Samstag, 11. April 2020

Nochmal Prantl

SZ, 11.04.2020 Meinungsseite, Von Heribert Prantl

Bittere Medizin

Die Corona-Krise stellt nicht nur die Welt auf den Kopf. Sie stellt auch den Kopf auf den Kopf: Sie bringt einen auf verrückte Gedanken, die man vorher nie gedacht hat und die man auch nie denken wollte. In meinem Fall betreffen sie meine Eltern. Ich habe sie geliebt. Aber jetzt bin ich froh, dass sie schon tot sind, gestorben vor der Corona-Krise. Die Vorstellung, die Mutter im Altersheim nicht besuchen zu dürfen, die Vorstellung, dass sie verzweifelt wartet und in der Einsamkeit an Einsamkeit stirbt – die bloße Vorstellung treibt mich um. Ich hätte bei Gericht eine einstweilige Verfügung beantragt, um eine Umarmung zu erwirken. Ich hätte am Rechtsstaat gezweifelt, wenn er diese elementare Geste der Menschlichkeit verweigert hätte.

  Von meinem schwer kranken Vater habe ich mich vor vielen Jahren in der Palliativstation des Krankenhauses in aufwühlender Ruhe verabschieden dürfen. Ich durfte jederzeit zu ihm, konnte an seinem Bett sitzen, ihm sagen, was ich noch sagen wollte, auch wenn ich nicht wusste, ob er es noch hört. Freunde von mir haben soeben auf einen solchen Abschied verzichten müssen. Sie durften ihren Vater nicht mehr besuchen. Von allen Bitternissen der Corona-Krise gehört diese pauschalierende Herzlosigkeit aus Gesundheitsgründen zu den bittersten.

  „Es ist am Ende zu unser aller Besten“, hört man zur Begründung. Dieser Satz ist das trockene Brot, von dem man abbeißen soll, wenn man sich darein fügt. Es ist angeblich immer zum verflucht Besten, wenn Härten gefordert werden. Es war nach Meinung der meisten Finanzexperten auch zum Besten Italiens, Portugals, Spaniens und, ganz vorn, Griechenlands, dass sie in der Finanzkrise, zur angeblichen Gesundung von Staat und Gesellschaft, bittere Medizin nach den Austeritätsrezepten der Troika schlucken mussten. Verzichtsdisziplin und Entbehrung sollten den Patienten helfen. Die genannten Länder kastrierten ihr Gesundheitswesen, um am Tropf Europas zu bleiben.
(...)


Meine bittere Pille heute: ich wollte an den Ammersee fahren und fragte an, ob ich - wie üblich - übernachten dürfte: lieber nicht. Man "müsse vorsichtig sein". Ich fragte nicht nach, ob sie Angst vor der Staatsgewalt haben oder vor dem entsetzlichen Killervirus. Ich bleibe in München. Aber ich merke, wie sich die Welt zweiteilt: es gibt die, die an die Regierung, das Killervirus und den Mainstream glauben und es gibt, die das nicht tun. Die Luft wird dünner.


 Nochmal SZ, 1.04.2020 Politik, VON PETER MÜNCH

„Der Eisberg ist höher als gedacht

Eine Studie gibt erstmals Aufschluss über die Dunkelziffer der Infizierten in Österreich: Anfang April seien demnach wahrscheinlich dreimal so viele Menschen krank gewesen, wie zu diesem Zeitpunkt gemeldet waren

Wien – In einer ersten repräsentativen Studie hat Österreich die Dunkelziffer der Corona-Infektionen erfasst. Demnach waren Anfang April hochgerechnet landesweit wahrscheinlich 28 500 Menschen infiziert. Das entspricht einer Rate von 0,33 Prozent der Bevölkerung. Offiziell ausgewiesen wurden in den Statistiken zu diesem Zeitpunkt 12 200 positive Testergebnisse, 3400 Betroffene waren bereits genesen. „Wir dürfen uns nicht selbst täuschen, der Eisberg ist höher als gedacht“, sagte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann bei der Vorstellung der Studie."


Neue Zürcher Zeitung:
Einwohner
  • Schweden: 10,2 Mio - das Land mit dem Sonderweg
  • Großbritannien: 66,6 Mio
  • Italien: 60 Mio
  • Spanien: 47 Mio
  • Niederlande: 17 Mio
  • Österreich: 9 Mio
  • Schweiz: 8,6 Mio
  • Irland: 5 Mio 


Hier ein Link (2018) zu den angeblichen Corona-Massengräbern in New York.



Demo in Berlin: Wir sind das Volk...