Viel können und wenig wissen
Es mag eigenartig klingen, aber es ist dennoch so: Fast alles, was wir gelernt haben, wissen wir nicht. Aber wir können es. Weil’s Spaß macht, noch ein Beispiel: Es ist verboten, den Schutzmann umzufahren. Es ist vielmehr geboten, den Schutzmann zu umfahren. – Warum? Weil nach der deutschen Grammatik „um“ ein so genanntes Halbpräfix ist, das (wie die Grammatik mit weiteren Termini technici erklärt) fest und unfest vorkommen kann. „Um“ kann also sowohl wie die unbetonten Präfixe „ver“, „be“, „ent“, „er“ und „zer“ gebraucht werden und ist dann untrennbar mit dem Verb verbunden, dessen Partizip, dies sei angemerkt, ebenfalls ohne „ge“ gebildet (also nicht ge-erzeugt) wird.
Damit ist das Problem keineswegs umgangen, denn mit etwa der Hälfte der Fälle muss anders umgegangen werden. Hier ist das „um“ betont und nicht fest mit dem Verb verbunden. Man muss jetzt umdenken: Nicht nur das Partizip wird mit „ge“ umgedacht, sondern eben auch der Schutzmann verbotenerweise umgefahren, wie der Grammatikduden ganz klar darlegt. Offenbar können wir alle das „zu“ in das Verb hineinnehmen, wenn das Präfix betont ist; andernfalls stellen wir es voran. – Hätten Sie’s gewusst? Jedenfalls können Sie es mit links!
Also: das Studium der Grammatik ist ein schier unendliches Feld. Ich weiß nicht, ob ich das beackern soll... Es ist zwar spannend, aber allein MENGENMÄSSIG ganz, ganz gewaltig.
