Post von A, der den Januar über wieder in Vendig ist:
Venezia 14.1.2019 lunedi matina
Lunedi mattina, giorno di lavoro, Betriebsamkeit herrscht in allen Kanälen von Cannaregio, Gondeln sind nicht zu sehen, Warentransport, also Lastkähne mit Zementsäcken und Sackkarren obendrauf sind unterwegs, eine Hand am Steuer, die andere am Handy, am cellulare, Berge von Kartons, Säcke mit Wäsche.Transporto Alessandro Tel. o41 9954521 steht auf der Außenwand, will in einen engen Seitenkanal einfahren, schreit kurz und laut um die Ecke, wirft das Ruder herum und fährt mit voller Geschwindigkeit in den Seitenkanal, er hatte Glück, der ihm entgegenkommende Kahn, beladen mit Gerüstbauteilen hatte noch ein paar Meter bis zur Kreuzung, knapp lavieren sie an einander vorbei, der mit den Gerüstteilen gibt Gas, hupt und schießt in den Querkanal, weiter vorne wird wieder gehupt und er verschwindet im nächsten Seitenkanal, aus dem kurz darauf ein grüner Kahn der Firma Antonio Nerini Tel. 041 7748278 um die Ecke biegt, eine Hand am Steuer die andere am cellulare, mit Paletten, zwei Eisenschragen, ein Paar Schaltafeln und einen großen Hiltkoffer beladen, „si si vengo“ verstehe ich noch, dann ist er auch schon wieder verschwunden.Hier in den Kanälen am Fondamento nuove ist selten oder nie eine Gondel zu sehen, eine Venezianische Plätte ja, zwei Frauen, eine vorn, eine hinten legen an der Mole an und steigen vorsichtig aus dem schaukelnden Boot, da der mit Weinkartons beladene große blaue Kahn gerade mit guter Geschwindigkeit daran vorbei fährt, der Mitfahrer des Steuermanns telefoniert und gestikuliert mit ausladender Armbewegung.
Auf der Fondamenta deli ormesini ist Gedränge, Einkaufswägelchen werden über die Brücken gezerrt, so wie die Hündchen an der Leine die noch gerne an einer gelblichen Pfütze schnuppern würden, ein paar ältere Männer und ein leicht gebückte Dame mit dem von Venezianerinnen geliebten Pelz diskutieren mit lauten Stimmen, einige Meter weiter ist ein Altersheim, davor steht eine Dame mit Gehwägelchen in der Sonne und wärmt ihre alten Knoche während sie mit ihrem cellulare hantiert.
Auf dem Heimweg, in einer kleinen Gasse, ein Bäckerladen voller Kunden, die Verkäuferin zieht gerade noch ein Blech mit irgend einem Gebäck aus dem im hinteren Teil des Ladens befindlichen Ofen. Vorne an der Ecke in einem Namenlosen Lokal trinken wir zu zwei kleinen Ciquetti, einen Ombra bianco, gehen durch den Hintereingang eines am Canal Grande liegenden bescheidenen Palazzo in den vierten Stock in unsere Atelierwohnung und halten unseren Mittagsschlaf.