Freitag, 22. November 2019

Synagoge

Gestern war ich bei einer Veranstaltung des Münchner Lehrhaus der Religionen e.V., wo ich hin und wieder bin. Thema dieses Semester ist: Gebet und Liturgie und gestern war Rabbi Langnas dran, wir trafen uns in der Synagoge am Jakobsplatz. Das war gar nicht so einfach. Man musste man sich Wochen vorher anmelden mit Vorname, Nachname, Geburtsdatum, Geburtsort und Nummer des Reisepass (RP) oder Personalausweis (PA). Eine polizeilich angeordnete Vorsichtsmaßnahme, die Informationen gingen an den Sicherheitsdienst der IKG.
Dann warteten wir erstmal draußen und wurden schließlich einzeln reingelassen und gefragt, ob wir Messer, Pfefferspray oder sowas dabei hätten, mussten die Taschen öffnen, diese schließlich durchleuchten lassen und auch noch durch eine Schleuse gehen, wie im Flughafen.




Die Synagoge finde ich total schön, von außen fast noch schöner als von innen. Wir gingen durch den unterirdischen Sicherheitsgang hinüber in die Synagoge.  Der 32 Meter lange „Gang der Erinnerung“ ist eine künstlerische Installation des Künstlers Georg Soanca-Pollak. Hinter erleuchteten Glasplatten bilden die Namen von über 4.500 Münchner Juden ab, die während der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden.




Es war kein Gottesdienst. Der ist im Winter schon gegen 16 Uhr und wochentags in einem 'Alltagsraum', nicht in der Hauptsynagoge. Wir ließen uns - alle mit einem Gebetsbuch auf Deutsch und Hebräisch ausgestattet - in den Bänken nieder und lauschten Rabbi Langnas, der ein witziger und angenehmer Redner ist, ein Amerikaner, der seine Religion liebt und mit vergnügtem Stolz präsentiert.


Man kann das hebräische Wort für beten übersetzen mit ‚richten, urteilen‘, sagte er. Folglich vermittelt Beten den Sinn, sich selbst zu beurteilen: Der eigentliche Sinn des Gebets – tefilah – ist unsere Verwandlung. Dieser Sinn passt zu der jüdischen Auffassung von Gottes Einfachheit. Nicht Gott ändert sich durch das Gebet, der Mensch kann ihn nicht so wie ein Rechtsanwalt den Richter beeinflussen, sondern der Mensch selbst ändert sich.
Das Gebetsbuch entstand ca. 350 Jahre vor der Zeitrechnung, weil das spirituelle Niveau der Juden nachzulassen begann, das ganz früher wohl enorm hoch war. Dann aber gab es viel Konkurrenz-Religionen, die teilweise zugänglicher und attraktiver waren, als das Judentum.
Die Juden sagen ständig Lobsprüche für Gott und drücken damit ihre Dankbarkeit aus - er braucht das nicht, aber er hört es gern, sagt Rabbi Langnas.
Dann erzählte er die Geschichte von der reinen Seele: die Menschen bekamen am Anfang vom Jahr von Gott weiße Kleidung für einen Ball, der am Ende des Jahres stattfinden sollte. Sie trugen diese Kleidung ganz vorsichtig, nur zu Feiertagen, aber es kamen Flecken darauf. Da trugen sie sie auch an gewöhnlichen Samstagen, da wurde sie noch schmutziger. Dann trugen sie sie schließlich jeden Tag und am Ende des Jahres, als der Ball stattfinden sollte, waren es nur noch Lumpen. So ist es mit der Seele - am Ende des Jahres, an Jom Kippur, soll die Seele so rein sein, wie ein weißes Ballkleid, also: besser aufpassen! Öfter mal reinigen!
Die orthodoxe Gemeinde in München hat 9.000 Mitglieder, darunter sind aber nur 30 fromme Familie, die die Gebote einhalten. Die liberale Gemeinde hat ca. 200 Mitglieder.