Sonntag, 26. April 2020

Nochmal Zahlen

Von der fehlenden wissenschaftlichen Begründung der Corona-Maßnahmen

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 25. April 2020 Christof Kuhbandner

ZUSAMMENFASSUNG
  • fast alle der ergriffenen Maßnahmen werden damit begründet, dass dadurch ein Anstieg in den täglichen Neuinfektionen verhindert werden soll, um einer angeblichen exponentiellen Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken
  • den Erkrankungsbeginn von gemeldeten Fällen schätzen -> Fachbegriff: "Imputation" (Lagebericht vom 22.4.):
  • demnach sinkt die Anzahl der täglichen Neuinfektionen schon mindestens seit dem 19. März, bzw. muss man noch einmal 5-6 Tage abziehen, die zwischen Neuinfektion und ersten Symptomen liegen ->  damit sinken die Neuinfektionen in Wirklichkeit bereits schon mindestens seit dem 13. - 14. März
  • man findet natürlich mit der zunehmenden Anzahl an Tests auch zunehmend mehr Neuinfektionen - obwohl die Anzahl der Neuinfektionen womöglich gar nicht zugenommen hat oder in Wirklichkeit sogar zurückgegangen ist
  • man muss die Anzahl der gefundenen Neuinfektionen durch die Testanzahl teilen ->  dann relativ genau den wahren Verlauf der Erhöhung abbilden
  • da in Deutschland keine verlässliche Zahlen zur Anzahl der durchgeführten Tests existieren ->  Beispiel Italien, dort veröffentlicht das Gesundheitsministerium täglich die offizielle Testanzahl (1. März bis zum 20. April):



  • obwohl man zunehmend mehr testet und damit rein testbedingt immer mehr Neuinfektionen findet, bleibt die Anzahl der gefundenen Neuinfektionen trotzdem gleich und nimmt dann sogar ab
  • die Anzahl an Neuinfektionen pro Tag durch die Anzahl der Tests pro Tag teilen = Wachstumsfaktor (Y-Achse) -> wie stark hat die Anzahl der Neuinfektionen im Vergleich zum Wert am ersten Tag zugenommen? Ein Wert von 2 bedeutet also eine Verdopplung, 4 eine Vervierfachung und so weiter
  • man bestimmt also den prozentualen Anteil an positiven Coronavirus-Diagnosen in Relation zur Anzahl der durchgeführten Tests 




  • die berichteten Zahlen zu den Neuinfektionen überschätzen den wahren Anstieg dramatisch -> erwecken den Anschein, als wäre die Anzahl der Neuinfektionen um das bis zu 27-fache gestiegen, obwohl sie in Wirklichkeit nur um maximal das 4-fache gestiegen ist
  • die Anzahl der täglichen Neuinfektionen beginnt früher zu sinken, als es laut den berichteten Zahlen zu den Neuinfektionen der Fall zu sein scheint

Ein weiterer Faktor: andere Krankheitserreger

  • ein weiterer versteckter Faktor, welcher die Anzahl der Neuinfektionen künstlich nach oben verzerrt: die Anzahl an Personen, welche an akuten Atemwegserkrankungen aufgrund von anderen Krankheitserregern leiden
  • geht diese Anzahl zurück, steigt (statistisch) automatisch der prozentuale Anteil erhaltener positiver Coronavirus-Diagnosen, mit der Konsequenz, dass fälschlicherweise der Eindruck von steigenden Coronavirus-Neuinfektionen hervorgerufen wird:




Zusammenfassend lässt sich also bisher festhalten, dass der beobachtete Anstieg in den berichteten Neuinfektionen den wahren Anstieg in den Neuinfektionen dramatisch überschätzt, und zudem verbirgt, dass die Zahl der Neuinfektionen bereits in etwa zwei Wochen früher und zudem stärker sinkt, als es laut den berichteten Zahlen der Fall ist.

Der tatsächliche Zeitpunkt des Rückgangs der Todesfälle

  • der RKI-Vizepräsident Lars Schaade sagte auf einer Pressekonferenz am 21. April: "In der letzten Woche haben wir zudem den bisher größten Anstieg bei der Zahl der Todesfälle gesehen. Am 16.4.2020 waren es 315 neu übermittelte Todesfälle an einem Tag."
  • die übliche Darstellung des Verlaufs der Todesfälle, Daten des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC, Stand 23.4.):



  • Graphik zeigt die Anzahl der Todesfälle, die an einem bestimmten Tag dem RKI neu gemeldet wurde -> es gibt aber einen sehr großen Meldeverzug von 14 Tagen und mehr  
  • am 16. April verstorbenen Personen:  nur 5% auch an dem Tag verstorben, nur 25% in der Woche davor
  • tatsächliches Sterbedatum (laut Meldung beim Gesundheitsamt), (Stand 23.4.):



  • die Anzahl der Coronavirus-Todesfälle sinkt bereits seit Anfang April 
  • der Zeitpunkt des Rückgangs der Todesfälle stimmt mit der obigen Schätzung des wahren Verlaufs der Neuinfektionen überein ->  zwischen dem Zeitpunkt der Infektion und dem Zeitpunkt des Todes liegen im Schnitt ungefähr 24 Tage

Problem bei den Todeszahlen

Wir zeichnen die Verlaufskurve der Neuinfektionen so, dass sie zeigt, wie viele Personen irgendwann später daran sterben sollten laut der Sterberate:


  • ein sehr eigenartiges Muster: die Anzahl der Neuinfektionen und die Anzahl der Todesfälle steigt und sinkt praktisch fast exakt parallel ->  aber zwischen ersten Krankheitssymptomen und dem Todeszeitpunkt liegen ca. 18 Tage
  • selbst wenn man also annimmt, dass ein Test erst acht Tage nach der Symptomausbildung durchgeführt wird, sollte damit die Kurve der Todesfälle der Kurve der Neuinfektionen um 10 Tage hinterherhinken
  •  viele der Verstorbenen wurden wohl erst kurz vor bzw. nach dem Tod auf das Coronavirus getestet
  • das impliziert aber dann zwei Möglichkeiten: 
    • Möglichkeit A: Die verstorbenen Personen sind wirklich am Coronavirus verstorben. Hätte man 10 Tage früher mit dem Testen angefangen (Anfang Februar), dann hätte man auch da auch schon einen vergleichbaren - durch die Testanzahl dramatisch nach oben verzerrten - Anstieg in den Neuinfektionen gefunden. 
    • Möglichkeit B: Die verstorbenen Personen haben sich das Coronavirus erst kurz vor dem Tod eingefangen und sind in Wirklichkeit gar nicht daran verstorben. Das hieße aber, dass beide Verlaufskurven in Wirklichkeit dasselbe abbilden: Einen durch die Testanzahl dramatisch nach oben verzerrten Anstieg in den Neuinfektionen.

Zur Überlastung des Gesundheitssystems

  • wie passt der Befund, dass die Anzahl der Coronavirus-Neuinfektionen in Wirklichkeit nur gering gestiegen ist, zu den Berichten, dass Intensivstationen überfüllt sind, oder zu Bildern aus Italien oder New York, in denen Särge von Verstorbenen in Kirchen oder Kühlhäusern gestapelt werden mussten?
  • (Stand 22.4.) Intensivbetten in Deutschland sind zu 40% frei 
  • Todesfälle, statistisches Bundesamt Gesamtanzahl der Todesfälle in Deutschland



  • in Italien oder New York liegt die Gesamtanzahl der bisherigen Todesfälle in diesem Jahr tatsächlich deutlich über dem üblichen Niveau zu dieser Jahreszeit ->  aber sowohl in Italien als auch in New York lag der prozentuale Anteil an positiven Coronvirus-Diagnosen selbst in der Hochphase nur bei in etwa 20 (Italien) bis 40 (New York) Prozent

Fazit

1. Die berichteten Zahlen zu den Neuinfektionen überschätzen die wahre Ausbreitung des Coronavirus sehr dramatisch. 
 Der beobachtete rasante Anstieg in den Neuinfektionen geht fast ausschließlich auf die Tatsache zurück, dass die Anzahl der Tests mit der Zeit rasant gestiegen ist. Es gab also zumindest laut den berichteten Zahlen in Wirklichkeit nie eine exponentielle Ausbreitung des Coronavirus.
2. Die berichteten Zahlen zu den Neuinfektionen verbergen die Tatsache, dass die Anzahl der Neuinfektionen bereits seit in etwa Anfang bis Mitte März sinkt.
3. Die Anzahl der Todesfälle sinkt ebenfalls bereits seit Anfang April, was durch die irreführende übliche Darstellung der pro Tag neu hinzugekommenen Todesfälle verborgen wird.
Zudem spiegelt der Verlauf der Todeskurve womöglich nur den Verlauf der durch die Testanzahl dramatisch nach oben verzerrte Kurve der Neuinfektionen wider.

Alle der ergriffenen drastischen Maßnahmen werden damit begründet, dass dadurch ein rasantes Ansteigen der Anzahl der Neuinfektionen verhindert werden soll. Nach der genaueren methodischen Betrachtung dieser Zahlen wird sehr klar, dass keine der ergriffenen Maßnahmen wirklich wissenschaftlich begründet werden kann:
  • Zum einen hat in Wirklichkeit die Anzahl der Neuinfektionen nie rasant zugenommen, zum anderen ist die Anzahl der Neuinfektionen bereits seit in etwa Anfang bis Mitte März rückläufig - das wurde nur dadurch verdeckt, dass die Anzahl der Coronavirus-Tests über die Zeit hinweg so stark zugenommen hat und der zeitliche Abstand zwischen tatsächlichem Infektionszeitpunkt und Testzeitpunk zu wenig beachtet wurde. 
  • Insbesondere kann auch keine der ergriffenen Maßnahmen den Rückgang erklären, weil die erste Maßnahme (Absage großer Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern) erst am 9. März erfolgte. 
  • Ebenso wenig zeichnet sich in Deutschland eine Überlastung der Intensivstationen oder eine höhere Anzahl an Sterbefällen im Vergleich zu den Vorjahren ab, so dass auch damit keine der Maßnahmen gerechtfertigt werden kann.
Es erscheint aus dieser Perspektive heraus fragwürdig, wenn Virologen wie Christian Drosten von der Charité aktuell in den Medien die Angst vor einer zweiten Infektionswelle schüren, weil er davon ausgeht, dass bei einer Rücknahme der Maßnahmen sich das Coronavirus wieder exponentiell verbreiten könnte. Solche Aussagen sind womöglich irreführend, gegeben, dass der angebliche exponentielle Anstieg in den Neuinfektionen bei der angeblichen ersten Infektionswelle nur ein künstlicher Effekt der Tatsache war, dass man die Anzahl der Tests so stark erhöht hat.
Es erscheint als eine der höchsten Pflichten eines jeden Wissenschaftlers, diese Punkte endlich in der Öffentlichkeit richtigzustellen, um Menschen ihre wahrscheinlich unnötigen großen Ängste zu nehmen und die extremen negativen Nebenwirkungen der wahrscheinlich unnötigerweise ergriffenen drastischen Eingriffe in unsere Grundrechte zu beseitigen.

Eine Abschlussbemerkung

Abschließend möchte ich noch darstellen, warum ich mit einem solchen Beitrag an die Öffentlichkeit gehe. Als Leiter eines Lehrstuhls für Psychologie weiß man um die möglichen extremen Nebenwirkungen der ergriffenen drastischen Maßnahmen. Ich möchte das kurz anhand eines einzigen Beispiels illustrieren:
Es gibt große Studien dazu, wie viele zusätzliche Suizide die Weltfinanzkrise von 2008-2010 – welche von der drohenden Wirtschaftskrise laut Fachexperten um Welten übertroffen werden wird – mit sich gebracht hat: Allein in den USA, Canada und Europa (andere ärmere Länder nicht mitgerechnet, die von unserer Kaufkraft abhängen und womöglich entsprechend ebenfalls leiden werden) waren das 10.000 zusätzliche Suizide in den Jahren 2008-2010. Wenn man sich klarmacht, dass hinter jedem Suizid viele weitere Menschen stehen, die ähnlich belastet sind aber keinen Suizid begehen, wird deutlich, wie viel Leid die getroffenen Maßnahmen mit sich bringen können.
Hier ist wichtig zu erwähnen, dass solche Suizidraten in Reaktion auf wirtschaftliche Krisen kein Automatismus sind und man hier Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Aber wenn man die Vergangenheit als Heuristik nimmt, was womöglich in Zukunft passieren könnte – denn auch damals hat man ja versucht Gegenmaßnahmen zu ergreifen – ist mit äußerst drastischen Nebenwirkungen zu rechnen. Und das war nur ein Beispiel für die möglichen Nebenwirkungen.
Wenn man dann als ein in Forschungsmethoden sehr erfahrener Wissenschaftler bemerkt, dass womöglich die den ergriffenen Maßnahmen zugrundeliegende wissenschaftliche Basis Probleme aufweist, sucht man normalerweise nicht den Weg in die Öffentlichkeit. Stattdessen versucht man Kontakt mit den entsprechenden Fachexperten aufzunehmen, um auf diese möglichen Probleme hinzuweisen. Seit Anfang April habe ich mehreren Virologen mehrmals Emails geschrieben, ohne bis heute eine Antwort auf meine Fragen erhalten zu haben, was bei der aktuellen Arbeitsbelastung dieser Personen auch absolut verstehbar ist. In einer solchen Situation bleibt einem aber dann nur der Weg an die Öffentlichkeit.
Das Problem ist, dass man dann oft sehr schnell als "Verschwörungstheoretiker" abgetan wird, was manche dazu verleitet, nicht die Öffentlichkeit zu suchen. Hier ist es allerdings einfach so: Alle berichteten Analysen basieren auf den offiziellen Zahlen, und jede Person kann das einfach selber nachprüfen und die Dinge entsprechend für sich durchdenken.
Noch ein abschließender Satz: Es geht hier in keinster Weise darum, das Leid betroffener Menschen zu verharmlosen. Hier muss es das höchste Ziel einer jeden Gesellschaft sein, diesen Menschen bestmöglich zu helfen. Es geht hier darum, das von vielen angenommene Szenario einer epidemischen Ausbreitung des Coronavirus mit mehreren Millionen von Infizierten zu hinterfragen. Denn sollte dieses Szenario in Wirklichkeit gar nicht drohen, würden viele Menschen ohne wirklichen Grund so große Ängste erleben, und man würde ohne wirklichen Grund Maßnahmen ergreifen, deren womöglich dramatische negative Nebenwirkungen noch gar nicht abgeschätzt werden können.

Quellen:

- Daten zu den Neuinfektionen und Todesfällen in Deutschland: NPGEO Corona Hub 2020 (Robert Koch Institute)
- Daten zur Testanzahl in Deutschland: Robert Koch-Institut: Erfassung der SARS-CoV-2-Testzahlen in Deutschland (Update vom 15.4.2020): Epidemiologisches Bulletin 2020;16:10
- Daten zu den Neuinfektionen in Italien: European Center for Disease Prevention and Control (ECDC).
- Daten zur Testanzahl in Italien: Ministero della Salute, Daten werden auf Github bereitgestellt.
- Daten zu den USA: National Center of Health Statistics
- Richtlinien vom Robert Koch-Institut zur Durchführung von Coronavirus-Tests
- Influenza-Wochenberichte vom Robert Koch-Institut
- Täglicher Lagebericht zum Coronavirus vom Robert Koch-Institut
- Alle der für die Analysen verwendeten Datensätze können beim Autor per E-Mail angefordert werden.
Christof Kuhbandner ist Psychologieprofessor und Lehrstuhlinhaber an der Fakultät für Humanwissenschaft der Universität Regensburg. Seine Überlegungen sind aktuell bei einer Fachzeitschrift eingereicht und bereits als nicht begutachteter Vorabdruck erschienen. Dieser Artikel erschien bereits in Stephan Schleims Blog Menschen-Bilder.