Freitag, 12. Juli 2019

Wank

J und ich machten endlich unseren Vorsatz wahr, den Wank zu ersteigen, einen Berg in Garmisch-Partenkirchen. Ich hatte den sehr poetischen Tourensteckbrief ausgedruckt:
Gleich hinter dem Parkplatz beim „Haus Wank“ geht’s nach rechts in eine kleine Seitenstraße und bei der nächsten Abzweigung nach links aufwärts in den Wankweg. Man folgt der Beschilderung: Josefsbichl, Gamshütte. Wenige Minuten später lässt man die letzten Häuser hinter sich und gelangt zu einer breiten Wiesenzunge. Hinter einem Baum mit Holzschildern beginnt der Wanderweg, der am Rande der Wiese höher zieht.
Bald befindet man sich in einem Kessel, der durch einen Wasserfall durchbrochen wird. Der Weg leitet über eine kleine Brücke nach rechts und führt über breite Stufen aus dem Kessel heraus. Bei der nächsten Abzweigung dreht man nach links ab. Die Route schlängelt sich durch Mulden und grasige Rippen im Wald empor und man erreicht schließlich die hübsche, freistehende Gamshütte (1.000m). Gleich gegenüber protzen Alpspitze und Zugspitze in voller Größe.
Direkt vor der Gamshütte schwenkt man nach links und steigt in sehr lichtem Bergwald höher. Einige Serpentinen weiter oben stößt man auf eine beschilderte Wegverzweigung. Hier hält man sich links und erreicht auch schon bald eine große freie Bergwiese, wo mitten drin die kleine unbewirtschaftete Eckenhütte (1.060m) steht. Man geht am Schilderbaum vorbei und zieht geradeaus auf der großen Lichtung höher. In unzähligen Kurven führt die Route im Bergwald aufwärts.
An einer Gabelung folgt man der Beschilderung und biegt nach rechts ab. Im weiteren Verlauf wendet sich der Weg mehr und mehr nach links, so dass man ab und zu in die Nähe des Seilbahnverlaufes kommt. Niedrige Latschen mischen sich zu den einzelnen Baumgruppen hinzu und die langen Kehren des Weges leiten oft weit nach Süden, so dass man jetzt auch das Karwendelgebirge sehen kann.
Das letzte Stück steigt man einen Latschenrücken empor, bevor freie grüne Wiesenflächen auftauchen. Links oben weht auch schon die Fahne des Wank-Hauses (1.780 m). Das Gipfelkreuz ist gleich dahinter und auf der Nordseite sieht man jetzt die gesamte Estergebirgs-Verwandtschaft (Hoher Fricken, Bischof, Krottenkopf, Hohe Kisten).
In dieser Weise ging es weiter und wir fanden alles genau so vor, wie beschrieben. Alle Berge in voller Größe.








Wir aßen in der Tannenhütte, die J schon kannte und sehr empfohlen hatte. Ich fand aber den Salat so miserabel, dass ich dem Kellner meine Kritik ausführlich darlegen musste. Er wies sie weit zurück mit dem klugen Argument, dass sich noch nie jemand beschwert hätte. J war das furchtbar peinlich, aber ich bin es leid, mit miesem, teurem Essen abgefertigt zu werden, wenn es tatsächlich mies und teuer ist. Und dieser Salat war mies und teuer. Nach einiger Zeit hat J sich dann wieder gefangen.
Als es zu regnen anfing - J war selbstverständlich ohne jede Ausrüstung - akzeptierte er meinen Schirm, so dass wir weiterwandern konnten.










Sehr schön war das da oben, sehr friedlich. Und in Garmisch setzten wir uns noch in ein kleines Café und aßen sehr leckeren Kuchen und J zeigte mir das Museum, für das er mal Regale gebaut hatte. Wir konnten die Regale durch das Fenster sehen, sie sahen gut und stabil aus. Sehr befriedigt fuhren wir zurück und ich setzte mich in Weilheim in den Zug nach München.
Dort machte ich den Fehler, auf S-Bahn und Bus umzusteigen - weil es regnete gab es sofort ein Verkehrs-Chaos und die Busse kamen nicht durch. Ich hätte oben in der Tannenhütte bleiben sollen, egal, wie das Essen ist...