In der Sprache aber heißt pedantisch, sich wie ein Schulmeister auf die gelehrte, wie ein Schulknabe auf die gelernte Regel alles einbilden und vor lauter Bäumen den Wald nicht sehn; entweder an der Oberfläche jener Regel kleben und von den sie lebendig einschränkenden Ausnahmen nichts wissen, oder die hinter vorgedrungnen Ausnahmen still blickende Regel gar nicht ahnen. Alle grammatischen Ausnahmen scheinen mir Nachzügler alter Regeln, die noch hier und da zucken, oder Vorboten neuer Regeln, die über kurz oder lang einbrechen werden.
(Jacob Grimm, 1847, aus: http:// gutenberg.spiegel.de/ buch/6190/14)
Das steht in Matthias Granzow-Emden, Deutsche Grammatik verstehen und unterrichten (Tübingen 2013), das mein erstes Buch über Grammatik ist. Spannend, aber auch quälend, weil es die klassische, die traditionelle Grammatik, wie sie an Schulen gelehrt wird, grundsätzlich in Frage stellt. Wenn man diese nun überhaupt nicht kennt, dann kommt man ganz schön ins Schleudern. Aber es ist interessant.
Einer der Beispieltexte:
Rechtzeitig beworben
Ein fünfjähriger Junge hat sich bei der Polizei in Bocholt beworben. Sein Lebenslauf ist kurz. „Besuch des Kindergartens ‚Über den Wolken‘“ ist der einzige Eintrag des kleinen Niklas in der Rubrik „Werdegang“. Das teilte ein Sprecher der Polizei am Mittwoch mit. Im Anschreiben steht: „Ich möchte gerne meine Ausbildung starten, sobald ich den Kindergarten und meine schulische Ausbildung abgeschlossen habe . Zu meinen Hobbys gehört das Spielen mit Polizeiautos.“
(aus: Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN) vom 22. 09. 2011;Heute hatten wir unseren ersten "Test" - den Abschluss vom Linguistik-Teil. Zum Glück durften wir zusammenarbeiten, denn mein Notebook gab den Geist auf, als ich fertig war und ich fand die Datei hinterher nicht wieder. Musste alles nochmal schreiben! Ich konnte es dann von E abschreiben, aber es war stressig.
Schon zwei Stunden später kam die Mail: ich hatte mit voller Punktzahl "bestanden". War aber doch ein gutes Gefühl.
Wir mussten folgenden Satz analysieren:
Also sowas:Nach gründlicher Überprüfung des Falls konnten der Detektiv Holmes und sein Freund Watson den Täter schneller fassen als der ehrgeizige Inspektor Lestrade.
|
Nach |
gründlicher |
Überprüfung |
des |
Falls |
konnten |
der |
Detektiv
|
Holmes |
und |
sein |
|
Präposition |
Adjektiv |
Substantiv |
best.
Artikel |
Substantiv |
Modalverb |
Best.
Artikel |
Substantiv |
Eigenname |
Konjunktion |
Poss.
Pron. |
oder sowas:
|
Nach gründlicher Überprüfung
des Falls |
konnten |
der Detektiv Holmes und sein
Freund Watson |
den Täter
|
schneller |
fassen |
als
der ehrgeizige Inspektor Lestrade.
|
|
Adverbiale Best. |
Prädikat I |
Subjekt |
Direktes Objekt |
Adverbiale Bestimmung Teil 1 |
Prädikat II |
Adverbiale
Bestimmung
Teil 2 |
Und:
5.
Besonderheiten
- Nachfeld besetzt = selten
- markierte Satzstellung = adverbiale Bestimmung getrennt durch das Verb, das in einem unmarkierten Satz am Ende stände.
- markierte Satzstellung = im Vorfeld steht nicht das Subjekt sondern adverbiale Bestimmung, unmarkiert: Subjekt im Vorfeld oder unmarkierte Reihenfolge wäre Subjekt, Prädikat, adverbiale Bestimmung
- adverbiale Bestimmung = schneller ist gesteigert
- Komposita: Über-Prüfung = Zusammenfügung von Präposition und Substantiv
- Prüfung vom Verb prüfen abgeleitet
- Verb transitiv: fassen
- Verb schwach: fassen
- Verb 2-wertig: fassen
