Nach Ärger mit Geheimpapieren Seehofer-Mitarbeiter ab sofort freigestellt
BILD erfuhr: Er musste sogar seinen Laptop abgebenvon: Hans-Jörg Vehlewald, Jana Quoos und Ralf Schuler veröffentlicht am 14.05.2020
Der Wirbel um ein internes Papier des Bundesinnenministeriums zur Corona-Krise zieht immer weitere Kreise! Gestern befassten sich Bundestag und Innenministerium mit dem Vorgang. Nach der Veröffentlichung seiner Alarm-Thesen zu „Kollateralschäden“ der Corona-Maßnahmen (BILD berichtete) wurde Stephan Kohn (57, SPD, Referent im Krisenmanagement des Ministeriums) vom Dienst freigestellt. Und: Sein Dienst-Laptop wurde eingezogen – als Beweisstück! Kohn müsse „mit der ganzen Bandbreite des Disziplinarrechts“ rechnen, sagte Innen-Staatssekretär Hans-Georg Engelke (56) gestern. Es gebe dabei „kein Problem des Inhalts, also, was dort gesagt wird“, so Engelke, „sondern dass sich jemand unseres Briefkopfes bedient“, um „persönliche Auffassungen zu verbreiten“. Minister Horst Seehofer (70, CSU) ergänzte, er teile Kohns Einschätzungen schon deshalb nicht, „weil ich von Anfang an die Strategie der Bundesregierung mitentwickelt habe“.
In der Unionsfraktion zeigten sich Abgeordnete verärgert über das Vorgehen des Ministeriums. Axel Fischer (54, CDU) forderte nach BILD-Informationen, sich mit der Kritik des Papiers auseinanderzusetzen, statt dessen Verfasser zu verfolgen. Die Politik müsse sich nicht wundern, wenn bundesweit Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen Zulauf erhielten, weil der Eindruck entsteht, es werde nicht mit offenen Karten gespielt.
Kritik kommt auch vom Immuntoxikologen Prof. Stefan Hockertz (59), Ex-Institutsleiter der Hamburger Uni-Klinik Eppendorf: „Seehofer redet über Briefköpfe, ignoriert aber Inhalte“, so Hockertz zu BILD: „Wenn der Minister die Alarmsignale in den Wind schlägt, macht er sich strafbar.“
Ähnlich kritisch hatte sich Prof. Peter Schirmacher geäußert. Der Chefpathologe der Uni Heidelberg ist Mitglied der Leopoldina-Akademie, die Kanzlerin Angela Merkel berät. Er war wie Hockertz von Kohn für die Studie befragt worden.

