Freitag, 8. November 2019

Welt retten

Heute war wir im Kino: 2040 - wir retten die Welt. Eine Empfehlung der SZ.
Als Zaungast im Jahr 2040. In einem filmischen Brief an seine Tochter zeigt der australische Regisseur, wie die Welt in zwei Jahrzehnten aussehen könnte. Bekannt wurde Gameau mit seiner preisgekrönten Kinodokumentation „That Sugar Film“ (2014). Davor war er als Schauspieler in Spielfilmen und der US-Serie „How I met your mother“ zu sehen.

   

Auch den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft hinterlassen – darum sollte es laut Regisseur Damon Gameau heute gehen. In seinem Dokumentarfilm "2040 – Wir retten die Welt!" beschäftigt er sich damit, wie der CO2-Ausstoß begrenzt werden kann. Außerdem fragt er sich: Wie könnte unsere Zukunft aussehen? Was kann jeder Einzelne gegen den Klimawandel tun?

In "2040" präsentiert er mögliche Lösungen mit Ressourcen, die schon vorhanden sind. Der Dokumentarfilm, so der Macher, sei ein offener Brief an seine vier-jährige Tochter, ohne Düsternis und Auswegslosigkeit, sondern mit Hoffnung auf alternative Zukunftsvisionen.
"2040 – Wir retten die Welt!" lässt Experten zu Wort kommen

Die industrielle Revolution, so Gameau, habe das Ungleichgewicht in den CO2-Kreislauf gebracht. Probleme wie der Klimawandel folgten und mit ihm Folgen wie das Schmelzen der Gletscher, das Steigen des Meeresspiegels, große Waldbrände, mehr CO2-Emissionen, Überschwemmungen. Die Welt, so scheine es, steuere auf eine gigantische Klimakatastrophe zu.

Gameau versucht mit bereits verfügbaren Lösungen aufzuzeigen, wie bis 2040 das Leben auf der Erde nachhaltig verbessert werden könnte. Der Film lässt nicht nur Experten zu Wort kommen, sondern vor allem diejenigen, denen die Zukunft gehört: Kinder aus der ganzen Welt zwischen sechs und elf Jahren.

"Ich finde wir brauchen eine Erfindung, die all den Müll der Welt einsaugt und es in eine intergalaktische Dimension befördert", sagt ein Junge. Ein Mädchen sagt: "Ich will, dass die Korallenriffe weiterhin so bunt sind wie Regenbögen am Himmel".

In einem Dorf in Bangladesch erfährt Gameau, dass die lokalen Haushalte ihre eigene Energie herstellen durch Solarpaneele auf ihren Wellblechhütten. Durch die Solarsysteme, die zu einem Netzwerk verbunden werden können, kann das ganze Dorf mit Energie versorgt werden. Dies sei auf die Energieversorgung weltweit übertragbar.

Als eine weitere Lösung schlägt der Regisseur, angelehnt an Ideen aus Singapur, Sharing-Modelle im Autoverkehr vor. Autonome, fahrerlose Elektroautos und das Fahren "on demand", also auf Abruf, schaffe Platz für Parkanlagen und Urban-Gardening-Projekte und verringere die CO2-Emissionen. "Siri, bitte pass auf mich auf", witzelt er, als das fahrerlose Elektroauto losdüst.

Die Frage, so Gameau, sei, ob die Menschen dafür bereit sind, das Statussymbol Auto aufzugeben. Außerdem geht es um urbane Bepflanzung auf den Dächern der Stadt. "Man könnte wieder Vögel mitten in der Stadt singen hören", meint Gameau. Selbst wenn sofort alle CO2-Emissionen eingestellt werden würden, seien wir an dem Punkt angekommen, an dem es kein Zurück mehr gebe.
Und was schlägt "2040 – Wir retten die Welt!" vor?

Es müsse auch mehr Wert auf die Nahrungsmittel und auf die Landwirtschaft gelegt werden. Auf nachhaltige Produktion und Haltung der Nutztiere müsse geachtet, weniger rotes Fleisch und mehr unter natürlichen Bedingungen gewachsenes Obst und Gemüse gegessen werden. Die Agrarwirtschaft müsse als Teil der Lösung betrachtet werden. So könne die Landwirtschaft mit neuen Methoden einen erheblichen Beitrag leisten, den CO2-Gehalt der Atmosphäre zu senken.

Auch der Bedrohung im Meer, der Übersäuerung, dem Artensterben, dem Bleichen der Riffe durch die Erderwärmung, könne man mit leichten Maßnahmen entgegenwirken. Der Wissenschaftler Dr. Brian von Herzen schlägt vor, Meeres-Permakulturen durch Braunalgen anzulegen. Algen seien neben dem tropischen Regenwald die zweite "grüne Lunge" unseres Planeten.

Mit kleinen Projekten und Technolgien, so die australischen Filmemacher von "2040", könne eine lebenswerte Zukunft geschaffen werden. Um es mit Gameau zu benennen: Es geht um "Fact-based dreaming" und vor allem: Handeln.
 Das alles ist ja gut und richtig, aber der Film war schrecklich gemacht. Wie ein Werbefilm, der einen mit pausenloser Musikuntermalung, mit weichgespülten Bildern, mit Tränendrüsendruck-Strategien aus der Mottenkiste und zu allem Überfluss noch fürchterlich synchronisiert einer Herzwäsche unterziehen wollte. Himmel! Dass man selbst bei solchen Themen einen so derartig gruseligen Film machen kann - wir waren ratlos. Ist das australischer Geschmack? Oder zielt er auf ein anderes Publikum als wir es sind? Wir werden es nie erfahren...