötzlich von einem Tag auf den anderen verdoppelt hat. Das ist jemand, der in einem Büro eine Kiste mit Berichten findet und sie einschickt und sagt: „Ups, das haben wir im letzten Monat vergessen zu melden“. Es ändert nichts an der Dynamik der Epidemie in Frankreich, nur weil jemand ein paar Berichte in einem Schuhkarton gefunden hat.

TPPP: Warum sagt die Regierung nicht einfach, dass der Rückgang nur daran liegt, dass die soziale Distanzierung angeordnet wurde und erfolgreich war?

Wittkowski: Ich bin kein Psychiater. Ich weiß nicht, was andere Leute denken. Ich bin Wissenschaftler.

Wir können sehen, dass in China, in Korea die Epidemie zurückgegangen ist. Und die Epidemie hat sich genau so verhalten, wie jede andere Epidemie. Es ist nicht so, dass vierhundert Prozent mehr Menschen gestorben sind. Vielleicht ist es drei statt sonst einem Prozent. Vielleicht. Aber nichts… nichts unterscheidet sich grundlegend von einer Grippe, wie wir sie früher gesehen haben. Alle paar Jahre gibt es eine Grippe, die ein bisschen schlimmer ist als andere Grippewellen. Und sie verschwindet genau wie jede andere Grippe verschwand. Diese verhält sich genau so.
Die Epidemie ist in China beendet, zumindest in den Provinzen, in denen sie war. Sie ist in Südkorea zu Ende gegangen. In Europa geht sie zurück und wird bald enden. Es könnte etwas länger dauern als üblich, weil die Maßnahmen zur Eindämmung die Epidemie abgeflacht und verlängert haben. Es ist wirklich besser, dass jeder davon wenn möglich dem Virus ausgesetzt wird. In den Vereinigten Staaten beghen wir den selben Fehler: Wir verlängern die Epidemie, um die Kurve abzuflachen. Aber auch hier wird sie letztendlich enden.

TPPP: Wenn wir schon von den Zahlen sprechen: Ich habe in Ihrem Bericht gelesen, dass Sie von einer Änderung des Berichtssystems sprechen. Worum ging es dabei?

Wittkowski: Es ist nicht das erste Mal, dass dies geschieht. Am 20. März änderte Deutschland sein Meldesystem, so dass plötzlich eine Menge Fälle gemeldet wurden, die bis dahin nicht gemeldet worden waren. Aber dahinter stand kein plötzlicher Anstieg der Fälle. Insgesamt hatte dies keine Auswirkungen auf die Dynamik der Epidemie in Deutschland. Sie nahm bis etwa zum 27. März zu und ist seitdem stabil oder rückläufig.
Das Problem bei dieser Krankheit ist, dass Meldung und Diagnose nicht getrennt und unterschiedlich erfasst werden. In der AIDS-Epidemie wurde jeder Fall mit einem Tag der Diagnose und einem Tag der Berichterstattung gemeldet. Aus welchem Grund auch immer wird dieser Standard, der während der AIDS-Epidemie entwickelt wurde, hier nicht angewendet. Wir können diese Daten also nicht dekonvolutieren.
In Italien gab es an einem Tag eine Spitze, in Norwegen gab es an einem Tag eine Spitze. Aber wir haben jetzt so viele dieser Spitzen gesehen. Sie halten einen Tag lang an, und dann gehen die Zahlen wieder dahin zurück, wo sie vorher waren. Wir haben also keine Angst mehr, wenn wir sehen, dass sich etwas sehr schnell ändert. Die Natur springt nicht, wie die Menschen schon lange wissen. Der Verlauf einer Epidemie ist immer glatt. Es gibt nie eine Verzehnfachung der Fallzahlen von einem Tag auf den anderen.
Es gibt nichts, wovor man Angst haben müsste. Dies ist eine Grippeepidemie wie jede andere Grippe auch. Vielleicht ein bisschen schwerer, aber nichts, was sich grundlegend von der Grippe unterscheidet, die wir in anderen Jahren erleben.

TPPP: Was glauben Sie, erklärt den Unterschied in der Reaktion dieses Mal, im Unterschied zum Beispiel zur Schweinegrippe im Jahr 2009? Warum sind wir plötzlich so viel panischer und haben die Welt stillgelegt? Was glauben Sie, was los ist?

Wittkowski: Ich denke, zumindest ein Faktor ist, dass die Leute das Internet heute viel häufiger nutzen, und dass sich Nachrichten, ob wahr oder falsch, innerhalb von Stunden, wenn nicht sogar Minuten, über den Globus verbreiten. Vor 50 Jahren hätten wir dann in der Zeitung gelesen, dass es vor etwa einer Woche eine Grippe-Epidemie in den Vereinigten Staaten, in China oder anderswo gab. Und zu dieser Zeit war sie bereits vorbei, so dass die Leute sagen würden: „Okay, das passiert ständig“. Jetzt lesen wir: „Oh, es gab siebenhundertfünfundachtzig Fälle im Vatikan für zwei Tage.“ Vielleicht auch nicht! Und selbst wenn es so wäre, war es ein Meldefehler. Diese Geschichten kursieren in der Welt und tragen zum Chaos bei, und dazu, dass die Menschen Angst vor Dingen haben, vor denen sie sich nicht fürchten sollten.

TPPP: Und was sind Ihrer Meinung nach die möglichen Gesundheitsrisiken der Politik, die wir jetzt verfolgen, der Ausgangsbeschränkungen?

Wittkowski: Nun, wir werden vielleicht insgesamt weniger Fälle sehen. Das ist möglich. Aber wir werden mehr Fälle bei den älteren Menschen sehen, weil wir verhindert haben, dass die Schulkinder eine Herdenimmunität aufbauen. Und so werden wir am Ende mehr Todesfälle sehen. Nicht weil Schulkinder sterben. Es sind die alten Menschen, die sterben. Wir werden wegen dieser sozialen Distanzierung mehr Tote sehen.