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Mittwoch, 20. Mai 2020

Medien

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Corona-Demos: Ein Blick auf die mentale Verfasstheit der Medien

MARCUS KLÖCKNER, 18. Mai 2020


Warum haben Medien ein Problem damit, wenn Bürger gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren? Warum qualifizieren Journalisten Demonstranten pauschal als Verschwörungstheoretiker, Spinner oder Nazis ab? Ein Blick auf die mentale Verfasstheit der Medien liefert die Gründe. Deutlich wird: Wenn Leitmedien über die Demonstrationen berichten, sticht missionarischer Eifer das journalistische Erkenntnisinteresse.


ZUSAMMENFASSUNG:
  • unter Verdrehung der Realität, versuchen die Leitmedien das Aufbegehren der Bürger als perversen Akt eines falsch verstandenen Freiheitsverständnisses abzuqualifizieren → ihm wird per Leitartikel oder ARD-Kommentar quasi die politische Mündigkeit abgesprochen
  • eine Kultur im Journalismus, die Diskussionen durch Diffamierung, Argumente durch Raunen und Meinungsaustausch durch Denkverbote ersetzt → missionarischer Eifer statt journalistisches Erkenntnisinteresse
  • Spiegel TV: "Wut unterm Aluhut", 12. Mai:
    • Stimme aus dem Off: "Viele Demonstranten tragen eine Aluminiumkugel um den Hals. Das neue Erkennungszeichen vermeintlich aufgeklärter Menschen."
    • Frage der Reporterin an eine Demonstrantin: "Was soll das für eine Kette sein?"
    • Demonstrantin: "Das ist die Querdenker-Bommel. Das heißt, dass ich wage, mein Gehirn einzuschalten und nicht alles zu glauben, was die Medien mir präsentieren. Einfach selber denken. Die Sachen zusammenzählen und sich ein gesundes Bild machen."
    • Reporterin: "Wollen Sie sich da auch vor irgendetwas schützen, vor Strahlung oder so?"
    • Demonstrantin: "Nein, ein Zeichen, das man denkt."
  • warum ist diese Person „unaufgeklärt“? → an den Aussagen der Demonstrantin lässt sich nichts „Unaufgeklärtes“ feststellen: das kann jeder Sozialkundelehrer beim Thema Medien seinen Schülern mit auf den Weg geben
  • die „journalistische“ Frage zu einer Art Detektor umfunktioniert, der auf der Suche nach dem Wahnsinn ist
Journalismus für das eigene Weltbild
  • im Journalismus unserer Zeit geht es schon lange nicht mehr darum, so vorurteilsfrei wie möglich den Gegenstand der Berichterstattung zu betrachten → den Journalismus zum verlängerten Arm des eigenen Weltbildes zu machen
  • SPIEGEL: Chefredakteur per Mail an Reporter: was sind die redaktionelle Erwartungen an sie bei der Ausarbeitung einer Reportage über die Grenze in Mexiko?:
    "Wir suchen nach einer Frau mit Kind. Sie kommt idealerweise aus einem absolut verschissenen Land. Sie setzt ihre Hoffnung auf ein neues, freies gutes Leben in USA. Es muss eine sein, die mithilfe eines Kojoten über die Grenze will. Die Figur für den zweiten Konflikt wird selbstverständlich Trump gewählt haben, ist schon heiß gelaufen, als Trump den Mauerbau an der Grenze ankündigt hat, und freut sich jetzt auf die Leute dieses Trecks, wie Obelix sich auf die Ankunft einer neuen Legion von Römern freut. Wenn ihr die richtigen Leute findet, wird das die Geschichte des Jahres."
  • Ist das eine journalistisch angemessene Anleitung für eine ergebnisoffene Reportage? → mit welchen redaktionellen Vorgaben und Gedankenbildern wird der Corona-Journalismus zu Felde ziehen?
    • „neue Wutbürgern“, die sich als „lautstarke Minderheit aufführt" (Spiegel)
    • „keine Macht den Rücksichtslosen“ (ZEIT)
    • „Hitliste der Corona-Spinner“ (Yahoo Nachrichtenportal)
    • „ein Brett vorm Kopf gehört nicht zu den Grundrechten“ (FAZ)
    • baden-württembergischer Innenminister Thomas Strobel: auf den Demos befinde sich „teilweise ein unappetitliches Publikum“. (SWR)
  • wie kommt es dazu, dass Journalisten und Politiker (mal wieder vereint) Gift und Galle spucken, wenn Bürger auf ihre Grundrechte auch in der Corona-Krise pochen?
Unterschiedliche Wahrnehmungen der Realität
  • ein grundlegendes Problem: seit Jahren schon schwelt ein Konflikt zwischen Teilen der Bürger und Teilen der Eliten → unterschiedliche Wahrnehmungen und Einordnungen der sozialen und politischen Realität
  • natürlich gibt es unterschiedliche Lebenswelten, Lebensrealitäten, Schichten, Klassen, Milieus → Konflikte, wenn ein relatives Machtgleichgewicht der Gruppen nicht mehr gegeben ist
  • in einer repräsentativen, parlamentarischen Demokratie gibt es stärkere und schwächere Gruppen → allerdings darf nicht eine Gruppe ihre Machtposition zu sehr zu ausbauen
  • Politik und Medien müssen Machtverhältnisse ausbalancieren→ Bürger aus den unterschiedlichen Schichten müssen wahrgenommen und gehört werden
Ausschluss großer gesellschaftlicher Gruppen
  • normalerweise finden Debatten zwischen den divergierenden Gruppen einer demokratischen Gesellschaft statt→ die richtungsweisenden Diskurs-Arenen befinden sich innerhalb der Leitmedien
  • Vertreter großer Medien wachen darüber, wer Zugang zu ihren Medien bekommt und wer nicht → das Publikum vor Meinungsunsinn, vor Pseudo-Experten und anderen für die öffentliche Meinung gefährlichen Akteuren schützen
  • allerdings missbrauchen Medien in großer Zahl ihre Wächterfunktion → unter dem Deckmantel journalistischer Verantwortung ihre eigenen Weltbilder vor Irritationen abschirmen
Medien schüren soziale Konflikte
  • wenn ein Großteil der Journalisten ähnlich sozialisiert ist, aus denselben Milieus stammt → nach und nach synchronisieren sich Ansichten und Vorstellungen von Wirklichkeit
  • generell blicken Journalisten voller Argwohn auf Einschätzungen, die den ihren widersprechen → aufgrund ihrer eigenen sozialen Lage gehören sie grundsätzlich zu den Bewahrern der bestehenden Verhältnisse
  • auch Parlamentarier vertreten im Wesentlichen nur noch die Interessen eines Teils der Bevölkerung → Parlament und Medien verschaffen nur noch jenen Stimmen Gehör, die in etwa mit jenen Ansichten übereinstimmen
  • zwischen 25 und 30 % der Bürger haben sich bei Bundestagswahlen von der Demokratie bereits verabschiedet (Nichtwähler), 12 % der Wähler gaben bei der Bundestagswahl 2017 der AfD ihre Stimme, 9 % wählten die Linke, 5 % sonstige → die Integrationskraft „der Mitte“ ist stark geschwächt
Ignoriertes Grundrauschen
  • die Demonstrationen in Stuttgart, Berlin, München, oder auch kleineren Städten wie Dingolfing, sind nur der sichtbarste Teil eines schweren, in vielerlei Hinsicht grundlegenden Dissens zwischen einer elitär ausgerichteten Politik und Teilen der Bevölkerung, die ihre Verärgerung auf „die da oben“ seit langem in sich trägt
  • die nun von Journalisten und Politik angewandten Strategien zur Abwertung der Proteste zeigen → es geht Medien und Politik nicht um das, was sie vorgeben zu verteidigen: den demokratischen Diskurs
  • unterschiedliche, auch fundamental voneinander abweichende Meinungen sofort ins Abseits drängen und mit Mitteln der sprachlichen Manipulation, der Propaganda und der Diffamierung zum Schweigen bringen → keine Demokratie
Medienrealität, die der Wirklichkeit nicht standhält
  • von Beginn an haben Journalisten mit den Mitteln der Manipulation und Propaganda die Corona-Demonstranten delegitimiert → rechte Gruppen und schräge Typen, die auf den Demonstrationen auszumachen sind, werden so massiv in den Vordergrund gerückt, dass ein verzerrtes Bild entsteht, auf Ressentiments anstelle von Fakten setzen
    • Bürger haben Angst vor einer Impflicht weisen und auf massive ökonomische Interessen im Zusammenhang mit Impfungen hin
    • sie betrachten das Wirken des Milliardärs Bill Gates kritischer als es etwa Ingo Zamperoni in seinem 9-minütigen Tagesthemen-Interview
    • sie demonstrieren dagegen, wie mit Kindern nun neuerdings an Schulen umgesprungen wird
    • sie haben ein Problem damit, dass gebärende Mütter, die gezwungen werden unter dem Corona-Wahnsinn Atemmasken zu tragen, ein Trauma erleiden
Demonstranten müssen draußen bleiben
  • Politik-Talk „Illner“ (14.5.): „Pandemie und Protest – kann Corona das Land spalten?“ → keine Demonstranten eingeladen
  • Anne Will: „Corona-Einschränkungen – waren und sind die Grundrechtseingriffe verhältnismäßig?“ → die Demonstrationen sind Gegenstand der Diskussion, wieder waren keine Personen aus dem Kreis der Demonstranten eingeladen
  • der französische Philosoph und Soziologe Michel Foucault hat dieses Problem einer Debatte, in der unliebsame Stimmen einfach an den Rand gedrückt werden, bereits 1970 in seiner Vorlesung "Die Ordnung des Diskurses" angesprochen → die Ausgegrenzten können sich zwar äußern, aber eine Wirkung kann sich nicht entfalten, da ihre Äußerungen aufgrund ihrer Position im „Außen“ des Mediensystems abgewertet sind

Über den Autor: Marcus Klöckner, studierte Soziologie, Medienwissenschaften und Amerikanistik. Er ist Journalist und Autor. Zuletzt erschien sein Buch: „Sabotierte Wirklichkeit – Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird“. Als Mitherausgeber initiierte er 2019 eine Neuausgabe des Klassikers der herrschaftskritischen Soziologie „Die Machtelite“ von C. Wright Mills.

https://2tulpe30.blogspot.com/2020/05/usa.htmlhttps://2tulpe30.blogspot.com/2020/05/rki.html

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Islamforum

Gestern war ich mit A im Münchner Forum für Islam (MFI) zu einem Vortrag des Münchner Lehrhaus für Religion e.V., mit denen ich ja das letzte Mal ja in der Synagoge war. Das Islamforum schreibt auf seiner Website:
ISLAM, wie wir ihn verstehen,
  • baut auf der Barmherzigkeit Gottes auf: Mehr als alles andere wird im Koran Allah als der Barmherzige, der sich Erbarmende, der Liebende und Verzeihende beschrieben!
  • auf der Maxime des Propheten Muhammad: „Islam heißt, dass niemand Angst vor unseren Taten, unseren Worten, unseren Gedanken hat!“
  • und auf den Grundwerten: Bekenntnis zu Gott und allen Seinen Gesandten, Gebet, Fasten im Ramadan, Almosen und Spenden für Bedürftige und soziale Zwecke, Pilgerfahrt nach Mekka, Einsatz für Gerechtigkeit, Streben nach Bildung, Toleranz, Frieden und Vertrauen in der Gesellschaft.
ISLAM, wie wir ihn verstehen,
  • ist in Europa daheim und im 21. Jahrhundert angekommen,
  • bejaht Menschenwürde, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Gleichbehandlung aller Menschen, Demokratie und Pluralismus,
  • versteht unter „Scharia“ nicht mittelalterliche Körperstrafen und unter „Dschihad“ nicht „Heiliger Krieg“, und lehnt jegliche Art von Gewalt strikt ab, weil Mord und Terror die größte Sünde und das größte Verbrechen zugleich sind,
  • ist unvereinbar mit erzwungenen Bekleidungsregeln, mit jeglicher Unterdrückung von Frauen, mit Benachteiligung oder gar Verfolgung von Andersgläubigen,
  • hat Hochachtung vor allen Religionen und vor der Glaubens- und Gewissensfreiheit aller Menschen.
ISLAM, wie wir ihn verstehen,
  • hat das Recht und den Anspruch, von der Gesellschaft wahrgenommen und anerkannt zu werden!
 Es war in einem Haus, gleich neben dem Marienplatz, in dem dichten Altstadtgewirr von krummen, kleinen Straßen, A hatte große Mühe, es zu finden und kam fast zu spät. Wir saßen (auf Stühlen!) im Gebetsraum, der mit einem wunderbaren, dicken Teppichboden ausgelegt war. Eine zugemauerte Tür am Ende diente als Gebetsnische und das Muster zeigte an, wo die Betenden sich normalerweise in Reihen aufstellen - Schulter an Schulter, wie die Religion es vorschreibt, denn damit wird die Gemeinschaft bezeugt.


Den Vortrag hielt Gönül Yerli, die uns in muslimische Gebete und Liturgie einführte. Eine sehr sympathische, kluge Frau, die unterstützt wurde von dem jungen Imam Belmin Behic. Beide mit interessanter Vita:
Gönül Yerli
  • Religionspädagogin, verheiratet, 3 Kinder, seit 2005 Vizedirektorin der Islamischen Gemeinde Penzberg und zuständig für das Referat Dialog und Öffentlichkeit.
  • Sie hat den Grund-und Aufbaukurs der katholischen Theologie an der Domschule Würzburg absolviert. Zum Abschluss des Masterlehrgangs (2017) „Interreligiöser Dialog: Begegnung von Juden, Christen und Muslimen“ an der Donau-Universität Krems schrieb sie ihre Masterthesis „Der Islam als Partner in der interreligiösen Praxis und sein Beitrag zum Gemeinwesen am Beispiel des Zusammenlebens in Penzberg“. Für ihre Masterthesis und für ihr langjähriges interreligiöses Engagement erhielt sie den Manfred Görg-Sonderpreis 2018 für religionsgeschichtliche Forschung und interreligiösen Dialog von den Freunden Abrahams e.V.
  • Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Münchner Lehrhauses und im Vorstand vom Haus der Kulturen und Religionen in München.


Belmin Mehic
  • wurde am 27.07.1989 in Zavidovici (Bosnien) geboren.
  • Dort absolvierte er auch seine Ausbildung zum Imam und erreichte den Status eines Hafiz (jemand, der den Koran auswendig gelernt hat).
  • Nach dem Abitur in Bosnien studierte Belmin Mehic an der Internationalen Islamischen Universität in Malaysia.
  • Danach kam er nach Deutschland, wo er erst ehrenamtlich am Münchner Forum für Islam wirkte und seit November 2019 eine Festanstellung inne hat.





Ja, der Imam konnte den gesamten Koran (600 Seiten) auswendig! Ein Hafiz.
Obwohl ich mittlerweile einiges weiß, war vieles total neu und spannend für mich. 
So wie im Judentum ist auch im Islam das Gebet eine Selbstkorrektur - fünfmal am Tag überprüfe ich mich, beginnend mit der rituellen Reinigung der Sinnesorgane: was habe ich gehört oder nicht gehört? Was habe ich gesprochen, berührt etc.? Ohren, Mund, Augen, Kopf, Hände, Füße werden sorgsam gereinigt. Dabei steigt die Aufregung, weil man gleich seinem Gott gegenübertritt - ganz direkt, ohne Vermittlung. 
Die Sprache ist Arabisch, auch wenn von den 1,5 Milliarden Muslimen weltweit nur ungefähr 400 Millionen es verstehen, aber das sei gerade der Clou: es ist eine innerliche Sprache, eine Art Geheimsprache zwischen Menschen und Gott. 
Der Imam legte dann einen Koran auf den Ständer, obwohl er ihn ja nicht braucht, für seine Rezitation:


 Dann sang er uns einige Suren vor. Auf dringenden Wunsch einer Teilnehmerin auch die Sure, wo geschildert wird, wie der Engel Gabriel Maria von der Geburt Jesu berichtet, sie es nicht glauben kann, dann aber kommt es so - alles so, wie es auch im Alten Testament steht, denn das war ja damals Allgemeingut, das kannten alle.
Damals sprachen die Engel: "O Maria, siehe, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm; sein Name ist der Messias, Jesus, der Sohn der Maria, angesehen im Diesseits und im Jenseits, und einer von denen, die (Allah) nahestehen.     [3:45]
Und reden wird er in der Wiege zu den Menschen und auch als Erwachsener, und er wird einer der Rechtschaffenen sein."     [3:46]
Sie sagte: "Mein Herr, soll mir ein Sohn (geboren) werden, wo mich doch kein Mann berührte?" Er sprach: "Allah schafft ebenso, was Er will; wenn Er etwas beschlossen hat, spricht Er nur zu ihm: »Sei!« und es ist."     [3:47]
Und Er wird ihn das Buch lehren und die Weisheit und die Thora und das Evangelium     [3:48]
und wird ihn entsenden zu den Kindern Israels. (Sprechen wird er:) "Seht, ich bin zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn gekommen. Seht, ich erschaffe für euch aus Ton die Gestalt eines Vogels und werde in sie hauchen, und sie soll mit Allahs Erlaubnis ein Vogel werden; und ich heile den Blindgeborenen und den Aussätzigen und mache die Toten mit Allahs Erlaubnis lebendig, und ich verkünde euch, was ihr esset und was ihr in eueren Häusern speichert. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für euch, wenn ihr gläubig seid.     [3:49]
Und als ein Bestätiger der Thora, die vor mir da war, und um euch einen Teil von dem zu erlauben, was euch verboten war, bin ich zu euch gekommen mit einem Zeichen von eurem Herrn. So fürchtet Allah und gehorcht mir ;     [3:50]
wahrlich, Allah ist mein Herr und euer Herr, darum dienet Ihm. Dies ist ein gerader Weg." 
So eine Rezitation zieht einen in den Bann, fremdartig und eindringlich ist sie, voller Gefühl.

Es war ein wunderbarer Abend - A und ich saßen danach noch im Stadtcafé und tranken ein Bier, genau gegenüber von der Synagoge...

Freitag, 22. November 2019

Synagoge

Gestern war ich bei einer Veranstaltung des Münchner Lehrhaus der Religionen e.V., wo ich hin und wieder bin. Thema dieses Semester ist: Gebet und Liturgie und gestern war Rabbi Langnas dran, wir trafen uns in der Synagoge am Jakobsplatz. Das war gar nicht so einfach. Man musste man sich Wochen vorher anmelden mit Vorname, Nachname, Geburtsdatum, Geburtsort und Nummer des Reisepass (RP) oder Personalausweis (PA). Eine polizeilich angeordnete Vorsichtsmaßnahme, die Informationen gingen an den Sicherheitsdienst der IKG.
Dann warteten wir erstmal draußen und wurden schließlich einzeln reingelassen und gefragt, ob wir Messer, Pfefferspray oder sowas dabei hätten, mussten die Taschen öffnen, diese schließlich durchleuchten lassen und auch noch durch eine Schleuse gehen, wie im Flughafen.




Die Synagoge finde ich total schön, von außen fast noch schöner als von innen. Wir gingen durch den unterirdischen Sicherheitsgang hinüber in die Synagoge.  Der 32 Meter lange „Gang der Erinnerung“ ist eine künstlerische Installation des Künstlers Georg Soanca-Pollak. Hinter erleuchteten Glasplatten bilden die Namen von über 4.500 Münchner Juden ab, die während der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden.




Es war kein Gottesdienst. Der ist im Winter schon gegen 16 Uhr und wochentags in einem 'Alltagsraum', nicht in der Hauptsynagoge. Wir ließen uns - alle mit einem Gebetsbuch auf Deutsch und Hebräisch ausgestattet - in den Bänken nieder und lauschten Rabbi Langnas, der ein witziger und angenehmer Redner ist, ein Amerikaner, der seine Religion liebt und mit vergnügtem Stolz präsentiert.


Man kann das hebräische Wort für beten übersetzen mit ‚richten, urteilen‘, sagte er. Folglich vermittelt Beten den Sinn, sich selbst zu beurteilen: Der eigentliche Sinn des Gebets – tefilah – ist unsere Verwandlung. Dieser Sinn passt zu der jüdischen Auffassung von Gottes Einfachheit. Nicht Gott ändert sich durch das Gebet, der Mensch kann ihn nicht so wie ein Rechtsanwalt den Richter beeinflussen, sondern der Mensch selbst ändert sich.
Das Gebetsbuch entstand ca. 350 Jahre vor der Zeitrechnung, weil das spirituelle Niveau der Juden nachzulassen begann, das ganz früher wohl enorm hoch war. Dann aber gab es viel Konkurrenz-Religionen, die teilweise zugänglicher und attraktiver waren, als das Judentum.
Die Juden sagen ständig Lobsprüche für Gott und drücken damit ihre Dankbarkeit aus - er braucht das nicht, aber er hört es gern, sagt Rabbi Langnas.
Dann erzählte er die Geschichte von der reinen Seele: die Menschen bekamen am Anfang vom Jahr von Gott weiße Kleidung für einen Ball, der am Ende des Jahres stattfinden sollte. Sie trugen diese Kleidung ganz vorsichtig, nur zu Feiertagen, aber es kamen Flecken darauf. Da trugen sie sie auch an gewöhnlichen Samstagen, da wurde sie noch schmutziger. Dann trugen sie sie schließlich jeden Tag und am Ende des Jahres, als der Ball stattfinden sollte, waren es nur noch Lumpen. So ist es mit der Seele - am Ende des Jahres, an Jom Kippur, soll die Seele so rein sein, wie ein weißes Ballkleid, also: besser aufpassen! Öfter mal reinigen!
Die orthodoxe Gemeinde in München hat 9.000 Mitglieder, darunter sind aber nur 30 fromme Familie, die die Gebote einhalten. Die liberale Gemeinde hat ca. 200 Mitglieder.

Freitag, 12. Juli 2019

Bibel



Ich lese hin und wieder im Alten Testament, um mir diese merkwürdige Religion - das Christentum - irgendwie zu erschließen. Aber die Bibel ist nicht wirklich hilfreich, mich vertraut mit der Materie zu machen. Ich stehe immer wieder staunend davor. Z.B. das 4.Buch Mose, Kapitel 5, das Verfahren bei Verdacht auf Ehebruch:

11 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 12 Sage den Israeliten und sprich zu ihnen: Wenn irgendeines Mannes Frau ihm untreu wird und sich an ihm versündigt 13 und jemand bei ihr liegt und es bliebe dem Mann verborgen und es würde nicht entdeckt, dass sie unrein geworden ist, und es ist kein Zeuge wider sie da, denn sie ist nicht dabei ergriffen worden, 14 und der Geist der Eifersucht kommt über ihn, dass er auf seine Frau eifersüchtig wird, sie sei unrein oder nicht unrein: 15 so soll der Mann sie zum Priester bringen und ein Opfer ihretwegen darbringen, ein zehntel Scheffel Gerstenmehl, und er soll kein Öl daraufgießen noch Weihrauch darauftun. Denn es ist ein Eifersuchtsopfer, ein Erinnerungsopfer, das Schuld ans Licht bringt.
16 Und der Priester soll sie heranführen und vor den HERRN stellen 17 und heiliges Wasser nehmen in ein irdenes Gefäß und Staub vom Boden der Stiftshütte ins Wasser tun. 18 Und er soll die Frau vor den HERRN stellen und ihr Haupthaar lösen und das Erinnerungsopfer, das ein Eifersuchtsopfer ist, auf ihre Hand legen.
Und der Priester soll in seiner Hand das bittere, fluchbringende Wasser haben 19 und soll die Frau beschwören und zu ihr sagen: Hat kein Mann bei dir gelegen und bist du deinem Mann nicht untreu geworden, dass du dich unrein gemacht hast, so soll dir dies bittere, fluchbringende Wasser nicht schaden. 20 Wenn du aber deinem Mann untreu geworden bist, dass du unrein wurdest, und hat jemand bei dir gelegen außer deinem Mann, – 21 so soll der Priester mit einem Verwünschungsschwur die Frau beschwören und zu ihr sagen: Der HERR mache deinen Namen zum Fluch und zur Verwünschung unter deinem Volk, dadurch, dass der HERR deine Hüfte schwinden und deinen Bauch schwellen lässt. 22 So gehe nun das fluchbringende Wasser in deinen Leib, dass dein Bauch schwelle und deine Hüfte schwinde! Und die Frau soll sagen: Amen! Amen!
23 Dann soll der Priester diese Flüche auf einen Zettel schreiben und mit dem bitteren Wasser abwaschen 24 und soll der Frau von dem bitteren, fluchbringenden Wasser zu trinken geben. Und wenn das fluchbringende, bittere Wasser in sie gegangen ist, 25 soll der Priester von ihrer Hand das Eifersuchtsopfer nehmen und als Speisopfer vor dem HERRN schwingen und auf dem Altar opfern, nämlich: 26 er soll eine Handvoll vom Speisopfer nehmen als Gedenkopfer und es auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen und danach der Frau das Wasser zu trinken geben. 27 Und wenn sie das Wasser getrunken hat und unrein ist und sich an ihrem Mann versündigt hat, so wird das fluchbringende Wasser in sie gehen und ihr zum Verderben werden, dass ihr der Bauch schwellen und die Hüfte schwinden wird, und es wird die Frau zum Fluch werden unter ihrem Volk. 28 Hat sich aber eine solche Frau nicht unrein gemacht, sondern ist sie rein, so wird's ihr nicht schaden und sie kann schwanger werden.
29 Das also ist die Ordnung bei Eifersucht: Wenn eine Frau ihrem Mann untreu ist und unrein wird 30 oder wenn der Geist der Eifersucht über einen Mann kommt und er auf seine Frau eifersüchtig wird, so stelle er sie vor den HERRN und der Priester tue mit ihr alles nach diesem Gesetz. 31 Und der Mann soll frei sein von Schuld; aber die Frau soll ihre Schuld tragen.
Dagegen ist ein Voodoozauber ein Kindergeburtstag...