ISLAM, wie wir ihn verstehen,
- baut auf der Barmherzigkeit Gottes auf: Mehr als alles andere wird im Koran Allah als der Barmherzige, der sich Erbarmende, der Liebende und Verzeihende beschrieben!
- auf der Maxime des Propheten Muhammad: „Islam heißt, dass niemand Angst vor unseren Taten, unseren Worten, unseren Gedanken hat!“
- und auf den Grundwerten: Bekenntnis zu Gott und allen Seinen Gesandten, Gebet, Fasten im Ramadan, Almosen und Spenden für Bedürftige und soziale Zwecke, Pilgerfahrt nach Mekka, Einsatz für Gerechtigkeit, Streben nach Bildung, Toleranz, Frieden und Vertrauen in der Gesellschaft.
ISLAM, wie wir ihn verstehen,
- ist in Europa daheim und im 21. Jahrhundert angekommen,
- bejaht Menschenwürde, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Gleichbehandlung aller Menschen, Demokratie und Pluralismus,
- versteht unter „Scharia“ nicht mittelalterliche Körperstrafen und unter „Dschihad“ nicht „Heiliger Krieg“, und lehnt jegliche Art von Gewalt strikt ab, weil Mord und Terror die größte Sünde und das größte Verbrechen zugleich sind,
- ist unvereinbar mit erzwungenen Bekleidungsregeln, mit jeglicher Unterdrückung von Frauen, mit Benachteiligung oder gar Verfolgung von Andersgläubigen,
- hat Hochachtung vor allen Religionen und vor der Glaubens- und Gewissensfreiheit aller Menschen.
ISLAM, wie wir ihn verstehen,
- hat das Recht und den Anspruch, von der Gesellschaft wahrgenommen und anerkannt zu werden!
Den Vortrag hielt Gönül
Yerli, die uns in muslimische Gebete und Liturgie einführte. Eine sehr sympathische, kluge Frau, die unterstützt wurde von dem jungen Imam Belmin Behic. Beide mit interessanter Vita:
Gönül Yerli
- Religionspädagogin, verheiratet, 3 Kinder, seit 2005 Vizedirektorin der Islamischen Gemeinde Penzberg und zuständig für das Referat Dialog und Öffentlichkeit.
- Sie hat den Grund-und Aufbaukurs der katholischen Theologie an der Domschule Würzburg absolviert. Zum Abschluss des Masterlehrgangs (2017) „Interreligiöser Dialog: Begegnung von Juden, Christen und Muslimen“ an der Donau-Universität Krems schrieb sie ihre Masterthesis „Der Islam als Partner in der interreligiösen Praxis und sein Beitrag zum Gemeinwesen am Beispiel des Zusammenlebens in Penzberg“. Für ihre Masterthesis und für ihr langjähriges interreligiöses Engagement erhielt sie den Manfred Görg-Sonderpreis 2018 für religionsgeschichtliche Forschung und interreligiösen Dialog von den Freunden Abrahams e.V.
- Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Münchner Lehrhauses und im Vorstand vom Haus der Kulturen und Religionen in München.
Belmin Mehic
- wurde am 27.07.1989 in Zavidovici (Bosnien) geboren.
- Dort absolvierte er auch seine Ausbildung zum Imam und erreichte den Status eines Hafiz (jemand, der den Koran auswendig gelernt hat).
- Nach dem Abitur in Bosnien studierte Belmin Mehic an der Internationalen Islamischen Universität in Malaysia.
- Danach kam er nach Deutschland, wo er erst ehrenamtlich am Münchner Forum für Islam wirkte und seit November 2019 eine Festanstellung inne hat.
Ja, der Imam konnte den gesamten Koran (600 Seiten) auswendig! Ein Hafiz.
Obwohl ich mittlerweile einiges weiß, war vieles total neu und spannend für mich.
So wie im Judentum ist auch im Islam das Gebet eine Selbstkorrektur - fünfmal am Tag überprüfe ich mich, beginnend mit der rituellen Reinigung der Sinnesorgane: was habe ich gehört oder nicht gehört? Was habe ich gesprochen, berührt etc.? Ohren, Mund, Augen, Kopf, Hände, Füße werden sorgsam gereinigt. Dabei steigt die Aufregung, weil man gleich seinem Gott gegenübertritt - ganz direkt, ohne Vermittlung.
Die Sprache ist Arabisch, auch wenn von den 1,5 Milliarden Muslimen weltweit nur ungefähr 400 Millionen es verstehen, aber das sei gerade der Clou: es ist eine innerliche Sprache, eine Art Geheimsprache zwischen Menschen und Gott.
Der Imam legte dann einen Koran auf den Ständer, obwohl er ihn ja nicht braucht, für seine Rezitation:
Damals sprachen die Engel: "O Maria, siehe, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm; sein Name ist der Messias, Jesus, der Sohn der Maria, angesehen im Diesseits und im Jenseits, und einer von denen, die (Allah) nahestehen. [3:45]So eine Rezitation zieht einen in den Bann, fremdartig und eindringlich ist sie, voller Gefühl.
Und reden wird er in der Wiege zu den Menschen und auch als Erwachsener, und er wird einer der Rechtschaffenen sein." [3:46]
Sie sagte: "Mein Herr, soll mir ein Sohn (geboren) werden, wo mich doch kein Mann berührte?" Er sprach: "Allah schafft ebenso, was Er will; wenn Er etwas beschlossen hat, spricht Er nur zu ihm: »Sei!« und es ist." [3:47]
Und Er wird ihn das Buch lehren und die Weisheit und die Thora und das Evangelium [3:48]
und wird ihn entsenden zu den Kindern Israels. (Sprechen wird er:) "Seht, ich bin zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn gekommen. Seht, ich erschaffe für euch aus Ton die Gestalt eines Vogels und werde in sie hauchen, und sie soll mit Allahs Erlaubnis ein Vogel werden; und ich heile den Blindgeborenen und den Aussätzigen und mache die Toten mit Allahs Erlaubnis lebendig, und ich verkünde euch, was ihr esset und was ihr in eueren Häusern speichert. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für euch, wenn ihr gläubig seid. [3:49]
Und als ein Bestätiger der Thora, die vor mir da war, und um euch einen Teil von dem zu erlauben, was euch verboten war, bin ich zu euch gekommen mit einem Zeichen von eurem Herrn. So fürchtet Allah und gehorcht mir ; [3:50]
wahrlich, Allah ist mein Herr und euer Herr, darum dienet Ihm. Dies ist ein gerader Weg."
Es war ein wunderbarer Abend - A und ich saßen danach noch im Stadtcafé und tranken ein Bier, genau gegenüber von der Synagoge...

